Nachbericht zum Derby

Mit dem 25:21-Derbysieg gegen den HBW Balingen-Weilstetten hat sich die Lage für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart im Abstiegskampf zwar verbessert, Entspannung indes ist längst nicht angesagt. „Wir haben noch nichts gewonnen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Außer einem wichtigen Spiel.“ Am Sonntag geht’s zum Tabellenzweiten THW Kiel.

Am 24. Spieltag sind die Überraschungen ausgeblieben – zum Glück für die Bittenfelder. Der HSC Coburg und VfL Gummersbach waren bereits am Mittwoch gegen FA Göppingen und MT Melsungen leer ausgegangen. Am Samstag musste sich der TVB Lemgo den Rhein-Neckar Löwen geschlagen geben, der Bergische HC verlor am Sonntag beim Aufsteiger TSV GWD Minden.

Damit hat der TVB in der Tabelle die Lemgoer auf den ersten Abstiegsrang geschoben, mit Balingen sind die Bittenfelder nun punktgleich – allerdings nur aufgrund der um 23 Treffer besseren Tordifferenz.

“In so einen Spiel kann viel passieren”

Die indes dürfte sich demnächst wieder verschlechtern: In den beiden Partien, die der TVB gegenüber der Konkurrenz im Verzug ist, geht’s im Mai ausgerechnet gegen den Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen und den Tabellenführer SG Flensburg-Handewitt. Auch die beiden Titelkandidaten werden um jedes Tor kämpfen, das in der Endabrechnung den Ausschlag geben kann im Meisterschafts- wie im Abstiegskampf.

In der ausverkauften Porsche-Arena hatte es am Freitag nach 45 Minuten danach ausgesehen, als könnte der TVB gegenüber seinem schwäbischen Konkurrenten noch ein paar Tore mehr gutmachen. Beim 20:12 waren die Kräfteverhältnisse klar verteilt. „Daran habe ich in diesem Moment überhaupt nicht gedacht“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „In so einem Spiel kann viel passieren.“

Die Deckung stand hervorragend

Zunächst einmal ist bei den Balingern wenig bis nichts passiert: Der TVB hatte sich sehr gut auf den Angriff des Gegner eingestellt. Die Deckung stand hervorragend – nicht nur der Innenblock mit Viorel Fotache und Dominik Weiß, die den Nationalmannschafts-Spielmacher Martin Strobel sehr gut im Griff hatten.

Auf den Halbpositionen blieben Pascal Hens und Lars Friedrich meist zweiter Sieger in den Zweikämpfen mit Can Celebi und Tobias Schimmelbauer, die gefährliche Außenachse des HBW mit Yves Kunkel/Jannik Hausmann kam kaum zum Zug. „Auch unser Rückzugsverhalten war sehr gut“, sagt Baur.

“Das war psychologisch ganz wichtig”

Zur Pause hatte der TVB den Gästen beim 11:6 den Zahn gezogen – auch dank des über 60 Minuten hinweg starken Weltmeister-Duos Jogi Bitter und Mimi Kraus. Der Torhüter parierte gleich den ersten freien Wurf im zweiten Spielabschnitt. „Das war psychologisch ganz wichtig“, sagt Baur.

Und Kraus machte mit dem Treffer zum 12:6 dort weiter, wo er vor der Halbzeit aufgehört hatte. Der Spielmacher war von den Balingern nie zu bändigen.

“Es kommt, wie’s kommt”

Kraus war zweifellos die Trumpfkarte im TVB-Angriff. „Mimi ist super ins Spiel gekommen und hat sich gut gefühlt“, so sein Trainer. Zehn Tore und etliche Assists gingen auf das Konto des 33-Jährigen, der ganz entscheidend zum Erfolg des TVB beigetragen hat.

„Wir haben aber auch schon Spiele gewonnen, in denen Mimi zwei Tore geworfen hat“, sagt Baur, der nicht das Gefühl hatte, die Mannschaftskollegen hätten sich hinter Kraus versteckt. Jedes Spiel entwickle sich eben anders. „Es kommt, wie’s kommt.“

Auf das “Muss-Spiel” folgt ein “Sollte-Spiel”

In der vogelwilden Schlussphase ließ der TVB die Balinger nach dem 20:12 (46.) bis auf 23:20 (58.) herankommen, blieb aber letztlich kühl und sicherte sich beim 25:21 zwei immens wichtige Punkte gegen den direkten Konkurrenten. „Natürlich sind wir erleichtert“, sagt Baur. Nun sei das Ziel, am Sonntag beim THW Kiel einen guten Auftritt hinzulegen. Nach einem weiteren spielfreien Wochenende im Anschluss kommt am 13. April die HSG Wetzlar in die Scharrena.

Für den TVB ist dies nach dem „Muss-Spiel“ gegen Balingen ein „Sollte-Spiel“. Sprich: Irgendwo – außer bei den Spielen gegen die direkten Konkurrenten Gummersbach, Lemgo und Coburg – sollte sich der TVB noch Punkte schnappen gegen einen Gegner, der auf dem Papier stärker einzuschätzen ist. Wetzlar beispielsweise.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW