Der TVB bleibt im Rennen

Aufatmen beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Mit dem 23:21-Sieg (12:11) gegen den VfL Gummersbach hat sich das Team von Trainer Markus Baur gestern eminent wichtige Punkte im Abstiegskampf gesichert. 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena sahen das erwartet intensive Spiel, in dem der TVB nach einer viertelstündigen Torflaute zurückkam.
Der VfL Gummersbach reiste zwar ohne seinen verletzten Nationalspieler Julius Kühn nach Stuttgart an, aber mit neuem Selbstvertrauen nach dem jüngsten 30:26-Sieg gegen den TSV Hannover-Burgdorf. Der TVB dagegen trauerte noch etwas den vergebenen Bonuspunkten gegen die Top-Teams Kiel und Magdeburg nach. Dazwischen lag die bittere 18:28-Heimpleite gegen die HSG Wetzlar. Diesen Schock galt es nun in diesem so wichtigen Spiel gegen die längst nicht gesicherten Gummersbacher aus den Kleidern zu schütteln.
Wie das funktionieren könnte, zeigte der Weltmeister des TVB auf der Spielmacherfunktion: Mit 3:1 führte das Heimteam nach fünf Minuten, sämtliche Treffer steuerte Michael Kraus bei, das 4:2 durch Vio Fotache bereitete er glänzend vor. Spätestens nach dem 5:2 durch Can Celebi (10.) hatte der TVB seine Sicherheit gefunden. Die Abwehr vor dem guten Johannes Bitter agierte konzentriert, der Gummersbacher Rückraum um die Nationalspieler Simon Ernst und Kevynn Nyokas kam kaum zum Abschluss.
Bis zum 9:3 (14.), Kraus’ fünftem Treffer, hatte der TVB das Spiel im Griff. Auch die Auszeit des Gummersbacher Trainers Sead Hasanefendic stoppte das Heimteam – zunächst – nicht. Plötzlich jedoch ging gar nichts mehr im Angriff der Stuttgarter. Baur gönnte dem einen oder anderen Akteur eine Verschnaufpause. Es häuften sich die Fehlabspiele, Bitters Gegenüber Carsten Lichtlein kam immer besser in die Partie. Ganze 13 Minuten blieb der TVB ohne Treffer, die Gäste nutzten ihre Chancen in dieser Phase konsequent. Der starke Christoph Schindler sorgte nach 24 Minuten für den 9:9-Ausgleich und Andreas Schröder beim 10:9 für die erste Führung des VfL. Der TVB war komplett neben die Spur geraten. Celebi beendete mit dem 10:10 die Torflaute, Kraus legte zum 11:10 nach (28.). Der TVB hatte sich zurückgekämpft – und bei Simon Baumgartens Kullertor zum 12:11-Halbzeitstand endlich einmal das Glück auf seiner Seite. Zuvor hatten die Spieler und die Fans des öfteren mit den Entscheidungen der Schiedsrichter Fabian Baumgart und Sascha Wild gehadert.
Nach der Pause versuchten die Gäste, die Kreise von Kraus mit einer kurzen Deckung einzuengen. Das funktionierte nur phasenweise. Der TVB versemmelte zwar gleich seinen zweiten Siebenmeter, doch Celebi setzte sich nun mit mutigen Aktionen in Szene. Sein Doppelschlag brachte die 14:12-Führung (35.).
Das Spiel wurde nun härter und hektischer, beide Teams kämpften verbissen um jeden Zentimeter. Beim VfL lief Lichtlein zu großer Form auf, machte gleich reihenweise beste TVB-Chancen zunichte. Auf der anderen Seite zwang die heimische Abwehr den Gegner immer wieder ins Zeitspiel, auch Bitter hielt weiterhin stark. Der VfL hielt sich mit Einzelaktionen im Spiel, so traf Ernst zum 14:14 (40.). Celebi mit seinem fünften Tor und ein Doppelpack von Tobias Schimmelbauer zum 17:14 (44.) brachten wieder etwas Ruhe ins Spiel.
Gummersbach ließ sich aber nicht abschütteln (17:15/18:16). Nach Bobby Schagens tollem Tor zum 19:16 fasste sich Dominik Weiß ein Herz und traf zum 20:16 (50.). TVB-Coach Markus Baur ging in den finalen zehn Minuten ein großes Risiko, brachte konsequent den siebten Feldspieler. Das funktionierte – auch, weil die Gummersbacher zweimal den Ball am leeren TVB-Kasten vorbei warfen. Das Heimteam musste jedoch noch bis dreieinhalb Minuten vor dem Ende zittern, ehe Baumgarten mit dem 23:19 die Nerven beruhigte. Mehr als zwei Treffer zum 23:21 waren nicht mehr drin für die Gäste.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer (4), Weiß (1), Schagen (2), Schweikardt, Kraus (7), Coric, Baumgarten (3), Fotache (1), Kretschmer, Orlowski, Celebi (5).
VfL Gummersbach: Lichtlein, Puhle; Schroeter (1), Ernst (4), Schindler (5), Baumgärtner (1), Nyokas (1), Barten, Pevnov, Schmidt (2), von Gruchalla (2/2), Becker (1), Schröder (4).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW