Jürgen Schweikardt im Interview

Sechs Mannschaften sind in den Abstiegskampf verwickelt, es dürfte spannend bleiben zum Schluss. Der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt spricht im Interview unter anderem über die Bedeutung der mentalen Stärke und Trefferdifferenz – und über das finale Spiel in Göppingen.

Herr Schweikardt, der Druck vor dem Derby gegen Balingen war immens für den TVB. Von wo aus haben Sie das Spiel verfolgt?

Natürlich war der Druck sehr hoch. Ich bin eigentlich das ganze Spiel über irgendwo tigernd in der Halle umhergelaufen. Mal habe ich vom VIP-Bereich aus zugeschaut, kurz vor der Halbzeit war ich unten am Spielfeldrand. Es war sehr schwer für mich, an einer Stelle zu stehen oder zu sitzen.

Sind Sie noch einmal nervös geworden, als die Balinger nach dem 12:20-Rückstand auf drei Tore herankamen?

Da war ich nicht weniger oder mehr nervös als davor. Ich habe aber das ganze Spiel über gedacht, dass es irgendwie reichen wird.

Nach dem aktuellen Stand dürften der HSC Coburg, der Bergische HC, der TBV Lemgo, Balingen-Weilstetten, der TVB und der VfL Gummersbach die drei Absteiger unter sich ausmachen. Der VfL hat nun seinen Trainer Emir Kurtagic entlassen, mit Sead Hasanefendic hat ein alter Hase übernommen. Überraschte Sie der Rauswurf?

Überrascht war ich nicht, da sich der VfL am Saisonende ja sowieso von Kurtagic getrennt hätte. Ich habe mich allerdings gefragt, warum Gummersbach nicht sofort Dirk Beuchler geholt hat, der den VfL in der nächsten Spielzeit übernehmen wird. Mit Hasanefendic hat der VfL Gummersbach jetzt einen erfahrenen Trainer, der sich auch mit dem Abstiegskampf auskennt. So oder so: Ich bin mir sicher, dass die Gummersbacher nicht da unten drinbleiben werden. Dafür sind sie einfach zu gut.

Für die Coburger dürfte es sehr schwer werden mit dem Ligaverbleib, der Rest der gefährdeten Teams liegt eng beieinander. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die mentale Stärke im Abstiegskampf?

Die mentale Stärke ist extrem bedeutend. In den Spielen wie gegen den BHC oder jetzt gegen Balingen haben wir bewiesen, dass wir diese Eigenschaft haben. Jetzt ist es wichtig, diese Leistung und diesen unbedingten Siegeswillen auch gegen Teams an den Tag zu legen, gegen die wir Außenseiter sind. Das eine oder andere Spiel dieser Kategorie sollten wir gewinnen, sonst reicht es nicht zum Ligaverbleib.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der finale Spieltag über den Abstieg entscheiden wird. Der TVB muss ausgerechnet nach Göppingen. Das ist keine besonders schöne Vorstellung, oder?

Das ist in der Tat keine besonders schöne Vorstellung. Es dürfte aber klar sein, dass wir nicht schon ein paar Spieltage vor Schluss auf der sicheren Seite sein werden. Ich gehe davon aus, dass die letzten beiden Spieltage entscheiden werden.

Auch die Torfdifferenz könnte den Ausschlag geben. Derzeit steht der TVB diesbezüglich ganz gut da. Allerdings läuft er Gefahr, vor allem in den Spielen gegen die Top-Teams THW Kiel, Rhein-Neckar Löwen und SG Flensburg-Handewitt diesen Vorteil zu verspielen. Wie schwierig ist es, den Spielern zu vermitteln, dass jedes Tor wichtig ist?

Darüber haben wir immer wieder gesprochen. Das war schon in der 2. Liga so, als es um den Aufstieg ging. Ich erwarte einfach von jedem Spieler, dass er kapiert, dass es nicht nur um jeden Punkt, sondern um jedes Tor geht.

Parallel zum Abstiegskampf müssen Sie sich auch mit der Kaderplanung für die neue Saison beschäftigen. Die Verträge mit den beiden Weltmeistern Michael Kraus und Johannes Bitter sind immer noch nicht verlängert. Wie weit sind die Verhandlungen mit den beiden gediehen?

Wir sind ständig im Austausch mit Mimi und Jogi, fast täglich sogar. Andererseits möchten wir uns und auch die Spieler sich auf die wichtigen Partien jetzt konzentrieren. Es gibt also noch nichts Neues zu vermelden.

Mit Jonas Maier hat der TVB für die neue Saison einen talentierten Torhüter vom Abstiegskonkurrenten TBV Lemgo verpflichtet. Dort kommt Maier derzeit allerdings nur noch in der Drittligamannschaft zum Einsatz. Spielpraxis auf höchstem Niveau wird ihm also fehlen, wenn er zum TVB kommt. Kann das ein Problem werden?

Ich glaube nicht, dass das problematisch ist. Jonas hat schon eine Weile auf höchstem Niveau gespielt, außerdem trainiert er nach wie vor mit der Erstligamannschaft. Sicherlich hat die Bekanntgabe seines Wechsels zu uns damit zu tun, dass er in die Drittligamannschaft verschoben wurde. Ich frage mich nur, wie lange es sich Lemgo leisten kann, auf Jonas zu verzichten.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW