TVB empfängt Wetzlar

Stuttgart. Im viertletzten Heimspiel erwartet der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart am Donnerstag (13.04.) den Tabellensiebten HSG Wetzlar in der ausverkauften Scharrena. Der TVB-Trainer Markus Baur hofft, dass sein Team an die überzeugenden Auftritte gegen Balingen und Kiel anknüpft. Der achte Saisonsieg wäre ein großer Schritt auf dem Weg zum Ligaverbleib.

Es gibt Momente, da ist der geliebte Sport plötzlich nicht mehr ganz so wichtig. Nach dem Training am Dienstag wollten sich TVB-Handballer das Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem AS Monaco ansehen. Der gemütliche Abend fiel aus, der Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus und die Spielabsage haben den Trainer sprachlos gemacht. „Das ist der Wahnsinn“, sagte Markus Baur am Morgen danach. Es sei schon schlimm genug, dass man sich „hunderttausend Gedanken“ machen müsse, wohin man in Urlaub fahre. „Wenn dann aber so etwas passiert wie in Dortmund, dann kann man nichts mehr ausschließen. Das ist wirklich grenzwertig.“

Beschwerlicher Weg zum Ligaverbleib

Nichtsdestotrotz müssen sich die Bittenfelder auf die kommenden sportlichen Aufgaben konzentrieren. Elf Spiele sind’s noch auf dem beschwerlichen Weg zum Ligaverbleib. Fest eingeplant sind die Punkte gegen die Abstiegskonkurrenten Gummersbach, Lemgo und Coburg. Chancen rechnen sich die Verantwortlichen auch gegen Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld aus.

In heimischer Umgebung hat der TVB nur noch am Gründonnerstag die Gelegenheit, gegen ein Team dieser Kategorie zu punkten. „Es ist an der Zeit, dass wir die Punkte gegen Mannschaften wie Wetzlar endlich mal hierbehalten“, sagte der TVB-Spielmacher Michael Kraus am Dienstag anlässlich seiner Vertragsverlängerung.

Das indes dürfte ein hartes Stück Arbeit werden. Bei der 25:33-Hinspielniederlage hatten die Bittenfelder wenig zu bestellen, bissen sich vor allem an der Wetzlarer Deckung die Zähne aus. „Allerdings waren wir damals auch arg dezimiert“, sagt Markus Baur, der auf Jogi Bitter, Djibril M’Bengue, Tobias Schimmelbauer und Can Celebi verzichten musste.

Die HSG hat sich dort etabliert, wo der TVB hin möchte

Personell sieht’s längst wieder deutlich besser aus – und die Form scheint auch zu stimmen, um die HSG Wetzlar ernsthaft zu fordern. Der Gegner ist auf einem guten Weg, sich dort zu etablieren, wo der TVB mittelfristig hin möchte: im Mittelfeld der ersten Liga. Unter der Regie von Trainer Kai Wandschneider reichte es seit 2013 zu den Plätzen sieben, elf, acht und zehn.

„Wetzlar hat auf den ersten Blick nichts Überragendes, macht aber so gut wie keine Fehler“, sagt Baur. „Das ist schon mal eine gute Basis, um erfolgreich zu sein.“ Im zweiten Saisonspiel schlug die HSG den THW Kiel mit 27:24, gewann beide Partien gegen Melsungen und ist mit fünf Siegen das sechstbeste Auswärtsteam der Liga.

Dabei war Wetzlar mit einem runderneuerten Kader in die Saison gestartet, musste unter anderen die Nationalspieler Andreas Wollf und Steffen Fäth ersetzen. Das ist dem Team hervorragend gelungen. Allen voran der Wolff-Ersatz schlug voll ein: Der bosnische Nationalkeeper Benjamin Buric spielt eine starke Saison – ebenso wie der Jung-Nationalspieler Philipp Weber. Der Rückraumspieler ist mit 148 Treffern der zweitbeste Torschütze der Liga und der mit Abstand beste Passgeber.

„Die HSG hat kleine Schweinereien drauf, wie wir sagen.”

Ein glückliches Händchen hatten die Verantwortlichen auch mit der Verpflichtung des montenegrinischen Auswahlspielers Stefan Cavor, der zusammen mit Evars Klesniks die Position im rechten Rückraum ausfüllt. Der lettische Nationalspieler bildet mit Stefan Kneer ein routiniertes Duo im Mittelblock der Hessen. Die Spielsteuerung übernehmen der wieder genesene Philipp Pöter und Filip Mirkulovski. Sehr gut sei das Zusammenspiel zwischen dem Rückraum und dem Kreis, sagt Baur. „Außerdem hat die HSG kleine Schweinereien drauf, wie wir sagen. Wer die Tricks in den Kleingruppen nicht erkennt, ist verloren.“

Bei einer Niederlage läuft der TVB Gefahr, bereits am Ostersamstag wieder auf einen Abstiegsrang abzurutschen. Der Bergische HC und Balingen stehen vor lösbaren Aufgaben. Mimi Kraus macht sich keine großen Sorgen. „Wenn ich sehe, wie sich die Jungs im Training den Hintern aufreißen, dann stimmt mich das zuversichtlich“, sagt er. Zudem findet er das Restprogramm des TVB „in Ordnung, da würden andere sicher gerne mit uns tauschen“.

Bis auf den unter der Woche an der Patellasehne operierten M’Bengue dürfte Markus Baur alle Spieler zur Verfügung haben – auch wenn die angeschlagenen Felix Lobedank, Finn Kretschmer und Simon Baumgarten nur reduziert trainierten.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW