Baur freut sich über mutigen Auftritt seines TVB

Nüchtern betrachtet, war das 35:26 beim Bergischer HC ein Pflichtsieg für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart auf dem steinigen Weg zum Ligaverbleib. Mut indes macht der souveräne Auftritt in Solingen allemal vor den drei wichtigen Heimspielen in Folge gegen Erlangen, Melsungen und Balingen. „Das war eine gute Leistung“, sagt der TVB-Coach Markus Baur.

 Besser hätte der 19. Spieltag für den TVB nicht laufen können: Die siebenwöchige Spielpause war der Mannschaft beim so wichtigen Spiel in Solingen nicht anzumerken: Das Team von Trainer Markus Baur präsentierte sich kampf-, spiel- und in den entscheidenden Phasen nervenstark. „Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass es wichtig ist, mit einem Erfolgserlebnis in die Spielpause zu gehen“, sagt Baur. Der 28:26-Sieg gegen Leipzig am zweiten Weihnachtsfeiertag brachte offensichtlich den Glauben zurück.

„Trotzdem weiß man natürlich nicht so recht, wo man steht vor dem ersten Spiel“, sagt Baur. „Selbst wenn wir gut trainiert haben.“ Das hatte auch der Kontrahent aus dem Bergischen Land, der nach der ziemlich missratenen Hinrunde und mit der mageren Ausbeute von fünf Punkten gegen den TVB die Aufholjagd starten wollte.

Unruhe beim Gegner vor dem Spiel

Beim Schlusslicht hing der Haussegen allerdings schon vor der Partie ordentlich schief. Der BHC-Trainer Sebastian Hinze verzichtete aus freien Stücken auf seinen Spielmacher Alexander Oelze. Und das, obgleich den Löwen mit den verletzten Ace Jonovski, Maximilian Hermann und Fabian Gutbrod gleich drei Stammkräfte fehlten.

Die kurz vor Spielbeginn verkündete – ligaunabhängige – Vertragsverlängerung des Rechtsaußens und Ex-Bittenfelders Arnor Gunnarsson erwies sich lediglich als kurzer Stimmungsaufheller unter den knapp 2500 Fans in der Klingenhalle.

TVB agierte erstaunlich abgebrüht

Ansonsten durfte vornehmlich die kleine Schar TVB-Fans feiern. Ihr Team agierte erstaunlich abgebrüht gegen einen Gegner, der mit seinen Nerven deutlich mehr zu kämpfen als der TVB hatte und auch spielerisch den Bittenfeldern unterlegen war.

Die nutzten die Gunst der Stunde zum zweiten Auswärtssieg in dieser Saison. Weil der TBV Lemgo tags darauf mit 29:34 gegen die Füchse Berlin unterlag, hat sich der TVB ein Mini-Polster von zwei Punkten auf den ersten Abstiegsrang erspielt – und nebenbei seine Tordifferenz erheblich aufgehübscht. Die könnte angesichts der ausgeglichenen Liga am Ende womöglich den Ausschlag geben im Abstiegskampf.

Big Points für die Bittenfelder

Bei aller Erleichterung, die beiden Big Points eingefahren zu haben: Es gilt nun für den TVB, diesen Sieg richtig einzuschätzen. In der Form vom Samstag dürften die Bergischen Löwen im Abstiegskampf keine Chance mehr haben. Der TVB wird es in den verbleibenden 15 Spielen erheblich schwerer haben, die nötigen Punkte zu sichern. Dessen ist sich auch Markus Baur bewusst – wobei er den klaren Erfolg in Solingen nicht alleine an der Schwäche des Gegners festmachen will – im Gegenteil. „Wir haben mit unserer Leistung dafür gesorgt, dass der Gegner Probleme bekommt“, sagt er. „Und wir haben gesehen, was wir brauchen, um solche Spiele zu gewinnen.“

Eine bissige Deckung und eine starke Torhüterleistung beispielsweise. Aber auch eine gute Wurfquote und eine geringe Anzahl technischer Fehler. Nur in einer kurzen Phase zwischen der 30. und 37. Minute, als der Fünf-Tore-Vorsprung auf 15:13, 16:14 und 17:15 schmolz, gerieten die Bittenfelder ein bisschen ins Straucheln. Mit der Taktik des siebten Feldspielers bekam der TVB die Partie wieder unter Kontrolle und machte mit einem starken Endspurt alles klar.

Drei Heimspiele in Folge

So kann das Baur-Team den kommenden Aufgaben, mit drei Heimspielen in Folge, optimistisch entgegenblicken – zumal es in Solingen (noch) nicht in bester Besetzung antrat: Tobias Schimmelbauer feierte in der Defensive wie Offensive ein prima Comeback. Das musste Djibril M’Bengue noch verschieben. Nicht indes, weil die Patellasehnen wieder Probleme bereiteten, sondern weil der Linkshänder kränkelte.

Er wurde, ebenso wie Can Celebi nach überstandener Meniskusoperation, noch geschont. Beide könnten bereits am Sonntag wieder in den Kader zurückkehren. In der Porsche-Arena gibt der starke Aufsteiger HC Erlangen seine Visitenkarte ab: Mit 20 Punkten können die Franken bereits für die neue Saison planen. Zuletzt besiegten die den TSV Hannover-Burgdorf mit 27:26. Im Hinspiel geriet der TVB beim 26:30 erst in den letzten zehn Minuten auf die Verliererstraße.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW