TVB muss sich dem Aufsteiger geschlagen geben

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat gestern Abend die Gelegenheit verpasst, sich ein kleines Polster auf die Abstiegsränge zu verschaffen. Vor 6210 Fans musste er sich in der Porsche-Arena dem HC Erlangen mit 24:27 (15:14) geschlagen geben. Der Aufsteiger nutzte zwei Schwächephasen des TVB konsequent aus.

Ein mickriges Pünktchen hat der TVB noch gerettet auf den HBW Balingen-Weilstetten an einem Wochenende, das nicht besonders gut verlaufen ist aus Sicht der Bittenfelder. Am Samstag holte sich Lemgo die Punkte aus Coburg und zog in der Tabelle am TVB wieder vorbei. Und der TSV GWD Minden schlug etwas überraschend Leipzig und hat jetzt 15 Zähler gesammelt. 
Auf deren 14 hätte es das Team von Trainer Markus Baur bringen können – dazu indes wäre am Sonntag eine konstantere Leistung über 60 Minuten vonnöten gewesen. Von der Mannschaft und einzelnen Spielern. In Summe leistete sich der TVB zu viele Fehler gegen einen nicht überragenden, aber abgezockten Gegner.

Hauptakteur beim TVB in den ersten fünf Minuten war Dominik Weiß. Mit dem linken Rückraumspieler hatten die Gäste ihre Probleme, die ersten drei Treffer des Heimteams zum 3:2 nach fünf Minuten gingen auf das Konto des „Langen“. Weiß und Michael Kraus sorgten aus dem Rückraum für die größte Torgefahr, am Kreis machte Teo Coric ein gutes Spiel. Das Problem des TVB an diesem Abend: Von den Außenpositionen und vom rechten Rückraum kam zu wenig, hier hatten die Erlanger deutliche Vorteile.
Zunächst indes wirkte sich dieses Ungleichgewicht nicht aus, nach zehn Minuten stand es in der lange Zeit ausgeglichenen Partie 4:4. Dann schwächte sich der TVB auf einer wichtigen Position: Tobias Schimmelbauer erwischte bei einer Abwehraktion den Erlanger Nikolai Link im Gesicht. Die Schiedsrichter Michael Kilp und Christoph Maier zückten die Rote Karte. Das bedeutete, der TVB-Trainer Markus Baur musste nicht nur seine Defensive umbauen. Im Angriff übernahm Michael Schweikardt Schimmelbauers Part auf Linksaußen. Damit fehlte dem TVB eine mögliche Alternative im Rückraum, die ihm im Laufe der Partie möglicherweise gutgetan hätte. Djibril M’Bengue saß zwar hinter der Bank, zum Einsatz kam er jedoch noch nicht. Can Celebi ersetzte erst in den letzten neun Minuten den glücklosen Felix Lobedank im rechten Rückraum. 
Der TVB kompensierte Schimmelbauers Ausfall in der Defensive zunächst ordentlich – auch wenn er bis zum 6:7 (15.) durch den starken Erlanger Kreisläufer Jonas Thümmler einem knappen Rückstand hinterherlief. Es folgten die stärksten zehn Minuten des TVB im gesamten Spiel. Kraus brachte sein Team mit einem Hammer zum 8:7 in Vorteil und traf auch zum 9:8. Dann nützte das Heimteam die zweite Zeitstrafe gegen Nikolai Link zur 11:8-Führung. Die Abwehr der Bittenfelder stand kompakter, Jogi Bitter entschärfte mehr Bälle als sein Gegenüber Nikolas Katsigiannis, der nach 20 Minuten für Mario Huhnstock Platz machte. 
Schwache zehn Minuten des TVB bringen Vorentscheidung 
Als sich Coric nach 25 Minuten energisch am Kreis durchsetzte und den Ball zum 13:9 im Kasten versenkte und Kraus per Kempa zum 14:10 vollstreckte, hatte der TVB eindeutig die Kontrolle. Die indes verlor er in den letzten fünf Minuten vor der Pause: Der Gäste-Rechtsaußen Ole Rahmel nutzte zwei Unaufmerksamkeiten in der TVB-Deckung mit drei Treffern in Folge zum 14:13. Eine fragwürdige Zeitstrafe gegen Schweikardt spielte den Gästen in die Karten (27.), und schließlich stand der TVB eine halbe Minute später nach einem Wechselfehler mit zwei Mann weniger auf dem Spielfeld. Trotzdem rettete er beim 15:14 die knappe Führung in die Halbzeit.

Der TVB-Rechtsaußen Bobby Schagen eröffnete die zweiten 30 Minuten per Strafwurf zum 16:14. Die Gäste glichen aus zum 17:17, ehe Weiß mit einem Doppelschlag zum 19:17 den Abstand wieder herstellte (42.). Allerdings leistete sich der TVB bereits in dieser Phase mehr Fehlwürfe und technische Fehler als vor der Pause, zudem kam Katsigiannis nun besser in die Partie. 
Es folgte die zweite, noch fatalere Schwächephase des TVB im Spiel: Er verlor völlig den Faden, mit einem 7:1-Lauf holte sich Erlangen beim 24:20 (52.) die komfortable Führung. Dabei fand der Ex-Göppinger Pavel Horak gleich dreimal mit starken Eins-gegen-eins-Aktionen die Lücke in der nun nicht mehr so stabilen TVB-Deckung. 
Der TVB kämpfte zwar weiter und hatte nach Weiß’ neuntem Treffer zum 23:25 fünf Minuten vor dem Ende noch die Hoffnung auf wenigstens einen Punkt. Allerdings machte sich beim TVB der Kräfteverschleiß bemerkbar, Erlangen wirkte geistig und körperlich frischer. Nikolai Link tütete den Auswärtserfolg für sein Team mit dem Treffer zum 23:26 vier Minuten vor Schluss ein.
Am Ende musste sich der TVB dem cleveren Aufsteiger mit 24:27 beugen. Beschweren darüber darf er sich nicht, dazu leistete er sich zu viele Patzer. Bis zum nächsten Spiel am März gegen Melsungen bleibt nun ein bisschen Zeit. Vielleicht sind bis dahin Celebi und M’Bengue wieder soweit hergestellt, dass sie für den Trainer Markus Baur ernsthafte Alternativen darstellen.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer, Lobedank (1), Weiß (9), Schagen (6/4), Schweikardt, Kraus (6), Coric (2), Baumgarten, Fotache, Kretschmer, Orlowski, Celebi. 
HC Erlangen: Katsigiannis, Huhnstock; Theilinger (3), Jonas Link (1), Guardiola (1), Herbst, Haaß (1), Bissel, Rahmel (4), Stranovsky (6/1), Horak (5), Nikolai Link (1), Thümmler (5).
Quelle: Thomas Wagner, ZVW