TVB erkämpft sich wichtigen Punkt

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sich im Abstiegskampf mit dem 24:24 (9:12) beim TSV Hannover-Burgdorf einen eminent wichtigen Punkt gesichert. Vor 4150 Zuschauern hatte der TVB acht Minuten vor dem Ende mit 18:23 im Hintertreffen gelegen und einen fulminanten Endspurt hingelegt. Mit der Schlusssirene traf Michael Kraus per Strafwurf zum Ausgleich.

Nach dem einen oder anderen unglücklich verlorenen Punkt in dieser Saison hatte der TVB am Samstagabend in der Swiss-Life-Arena in der entscheidenden Situation das Glück auf seiner Seite. 24:23 führte Hannover, als der TVB-Trainer Markus Baur 24 Sekunden vor dem Ende in einer Auszeit den finalen Angriff ansagte und den siebten Feldspieler brachte.

Can Celebi, der in den 60 Minuten zuvor nicht eben mit Durchschlagskraft geglänzt hatte, tankte sich energisch durch. Beim Kontakt mit der Hannoveraner Deckung sahen die heimischen Fans ein Stürmerfoul, doch die Schiedsrichter Robert Schulze und Tobias Tönnies entschieden auf Strafwurf.  Kraus behielt gegen Martin Ziemer die Nerven und donnerte den Ball mit der zum 24:24-Endstand in den Kasten. Auch wenn der Ausgleich in der Entstehung zweifelsfrei etwas glücklich war: Unterm Strich hatte ihn sich der TVB verdient, weil er sich trotz etlicher schwächeren Phasen immer wieder  zurückgekämpft und die leichten Fehler des Gegners in den letzten acht Minuten eiskalt genutzt hatte.

Zunächst jedoch machten die Bittenfelder dort weiter, wo sie in den jüngsten Spielen aufgehört hatten: Die Defensive stand ordentlich, doch im Angriff taten sie sich ungemein schwer – und scheiterten wieder einmal an ihrer eklatanten Abschlussschwäche. Bobby Schagen ließ mit der ersten Aktion gleich einen Siebenmeter und einen freien Wurf gegen den starken Recken-Keeper Martin Ziemer liegen. Michael Kraus machte es ihm nach mit zwei vergebenen Würfen und drei Fehlpässen. Der Gastgeber drehte den 1:2-Rückstand in die 6:4-Führung (13.).

Baur brachte Michael Schweikardt für den unglücklich agierenden Kraus auf der Spielmacher-Position und Felix Lobedank im rechten Rückraum für Celebi. An der schwachen Wurfausbeute indes änderte dies nichts. Nach einem weiteren Fehlabspiel des TVB legte Casper Mortensen zum 7:4 nach (17.). In der Auszeit monierte Baur das fehlende Tempo im Angriffsspiel seiner Mannschaft, die weiterhin reihenweise an Ziemer scheiterte. Nach 22 Minuten hatte der Keeper bereits zehn Paraden auf dem Zettel, Hannover führte verdient mit 10:5.

Dann zeigte das Team von Trainer Jens Bürkle, das seit zehn Spielen ohne Punkt war, plötzlich Schwächen. Tobias Schimmelbauer und zweimal Michael Schweikardt brachten ihr Team beim 10:8 (25.) wieder zurück ins Spiel. Zugute kam dem TVB auch, dass Johannes Bitter immer besser in die Partie fand.

Riesige Probleme indes hatten die Gäste weiterhin aus der Fernwurfzone: Von Can Celebi, Dominik Weiß und Felix Lobedank ging zu wenig Torgefahr aus. Nach 14 Fehlwürfen und sechs Fehlabspielen war zur Pause nicht mehr drin als der 9:12-Rückstand. Am besten funktionierte noch das Kreisläuferspiel mit dem guten Simon Baumgarten.

Das war auch nach der Pause zunächst das Pfund des TVB, der nun versuchte, mit der Achse Schweikardt/Kraus mehr Tempo ins Spiel zu bringen. Die Gäste hatten zwar im gebundenen Angriff nach wie vor ihre Probleme mit der flinken Hanoveraner Deckung. Die Wurfausbeute indes wurde deutlich besser, Ziemer bekam nicht mehr viele Bälle zu fassen. In Überzahl brachte Kraus sein Team beim 16:15 (42.) auf ein Tor heran, die Recken schienen den Faden verloren zu haben. Doch der TVB lieferte dem Gegner mit unkonzentrierten Aktionen erneut die Vorlagen. Timo Kastening versenkte einen Konter zum 19:15 (44.). Schweikardt hielt den TVB mit seinen Treffern zum 19:16 und 20:17 (46.) in der Partie.

Die jedoch schien acht Minuten vor dem Ende beim 23:18 für Hannover gelaufen. Doch der TVB glaubte offensichtlich an seine Chance, während Hannover plötzlich völlig von der Rolle war und fahrig agierte. Bei den Gästen übernahmen nun Kraus und Orlowski die Verantwortung. Nach Schagens Tor zum 23:21 (55.) witterte das Baur-Team seine Chance. Florian Böhms 24:21 konterte Orlowski zum 24:22 und 24:23 (58.). Die Recken leisteten sich unterdessen zwei Stürmerfouls in Folge, dann war Bitter zur Stelle und verhinderte damit die Entscheidung.

Für ein ausgiebiges Jubeltänzchen mit den mitgereisten TVB-Fans sorgte schließlich Kraus mit dem 24:24-Ausgleich. Der TVB sicherte sich damit einen Zähler, der in der Endabrechnung Gold wert sein könnte. Zumal die Konkurrenten ebenfalls punkteten.

 TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Semisch; Johanssen (2), Mortensen (5), Patrail (3), Hykkerud (1), Lehnhoff, Häfner (5), Böhm (2), Karason (3/3), Schmidt, Olsen, Christophersen, Kastening (3).

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer (3), Lobedank, Weiß, Schagen (1), Schweikardt (5), Kraus (5/2), Coric, Baumgarten (5), Fotache, Kretschmer, Orlowski (5), Celebi.

 

Quellen: Thomas Wagner, ZVW