TVB meldet sich eindrucksvoll zurück

Festtagsstimmung am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Porsche-Arena: Nach sechs Niederlagen in Folge hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart beim verdienten 28:26-Sieg (15:11) gegen den SC DHfK Leipzig ein Erfolgserlebnis gefeiert. Leipzig verzweifelte am überragenden TVB-Keeper Jogi Bitter, stark präsentierten sich Dominik Weiß und Finn Kretschmer.
So viele strahlende Gesichter gab’s schon lange nicht mehr bei den Spielern, Verantwortlichen und Fans des TVB: Nach etlichen dürftigen Auftritten und einer furchteinflößenden Serie von 2:20 Punkten legte das Team von Trainer Markus Baur einen restlos überzeugenden Auftritt aufs Parkett. Dabei waren die Voraussetzungen denkbar schlecht: Zu den Langzeitverletzten Djibril M’Bengue, Can Celebi und Tobias Schimmelbauer gesellten sich die erkrankten Teo Coric und Dragos Oprea.
Davon indes schien sich der TVB nicht beeindrucken zu lassen. Anders als in den Spielen zuletzt agierten die Bittenfelder selbstbewusst, höchst konzentriert in der Deckung und mit Zug zum Tor. Michael Kraus und Michael Schweikardt steuerten klug die Angriffe. Und hinten verlieh einer Sicherheit, den der TVB lange vermisste: Jogi Bitter lief in seinem zweiten Spiel nach seiner Verletzungspause von Anfang an heiß. Am Ende war der Keeper mit zwei gehaltenen Strafwürfen und 14 weiteren Paraden einer der Matchwinner.
Überzeugt jedoch hat das gesamte Team. Dieses Mal schoben sich die Spieler nicht gegenseitig die Verantwortung zu. Beste Beispiele: Die zuletzt verunsicherten Felix Lobedank und Dominik Weiß setzten wichtige Akzente. Und der Rechtsaußen Finn Kretschmer, eigentlich zweiter Mann hinter Bobby Schagen, zeigte sich spielfreudig und abschlusssicher.
Das Heimteam startete mit der einen oder anderen unglücklichen Abwehraktion, rannte bis zum 4:5 (9.) einem knappen Rückstand hinterher. Die Leipziger versuchten, mit einer offensiven 6:0-Deckung die Bittenfelder zu Ballverlusten zu verleiten. Die jedoch ließen das Spielgerät flott und sicher durch die Reihen wandern und suchten die sichere Chance. Simon Baumgarten brachte sein Team beim 6:5 (11.) erstmals in Führung. Der Leipziger Nationalspieler Niclas Pieczkowski egalisierte zum 6:6 für sein zunächst etwas behäbig und unkonzentriert agierendes Team.
Der TVB ackerte in der Defensive um jeden Ball und erspielte sich mit einer guten Wurfquote nach 20 Minuten die Vier-Tore-Führung (10:6). Christoph Steinert brachte die Gäste mit dem dritten Siebenmeter beim 11:9 wieder heran (23.), doch der TVB blieb Herr in der Porsche-Arena. Schweikardt, Weiß und zweimal Kretschmer legten zum 15:10 nach (29.). Bitter vernagelte seinen Kasten und pushte die Fans. Die hatten längst für eine tolle Atmosphäre gesorgt – und sie trugen den TVB auch in den zweiten 30 Minuten zum so wichtigen Sieg.
Auch nach der Pause (15:11) war der TVB auf allen Positionen präsent und mit großem Einsatz unterwegs. Leipzig probierte es nun mit einer defensiveren Deckung. Der TVB-Trainer Markus Baur reagierte und stellte Mimi Kraus im Rückraum die wurfgewaltigen Marian Orlowski und Weiß zur Seite. Vor allem letzterer setzte sich mit mutigen Aktionen in Szene. Zwei Weiß-Treffer in Folge zum 20:15 und ein Tor von Finn Kretschmer zum 21:15 bedeuteten die erste Sechs-Tore-Führung im Spiel (40.).
Natürlich gaben sich die Gäste längst noch nicht geschlagen. Der für den nach der Pause schwachen Torhüter Milos Putera eingewechselte Jens Vortmann und der wurfgewaltige Linkshänder Andreas Rojewski hielten den Tabellensiebten im Spiel (24:20/47.). Zehn Minuten vor dem Ende verkürzte Pieczkowski in Unterzahl zum 21:24 – und beim TVB schlichen sich immer mehr Unkonzentriertheiten ein. Die Wurfquote war nicht mehr so gut wie vor der Pause, und Rojewski kam immer wieder zu leichten Toren.
25:22 stand’s nach 52 Minuten. Dann parierte Bitter den ersten Strafwurf von Steinert. Im Gegenzug verwandelte Schweikardt mit etwas Glück vom Strich zum 26:22 – und im nächsten Angriff schnappte sich Bitter auch den zweiten Strafwurf von Steinert. Sechs Minuten vor dem Ende hätte Schweikardt per Siebenmeter für die Vorentscheidung sorgen können, doch nun zeigte er Nerven.
Mit einem spektakulären Rückhandwurf erzielte Kretschmer viereinhalb Minuten vor dem Ende das 27:23. Weil der TVB danach zwei freie Chancen liegen ließ, musste er bis 40 Sekunden vor der Schlusssirene zittern. Weiß versenkte den Ball von Außen zum 28:25, Lukas Binders Treffer zum 28:26 kam zu spät.
Der TVB belohnte sich damit im letzten Spiel 2016 für eine starke Leistung. Weil jedoch auch Lemgo siegte, startet der TVB nach der WM-Pause am 11. Februar beim Bergischen HC auf einem Abstiegsplatz.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Lobedank (2), Weiß (8), Schagen (3/1), Schweikardt (4/1), Kraus (2), Baumgarten (3), Fotache (1), Kretschmer (5), Orlowski.
SC DHfK Leipzig: Putera, Vortmann; Semper, Steinert (4/4), Rojewski (7), Jurdzs (1), Binder (1), Janke, Pieczkowski (6), Roscheck, Strosack (3), Meschke, Becvar (1), Milosevic (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW