Blick über den Tellerrand

Eine intensive Woche haben zwölf TeilnehmerInnen der Österreichischen Trainerausbildung Ende April hinter sich gebracht. Eine Woche hospitierten sie beim TVB Stuttgart und verfolgten dabei die Vorbereitung von Trainer Markus Baur auf das wichtige Spiel gegen den VfL Gummersbach. Den fachlichen Schwerpunkt bildete Dr. Rolf Brack, weitere Einblicke gewährten die Athletiktrainer Dr. Dieter Bubeck und Karsten Schäfer, sowie die Frauen-Trainer Pascal Morgant (TV Nellingen) und Martin Albertsen (SG BBM Bietigheim). Handballspezifische Managementthemen wurden von Jürgen Schweikardt, Günter Schweikardt (beide TVB Stuttgart) sowie Ronald Maier (handball-world.com/redsport) vorgetragen.

Eine Urlaubswoche kann man sicher entspannter verbringen, eine Gruppe von zwölf TrainerInnen hatte sich mit Prof. Helmut König, Ausbildungsleiter des Österreichischen Handballbundes, einiges vorgenommen. Im Rahmen der Ausbildung zur Handball-A-Lizenz hospitierten sie eine Woche in der Region Stuttgart, im Fokus stand dabei die Arbeit von Trainer Markus Baur mit der Bundesliga-Mannschaft des TVB Stuttgart. Die Sympathien der Gäste waren am Ende klar definiert, als „ihr“ Team zum Ende der Lehrgangswoche den wichtigen Sieg gegen den VfL Gummersbach einfuhr.

Insgesamt 75 Unterrichtseinheiten standen von Montag- bis Sonntagnachmittag auf dem Stundenplan, ein Mammutprogramm für die TeilnehmerInnen, die teilweise selbst auch noch als SpielerInnen aktiv sind. Immer wieder im Mittelpunkt der TVB Stuttgart in all seinen Facetten. Gleich zu Beginn des Lehrgangs erläuterte Jürgen Schweikardt den Weg der Bittenfelder in die Landeshauptstadt mit allen dazugehörigen Herausforderungen, Chancen und Risiken. „Im Austausch mit Handballern aus anderen Regionen und Ländern lernt man immer gegenseitig,“ freute sich der TVB-Geschäftsführer über den Besuch und war sich sicher, dass auch sein Verein davon profitiert, „deshalb hat es mich sehr gefreut das die höchste Trainerausbildung in Österreich halt bei uns in Stuttgart gemacht hat.”

Bevor es zum ersten Training von Markus Baur mit dem TVB-Team ging gab Dr. Rolf Brack noch einen theoretischen Einstieg in die Lehrgangswoche. Der frühere Bundesliga- und Nationaltrainer war fachlich-didaktisch für den Lehrgang verantwortlich und spann über die gesamte Woche seinen roten Faden der „Bracktischen Erfolgsphilosophie“. Bei der Theorie sollte es dabei nicht bleiben, es folgten auch praktische Einheiten, unter anderem gemeinsam mit dem Schwerpunktfach Handball der Universität Stuttgart. Das „Länderspiel“ beendete Schiedsrichter Andi Blodig am Ende der Einheit mit einem salomonischen Unentschieden. Dass die österreichischen Gäste dabei spielerische Qualität aufbieten konnten war wenig überraschend, waren doch mit Barbara Strass, Stefanie Ofenböck und Robert Paulnsteiner ehemalige NationalspielerInnen im Kurs vertreten, dazu weitere ehemalige und aktuelle ErstligaspielerInnen.

Mit dem doppelten Blick der (ehemaligen) Spieler und der aktiven oder angehenden Trainer wurden dann das Training des TVB Stuttgart beobachtet und analysiert. Dabei spielte auch die Wochenplanung, der Aufbau eines Spannungsbogens und die besondere Drucksituation des TVB im Abstiegskampf eine Rolle. TVB-Trainer Karsten Schäfer erläuterte zudem die Arbeit im Athletik-, Konditions- und Torwartbereich. Zudem vertiefte Dieter Bubeck am Stuttgarter Olympiastützpunkt die athletischen Aspekte, ein Aspekt dem auch in der österreichischen Ausbildung ein immer größerer Stellenwert eingeräumt wird.

„Das besondere dieses innovativen Projekts zu einer zeitgemäßen Trainerausbildung war der tiefe Einblick in die Theorie und Praxis des Spitzenhandballs im Männer- und Frauenbereich,“ schwärmte Dr. Rolf Brack auch als Referent von der breit angelegten Ausbildung und dem perfekten Wochenplan: „Der direkte Bezug und Vergleich der beobachteten Trainingseinheiten unter der Woche, die konkrete Spielvorbereitung hin zum Spieltag sowie die abschließende Analyse der Bundesligaspiele am Ende der Lehrgangswoche.“ Neben dem Spiel des TVB Stuttgart gegen den VfL Gummersbach stand auch das Spiel zwischen dem TV Nellingen und den TusSies Metzingen in der Handball-Bundesliga der Frauen im Fokus. Pascal Morgant hatte ausführlich sein Abschlusstraining beim TVN erläutert, einen Quervergleich gab es hier mit der Arbeit und der besonderen Philosophie von Martin Albertsen bei der SG BBM Bietigheim.

„Wir sind allen Referenten und Vereinen in der Region Stuttgart, ganz natürlich dem TVB, für diese tollen Möglichkeiten dankbar,“ freute sich Prof. Helmut König über die offenen Türen, die er mit seinen Lehrgangsteilnehmern eingerannt war, „die Teilnehmer können viele Impulse mitnehmen und waren vor allem von der Offenheit aller Gesprächspartner begeistert.“ Der Ausbildungsleiter des ÖHB legt allerdings auch Wert darauf, dass das Aufgabenfeld eines modernen Trainers weit über die klassischen sportlichen Aufgaben hinausgehen. So stellte mit Günter Schweikardt auch der sportliche Leiter des TVB die Philosophie im Nachwuchsbereich vor, zudem arbeitete Ronald Maier, Geschäftsführer von handball-world.com, mit den TrainerInnen an Sozialkompetenz, Methoden der Selbststeuerung und Teamanalyse, gewährte aber auch einen Einblick in die sich verändernde Medienlandschaft. Alles in allem ein umfangreiches Programm, das die Teilnehmer bis zum Herbst verarbeiten können, denn dann steht noch eine Hospitationswoche in Berlin auf dem Programm.

Quelle: Ronald Maier, handball-world.com

Foto: Georg Furtmüller