Der TVB rutscht auf einen Abstiegsrang

Auch im Tabellen-Nachbarschaftsduell beim HBW Balingen-Weilstetten hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart geschlagen geben müssen. Mit dem 19:23 (7:11) ist der TVB am 17. Spieltag auf einen Abstiegsrang gerutscht. Die ordentliche Abwehrleistung und das überraschende Comeback von Torhüter Jogi Bitter reichten nicht, zu schwach agierte der Angriff.
Ein bisschen Hoffnung hatten die Bittenfelder, dass Jogi Bitter nach langer Verletzungspause zum so wichtigen Derby beim Abstiegskonkurrenten fit werden würde – und tatsächlich gab der Keeper grünes Licht. Und er schien der Defensive neuen Mut eingehaucht zu haben. Jedenfalls zeigte sich der TVB gegenüber den jüngsten Spielen deutlich verbessert. Die große Baustelle dagegen lag in der mit 2300 Fans ausverkauften Sparkassen-Arena in der Offensive. Mit 19 Toren ist in der ersten Bundesliga kein Spiel zu gewinnen – auch wenn die Balinger ihre bekannt aggressive Abwehr stellten und es dem TVB schwer machten.
Die Fans sahen das erwartet verbissen geführte, aber eher mit wenig spielerischen Höhepunkten geführte Derby. Das war zunächst auch torarm und hektisch. Erstens, weil beide Abwehrreihen sehr aufmerksam agierten. Zweitens, weil sich sowohl der HBW als auch der TVB im Angriff viele leichte Fehler leisteten. 3:3 stand’s nach zehn Minuten, dann erarbeitete sich Balingen leichte Vorteile (6:4/8:6).
TVB bestrafte
die Fehler des Gegners nicht
Der TVB tat sich im Positionsangriff ungemein schwer gegen die beweglichen Balinger, von den Halbpositionen ging zu wenig Druck aus. Die Last lag auf Michael Kraus und Marian Orlowski. Sie hatten beide gute Aktionen, allerdings funktionierte längst nicht alles. Der Kreis und die Außen kamen selten zum Zug. Die Balinger, angeführt vom starken Ex-Bittenfelder Lars Friedrich und Martin Strobel, spielten variabler – jedoch nicht tadellos. Der TVB indes war nicht in der Lage, diese Fehler zu bestrafen und ging folgerichtig mit dem 7:11-Rückstand in die Pause.
Weil von Felix Lobedank wenig Gefahr ausging, versuchte es der Trainer Markus Baur nach der Pause mit drei Rechtshändern im Rückraum: Dominik Weiß, Kraus und Orlowski. Mit dem guten Bitter im Tor und dem aufdrehenden Kraus egalisierte der TVB den Rückstand binnen zehn Minuten – 12:12. Orlowski nagelte den Ball zum 13:12 und damit der ersten Führung des TVB vorbei am starken Balinger Torhüter Peter Johannesson in den Kasten.
Die Balinger hatten nun enorme Probleme und die Gäste die große Chance, das Spiel komplett an sich zu reißen. Mit einer dummen Aktion und zweimal zwei Minuten Zeitstrafe machte Vio Fotache diese Bemühungen zunichte.
Nach 47 Minuten hatte sich der HBW den 16:14-Vorsprung erspielt. Diesen gab das kampfstarke Heimteam nicht mehr aus den Händen. Das 20:17 durch Strobel bedeutete dreieinhalb Minuten vor dem Ende die Vorentscheidung. Der TVB kämpfte zwar weiter, er leistete sich aber weiterhin viel zu viele Fehler. Yves Kunkel beseitigte mit dem 22:19 die letzten Zweifel, Sascha Iltisch setzte den Schlusspunkt.
Die Balinger haben sich damit drei Punkte Polster auf den ersten Abstiegsrang erkämpft. Auf dem sitzt jetzt der TVB.
HBW Balingen-Weilstetten: Mrkva, Johannesson; Foth, Wagner, Flohr (1), Hausmann (3), Friedrich (6), Nothdurft, Kolodziej, Strobel (4), Kunkel (6/3), Stegefelt, Dominikovic, Ilitsch (3).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Lobedank, Oprea (1), Weiß (2), Schagen (4/1), Schweikardt (1), Kraus (4), Coric (1), Baumgarten (2), Fotache, Kretschmer, Orlowski (4).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW