Ein Derby mit spezieller Note

Es prickelt mehr denn je vor dem Derby zwischen dem TVB 1898 Stuttgart und FA Göppingen an diesem Mittwoch in der ausverkauften Porsche-Arena: Fünf Spieler treffen auf ihren Ex-Verein, Manuel Späth auf seinen künftigen Club. Sein Debüt feiert der Torhüter Mihai Pop, den der TVB vom rumänischen Erstligisten Baia Mare verpflichtete.

Bittenfeld/Stuttgart und Göppingen liegen nah beieinander. Geografisch sowieso, aktuell indes auch sportlich. Zumindest, wenn die Tabelle als Maßstab dient. Frischauf hat nur einen Punkt mehr gesammelt als der TVB – und Markus Baur hätte nichts dagegen, wenn diese Differenz auch nach dem Derby an diesem Mittwoch noch Bestand hätte. Will heißen: Mit einem Unentschieden könnte der TVB-Trainer gut leben.

Mit einem Sieg wäre TVB bester württembergischer Club

Einen Punkt voneinander getrennt wären die Nachbarn allerdings auch, sollte sich der Vorjahresaufsteiger gegen den Bundesliga-Dino durchsetzen. Ein Sieg des TVB hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass der TVB der beste württembergische Club in der Ersten Liga wäre. Noch wichtiger indes wären die Punkte neun und zehn. „Das wären Big Points für uns“, sagt Baur.

Ein Spiel Groß gegen Klein

Auch wenn Frischauf in dieser Saison noch nicht so richtig in der Spur ist: Für Baur steht außer Frage, „dass es ein Spiel Groß gegen Klein ist“. Frischauf habe sich die Europapokalplätze zum Ziel gesetzt, der TVB den Ligaverbleib. Andererseits haben die Göppinger in dieser Saison schon einige enttäuschende Spiele gezeigt. Sie verloren zu Hause gegen Hannover mit 23:34, Erlangen mit 22:24, Magdeburg mit 28:29 und mussten sich gegen den Tabellenletzten Bergischer HC mit einem 26:26-Unentschieden begnügen. Beim Drittletzten TBV Lemgo setzte es eine 26:28-Pleite.

Zuletzt indes feierte Frischauf gleich drei Erfolgserlebnisse in Folge: 33:30 und 37:32 im EHF-Pokal gegen Markus Baurs Ex-Club Pfadi Winterthur und dazwischen 37:29 in der Liga gegen den VfL Gummersbach.

Löchrige Abwehr gegen Winterthur

Offensiv läuft’s offensichtlich inzwischen bei den Göppingern, das Defensivverhalten indes schmeckt dem Trainer noch nicht. „Unsere Abwehr? Soll ich Katastrophe sagen?“, ließ sich Magnus Andersson nach dem 37:32-Sieg gegen Winterthur zitieren. Markus Baur hätte nichts dagegen, wenn die Defensive der Göppinger zumindest noch im Derby so löchrig bliebe. „Da versuchen wir jedenfalls anzusetzen.“

Baur sind personell die Hände gebunden

Wobei Baur personell nach wie vor die Hände gebunden sind. Aus der Rückkehr von Tobias Schimmelbauer wird nichts: Die Schambeinentzündung zwingt den Linksaußen noch zur Pause. Er wird wohl – wie Can Celebi und Djibril M’Bengue – vor der WM-Pause kein Comeback feiern. Die beiden Linkshänder stünden dem TVB ebenso gut zu Gesicht wie Jogi Bitter. Dessen langfristigen Ausfall kompensierte Dragan Jerkovic in den ersten beiden Partien gegen Lemgo und Gummersbach ordentlich – ehe auch er sich gegen Flensburg verletzte.

Bis zum Derby sollte der Routinier eigentlich wieder fit sein, aktuell ist sein Einsatz allerdings ungewiss. Weil der TVB mit dem jungen Linus Mathes nur einen Torhüter zur Verfügung gehabt hätte, holte sich der TVB kurzfristig Verstärkung. „Wir dürfen von Mihai keine Wunderdinge erwarten“, sagt Baur. „Aber er ist ein erfahrener und offener Kerl.“

Den Fans etwas bieten

Eine außerordentliche Leistung brauchen die Bittenfelder, wollen sie sich gegen Göppingen behaupten. „Wir müssen 60 Minuten lang alles auspacken, was wir haben“, sagt Baur. Die Porsche-Arena werde aus allen Nähten platzen, die Fans erwarteten ein Spektakel. Jeder Spieler müsse den Anspruch haben, sich anders zu präsentieren als gegen Flensburg. „Wir haben ein sensationelles Publikum. Da gehört es sich einfach, den Fans etwas zu bieten.“

Baumgarten, Schweikardt, Kraus, Lobedank und Rutschmann gegen ihren Ex-Club

Für einige Spieler steht das Derby unter ganz besonderen Vorzeichen: Simon Baumgarten und Michael Schweikardt spielten zu Beginn ihrer Karriere für Frischauf, Felix Lobedank und Michael Kraus noch in der vergangenen Saison. Bastian Rutschmann wechselte 2011 vom TVB unter den Hohenstaufen. Und das Frischauf-Urgestein Manuel Späth trifft im Derby auf seine künftigen Mitspieler beim TVB.

Der Kreisläufer ist seit Jahren eine tragende Säule bei den Göppingern, die einen breiten und „gut zusammengestellten“ (Baur) Kader beisammenhaben. Der Rückraum ist zum einen mit den nationalmannschaftserfahrenen Lars Kaufmann, Adrian Pfahl und Jens Schöngarth sehr wurfgewaltig und zum anderen mit Daniel Fontaine, Zarko Sesum und Tim Kneule auch spiel- und zweikampfstark. Am Kreis wechseln sich Niclas Barud und Späth ab. Auf den beiden Außenpositionen sind die Göppinger jeweils doppelt besetzt.

Zudem hat der Trainer Magnus Andersson seinen kompletten Kader zur Verfügung. Der TVB dagegen muss sich in den fünf Partien binnen 21 Tagen – Göppingen, Wetzlar, Minden, Balingen und Leipzig –, mehr oder weniger über die Runden quälen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW