TVB-Sieggaranten: Kraus und Bitter

Aufatmen beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Das Team von Trainer Markus Baur hat sich gestern im Derby gegen den Abstiegskonkurrenten HBW Balingen-Weilstetten zwei eminent wichtige Punkte gesichert. Überragende Spieler beim verdienten 25:21 (11:6) in der ausverkauften Porsche-Arena waren Jogi Bitter und der zehnfache Torschütze Mimi Kraus.
Wie groß die Nervenanspannung war, zeigten bereits die ersten fünf Minuten: Can Celebi, der beim TVB im rechten Rückraum den Vorzug vor Felix Lobedank und Djibril M’Bengue bekam, warf den Ball völlig unbedrängt ins Nirwana, auf der anderen Seite schaufelte der ansonsten sichere Balinger Siebenmeter-Werfer Yves Kunkel das Spielgerät vom Strich zwei Meter über den Kasten. Nach dem 1:0 von Mimi Kraus (5.) scheiterte Bobby Schagen mit einem Strafwurf an HBW-Keeper Tomas Mrkva.
Es entwickelte sich das erwartete, verbissen geführte Derby, in dem die Abwehrreihen deutlich mehr Akzente setzten als beide Offensivabteilungen. Wobei der TVB in beiden Kategorien über 60 Minuten hinweg Vorteile hatte. Der Mittelblock mit Vio Fotache und Dominik Weiß, flankiert von Tobias Schimmelbauer und über weite Strecken Celebi, stand hervorragend. Mit viel Laufarbeit und geschickten Störmanövern zwang die TVB-Deckung die Balinger immer wieder ins Zeitspiel oder zu unvorbereiteten Würfen.
Das Problem indes war aus Sicht der Bittenfelder, dass es im Angriff meist nur flutschte, wenn Kraus die Verantwortung übernahm. Von den Halbpositionen entwickelte das Heimteam viel zu wenig Druck, es fehlte mitunter auch der Mut zum Abschluss. Weder Celebi, noch Weiß oder später M’Bengue erwischten einen guten Tag in der Offensive.
Gerade einmal 4:4 stand es nach 15 Minuten, beiden Teams leisteten sich leichte Fehler bei ihren Angriffsbemühungen. Mit der Einwechslung von Michael Schweikardt kam mehr Esprit ins Spiel, mit drei Toren in Folge setzte sich der TVB auf 7:4 ab (22.). Zerfahren blieb das Derby jedoch weiterhin, auch die Schiedsrichter Christoph Immel und Ronald Klein ließen sich hier und da anstecken.
Die Balinger blieben zunächst bis zum 8:6 dran (25.), ehe der TVB erneut einen kleinen Zwischenspurt einlegte. Bitter hielt zweimal prächtig, Schagen sowie Kraus mit seinem fünften Treffer und ein Tor von Tobias Schimmelbauer ließen das Heimteam mit der recht beruhigenden 11:6-Führung in die Pause gehen.
Kraus donnerte den Ball nach einer sensationellen Bitter-Parade zum 12:6 in den Kasten der Gäste, doch dann ließ die Konzentration nach beim TVB. Der Balinger Keeper Peter Johannesson war dreimal zur Stelle, und die Deckung der Bittenfelder verlor den Überblick. Nach Kunkels Treffer zum 13:10 (36.) und Hens Tor zum 14:11 (38.) machte sich leichte Unruhe breit – allerdings nur für ein paar Minuten.
Wenig überraschend war, dass der Balinger Trainer Runar Sigtryggsson eine kurze Deckung gegen den TVB-Alleinunterhalter Kraus anordnete. Davon indes ließ sich das Baur-Team nicht beeindrucken. Binnen acht Minuten schraubte es den Vorsprung mit einem 6:1-Lauf auf 20:12 (45.). Die Gäste wirkten in dieser Phase hilflos und scheiterten immer wieder an Bitter, der den 20. Treffer höchstpersönlich erzielte – ins leere Balinger Tor.
Hoffnung kam beim HBW noch einmal auf, nachdem der bullige Kreisläufer Tobias Wagner zum 20:15 verkürzt hatte (53.). Doch der TVB behielt die Ruhe, wusste auf jeden Treffer der Balinger eine Antwort. Ein bisschen zittern mussten die Fans dennoch. So verpasste Weiß nach dem 23:19 die Entscheidung, er beförderte zum Entsetzen der Zuschauer den Ball aus 13 Metern per Aufsetzer übers verwaiste Tor. Der Ex-Bittenfelder Lars Friedrich verkürzte zwei Minuten vor dem Ende auf 20:23. Schimmelbauer machte schließlich mit dem 24:20 alles klar. Der finale Treffer zum 25:21-Sieg war dem alles überagenden Kraus vorbehalten.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter (1), Jerkovic; Schimmelbauer (2), Weiß, Schagen (4/2), Schweikardt (1), Kraus (10/1), M’Bengue (1), Coric, Baumgarten (2), Fotache (2), Orlowski (1), Celebi (1), Kretschmer.
HBW Balingen-Weilstetten: Mrkva, Johannessn; Foth (3), Wagner (2), Flohr, Hausmann (1), Friedrich (3/1), Nothdurft, Strobel (3), Kunkel (4/2), Ilitsch (2), Dominikovic, Hens (3).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW