Djibril M’Bengue schuftet für sein Comeback

In der Saison 2012/2013 spielte Djibril M’Bengue noch in der Handball-Württembergliga. Heute fürchten die weltbesten Torhüter den harten Wurf des Linkshänders im Trikot des TVB 1898 Stuttgart – sofern er denn spielt: Seit rund zwei Jahren plagt sich der 24-Jährige mit Schmerzen in der Patellasehne herum – und hofft, dass die x-te Therapie nun dauerhaft Besserung bringt.

Es ist noch gar nicht so lange her, da verschluckten die Hallensprecher beinahe ihre Zunge, wenn sie den Namen der Bittenfelder Nummer elf aussprechen mussten. Dabei ist’s einfacher als gedacht: Dschibril Embengue. Wie’s dasteht. Auch auf die Frage, wo dieser ungewöhnliche Spieler denn herkomme, sind die Medienvertreter nicht mehr mit der Antwort „aus Urbach oder Plüderhausen“ zu überraschen.

M’Bengue hat sich eine Auszeit nehmen müssen

Schon ein paar Monate indes steht der Name des Senkrechtstarters nicht mehr im Spielprotokoll. M’Bengue hat sich, wieder einmal, eine Auszeit nehmen müssen. Mit 24 Jahren. Eine hartnäckige Entzündung der Sehne, welche die Kniescheibe mit dem Schienbein verbindet, sorgt dafür, dass auch für Djibril „Sky“ M’Bengue die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Zunächst mit Zweifachspielrecht für den Württembergligisten TSB Schwäbisch Gmünd ausgestattet, entwickelte sich M’Bengue beim TVB schneller als erwartet. Dabei sollte er sich als Back-up für Lars Friedrich eigentlich langsam herantasten an die 2. Liga. Mit seiner Sprunggewalt und seinen harten Würfen war M’Bengue nicht unwesentlich am Aufstieg des TVB in die 1. Liga und dem Klassenverbleib beteiligt. Dabei trug der 1,96 Meter große und 105 Kilo schwere Modellathlet einen beachtlichen Rucksack auf dem Buckel. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten zwei Jahren mal länger als zwei Wochen schmerzfrei war“, sagt M’Bengue.

Wann kommt der Schmerz? Wann geht er wieder?

Es ist diese Unsicherheit, die ihn seither plagt. Wann kommt der Schmerz? Wann verschwindet er wieder? „Ich stecke mit meinem Kopf eigentlich immer in meinem Knie, bei jeder Aktion“, sagt er. „Man bewegt sich nicht mehr frei.“ Hielten sich die Schmerzen im Rahmen, biss M’Bengue auf die Zähne. Es gab allerdings auch Phasen, in denen er nicht einmal in der Lage war, die Decke aus dem Bett zu kicken.

Fünf Spiele vor Schluss war die vergangene Saison für den Linkshänder gelaufen. Es ging einfach nicht mehr. Er ließ sich bei einem Spezialisten in der Schweiz behandeln – ebenso mit überschaubarem Erfolg wie die anschließende Kortison-„Kur“ in Freiburg. Erschwerend hinzu kam, dass inzwischen nicht mehr nur das rechte, sondern auch das linke Knie reichlich Theater machte. Zum Saisonauftakt stand M’Bengue zwar wieder im Kader, die Patellasehne gab aber immer noch keine Ruhe. Nach acht Partien wurde er auf Eis gelegt, da selbst das Geradeauslaufen von Schmerzen begleitet war.

„Die meisten Leute haben mir davon abgeraten, mich aufschneiden zu lassen.“

Im Dezember vergangenen Jahres startete M’Bengue die nächste Therapie, nachdem er von einer im Raum stehenden Operation Abstand genommen hatte. „Die meisten Leute haben mir davon abgeraten, mich aufschneiden zu lassen.“ Es seien kaum Fälle bekannt, in denen die Beschwerden durch einen Eingriff besser wurden.

M’Bengues Mannschaftskollege Marian Orlowski riet ihm zur Behandlung im Dortmunder Sport- und Leistungszentrum B2B-Performance. Orlowski brachte sich nach einem Kreuzbandriss dort wieder in Form.

Eine Fehlbelastung könnte der Grund für die dauerhaften Schmerzen sein

Für drei Wochen war M’Bengue stationär in Westfalen, im Januar noch einmal für ein verlängertes Wochenende. Zweimal zwei Einheiten zu je zwei Stunden standen auf dem Programm. Er fühlte sich von Beginn an sehr gut betreut – und hat große Hoffnung, dem Übel endlich auf die Spur gekommen zu sein: Eine Fehlbelastung könnte der Grund sein für die dauerhaften Schmerzen.

Derzeit arbeitet M’Bengue akribisch daran, seinen Bewegungsablauf zu ändern. „Es dauert halt ein bisschen, bis die alten Muster aufgebrochen sind.“ Er müsse lernen, auch mal kleine Rückschritte in Kauf zu nehmen, und dürfe die Geduld nicht verlieren, nachdem er in ganz Süddeutschland von Arzt zu Arzt und Physio zu Physio gepilgert sei. „Ich denke, ich habe jetzt einen guten Weg gefunden. Es geht voran.“

Zurück im Mannschaftstraining

Mittlerweile ist er ins Mannschaftstraining eingestiegen – allerdings noch nicht mit der vollen Belastung. Ganz ausschalten lasse sich die Verletzung zwar – noch – nicht. Doch je mehr Einheiten er ohne Probleme mitmachen könne, desto größer werde das Vertrauen. Ob es für M’Bengue bereits im ersten Spiel am Samstag in einer Woche beim Bergischen HC zu einem Einsatz reichen wird, ist noch unsicher.

Bei einem Comeback würde sich der Kreis in gewisser Weise schließen: Beim 26:24-Hinspielsieg war M’Bengue – wieder einmal – nach einer Verletzungspause aufs Feld zurückgekehrt. Und wie: Zwei Tore steuerte er zur schnellen 3:1-Führung bei.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW