Der TVB hofft auf einen Traumstart

Eine siebenwöchige Spielpause liegt hinter den Erstliga-Handballern des TVB 1898 Stuttgart. Im zweiten Spiel der Rückrunde muss das Team von Trainer Markus Baur am Samstag (19 Uhr/ZVW-Liveticker) gleich hellwach sein: Mit einem Sieg bei den Bergischen Löwen hätte der TVB die Abstiegsplätze verlassen und gleichzeitig einen der Konkurrenten mit sieben Punkten auf Distanz gehalten.

Besser hätte sich der TVB nicht vorbereiten können auf das Duell mit dem bissigen Löwenrudel, das ihn in Solingen empfangen wird: Beim Survival-Camp im tief verschneiten und frostigen Schwarzwald standen nicht nur eine Schneeschuhwanderung, ein Orientierungslauf und ein Biathlonwettbewerb auf dem Programm. Der eine oder andere Spieler nächtigte im selbst geschaufelten Iglu. Und in Trappermanier mussten sich die Handballer eigenhändig um die Verpflegung kümmern. Die kam, so viel sei verraten, aus freier Wildbahn.

 

Balsam für die geschundene Seele

Der 28:26-Sieg des TVB gegen Leipzig am zweiten Weihnachtsfeiertag war zwar Balsam für die geschundene Seele nach vielen tristen Wochen, die mit dem Sturz auf einen Abstiegsrang endeten. Prekär indes ist die Lage nach wie vor – zumal der Spielplan der Rückrunde (siehe rechts) nicht viele Möglichkeiten lässt, außerplanmäßig zu punkten. Wo der TVB seine – wahrscheinlich notwendigen – zehn Punkte einsammeln muss, ist selbsterklärend.

Beispielsweise beim Tabellenletzten am Samstag. Das Team von Trainer Sebastian Hinze hat in 18 Partien lediglich fünf Punkte gesammelt und bereits fünf Zähler Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze. Eine leichte Beute also für den TVB zum Aufgalopp nach der WM-Pause?

 

Der BHC blieb zuletzt zwar ohne Punkt, war jedoch mit Top-Gegnern auf Augenhöhe

Mitnichten. Wie gefährlich die Löwen sind, zeigten sie nicht nur im Hinspiel beim hart erkämpften 26:24-Sieg des TVB. Der BHC blieb in den letzten elf Spielen zwar ohne Punkt, war jedoch mit etlichen Top-Gegnern auf Augenhöhe: beim 20:24 in Kiel, 28:32 in Melsungen, 29:32 gegen Flensburg-Handewitt oder 24:26 gegen die Rhein-Neckar Löwen. Seine Punkte holte der BHC in Wetzlar (22:20), gegen Minden (27:25) und in Göppingen (26:26).

Nach dem zwölften Rang in der Vorsaison, der besten Platzierung in der ersten Liga, waren die Löwen euphorisch in die Saison gestartet – allerdings auch mit Verletzungssorgen. Die waren zwischenzeitlich so groß, dass der Verein seinen Sportlichen Leiter reaktivierte: Viktor Szilagyi hatte seine Karriere eigentlich am Ende der vergangenen Spielzeit beendet. Nun hat der 38-jährige ehemalige österreichische Nationalspieler beschlossen, sich in der kompletten Rückrunde in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

 

Dem Gegner den Wind aus den Segeln nehmen

Den ersten Schritt zur Aufholjagd möchte das Tabellenschlusslicht Hinze am Samstag machen – und der TVB könnte dem Gegner gleich mal den Wind aus den Segeln nehmen. Die Chancen hierzu stehen so schlecht nicht, schließlich sieht’s personell wieder deutlich besser aus als vor Weihnachten: Die medizinische Abteilung um den Mannschaftsarzt Dr. Bolko Märkle und den Physiotherapeuten Tobias Unfried hat ganze Arbeit geleistet.

Tobias Schimmelbauer (Schambeinentzündung) und Djibril M’Bengue (Patellasehnenentzündung) sammelten in Testspielen bereits Matchpraxis, auch Torhüter Johannes Bitter (Oberschenkelprobleme) und Simon Baumgarten (Adduktoren) sind wieder auf der Höhe. Einzig für Can Celebi (Meniskusoperation) dürfte ein Einsatz noch zu früh kommen. Ob M’Bengue am Samstag bereits zum Kader gehören wird, ist noch nicht sicher. „Wir machen noch einen Test“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Je nachdem, wie gut er den verkraftet, wird er dabei sein.“

 

Schwerpunkte der Trainingsarbeit: Abwehr- und Tempospiel

Mit der Vorbereitung war der Coach zufrieden. „Es wäre mir zwar lieber gewesen, wenn ich alle Spieler dabeigehabt hätte“, sagt er. „Aber ich war froh, dass die verletzten Spieler nach und nach dazugestoßen sind.“ Schwerpunkte der Trainingsarbeit seien das Abwehr- und Tempospiel gewesen. „Wir müssen wieder schneller umschalten – von der Defensive auf die Offensive und umgekehrt.“

Baur hofft, dass schon in Solingen eine Weiterentwicklung zu sehen sein wird. „Wir fahren mit Selbstvertrauen hin.“ Die Bedeutung der Partie möchte er nicht kleinreden. „Es wären Punkte, die uns sehr weiterhelfen würden.“ Andererseits seien die Löwen noch größerem Druck ausgesetzt.

 

Ordentlichen Kaders um die Ex-Bittenfelder Björgvin Gustavsson und Arno Gunnarsson

Dass der BHC nur fünf Punkte auf dem Konto hat, verwundert angesichts des ordentlichen Kaders um die Ex-Bittenfelder Björgvin Gustavsson und Arnor Gunnarsson. Im Rückraum ist das Team mit unterschiedlichen Spielertypen besetzt, die sich gut ergänzen: Die spielstarken Szylagyi, Alexander Oelze und Tamas Babak auf der Rückraummitte-Position werden flankiert von den wurfgewaltigen Bogdan Criciotoiu und Fabian Gutbrod im linken und rechten Rückraum. Am Kreis stehen der serbische Nationalspieler Uros Vilovski und Moritz Preuss. Stark ist auch das Außenspieler-Duo Christian Hoße/Arnor Gunnarsson.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW