29:35 – zu viele Baustellen beim TVB

Der TVB 1898 Stuttgart hat das Schwaben-Derby der 1. Handball-Bundesliga gegen FA Göppingen klar mit 29:35 (9:17) verloren. Der TVB spielte in den ersten 30 Minuten wie gelähmt. Nach der Pause erwachte zwar der Kampfgeist, zur Wende reichte es aber nicht mehr. Das Problem: Zu viele Spieler laufen derzeit ihrer Form hinterher.
Dabei war der TVB elanvoll ins Derby gestartet, die jüngste Schlappe gegen Flensburg steckte offensichtlich nicht mehr in den Köpfen. Michael Kraus drehte gegen seinen Ex-Club mächtig auf, der Spielmacher besorgte die Treffer zum 3:2 im Alleingang und legte Simon Baumgarten zum 4:2 glänzend auf.
Nach diesen fünf vielversprechenden Minuten machte das Team von Trainer Markus Baur allerdings dort weiter, wo es gegen Flensburg aufgehört hatte: Es agierte zu zögerlich in der Defensive, im Angriff schoben die Akteure ihrem Spielgestalter die Verantwortung zu oder schlossen halbherzig und unvorbereitet ab. Der TVB wirkte wie gelähmt, die Göppinger Deckung hatte keine Probleme mit der behäbigen und einfallslosen Bittenfelder Offensive. Und dahinter stand der gute Torhüter Primoz Prost.
Anton Halèn traf nach 15 Minuten zum 10:6 für Frischauf. Michael Schweikardts Siebenmeter zum 7:10 (17.) war zugleich seine letzte Aktion im Spiel: Er traf Niclas Barud unglücklich im Gesicht und wurde disqualifiziert. Der TVB wirkte nun noch verunsicherter. Göppingen, angeführt von den starken Tim Kneule und Jens Schöngarth, zog über 13:7 zum aus TVB-Sicht deprimierenden 17:9-Halbzeitstand davon. Die TVB-Spieler schlichen mit hängenden Köpfen in die Kabine.
Im zweiten Durchgang feierte der neue Keeper Mihai Pop sein – gutes – Debüt anstelle des nicht schlechten Dragan Jerkovic. Pop hielt gleich den ersten Wurf, doch der TVB geriet beim 9:19 (32.) mit zehn Toren ins Hintertreffen. Es bahnte sich ein weiteres Debakel an. Dazu indes kam es nicht: Das Heimteam besann sich auf seine Kämpferqualitäten, die Göppinger leisteten sich im Gefühl des sicheren Sieges etliche technische Fehler. Zudem ließ sich Frischauf durch die 4:2-Deckung des TVB aus dem Konzept bringen. Nach 40 Minuten warf Marian Orlowski sein Team auf 17:22 heran – allerhöchste Zeit für den Göppinger Trainer Magnus Andersson, seine Spieler in der Auszeit wieder zur Konzentration zu mahnen. Doch der TVB witterte seine Chance, zurück ins Spiel zu finden. Der unermüdliche, wenn auch nicht fehlerfreie Kraus, verkürzte auf 20:24. Eine Viertelstunde vor Schluss schien noch alles möglich. Allerdings war die Verantwortung weiterhin mehr oder weniger auf den Schulter von Kraus, Marian Orlowski und des guten Kreisläufers Teo Coric verteilt. Beim 23:27 (50.) bestand noch Hoffnung, doch in der Schlussphase nutzten die Göppinger die Fehler des Heimteams eiskalt aus. Spätestens nach Marcel Schillers Treffer zum 26:32 (56.) stand der Sieger des Derbys fest. Am Ende feierten die Gäste den 35:29-Erfolg, den sie sich aufgrund der überzeugenden ersten Hälfte verdient hatten.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Pop; Lobedank (1), Weiß (1), Schagen (3/2), Schweikardt (1/1), Kraus (8), Coric (5), Baumgarten (1), Fotache (2), Kretschmer (3), Orlowski (4), Heib.
FA Göppingen: Prost, Rutschmann; Kneule (6), Späth (5), Sesum, Fontaine (5), Kaufmann, Berg (2), Schiller (4/1), Pfahl (1), Rentschler (5), Halén (2), Schöngarth (5).

 

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW