TVB nur ein Spielball der Flensburger

Ein Desaster hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gestern erlebt: Vor 6211 maßlos enttäuschten Zuschauern in der ausverkauften Porsche-Arena war das Team von Trainer Markus Baur nicht mehr als ein Spielball der SG Flensburg-Handewitt. Der Vizemeister siegte mit 46:28 (24:12). Beim TVB kam alles zusammen: Torhüter Dragan Jerkovic schied verletzt aus.
Mit einer Sensation hatte angesichts der widrigen Begleitumstände mit vier Dauerverletzten wohl keiner gerechnet beim TVB. Dass das Team gegen den Titelkandidaten allerdings derart hoffnungslos unterlegen sein würde und sich bereits nach einer Viertelstunde seinem Schicksal mehr oder weniger fügen würde, das war nicht zu erwarten. Die Verantwortlichen des TVB waren restlos bedient – und die Fans ebenso. Vereinzelt waren gar Pfiffe zu vernehmen.
Die neutralen Zuschauer und diejenigen, die mit den Flensburgern sympathisierten, hatten ihren Spaß an diesem tristen Novembersonntag. Der Titelkandidat zeigte sich technisch versiert, ungemein ballsicher und flink auf den Beinen. Keine Überraschung war’s, dass die Bittenfelder diesbezüglich im Nachteil sein würden. Mit Kampfgeist, Aggressivität und Moral indes sollten diese Defizite wettgemacht werden. Die Flensburger sollten vor gewisse Aufgaben gestellt werden, so der Plan von TVB-Trainer Markus Baur. Davon indes war gestern wenig zu sehen. Das Kempa-Tor von Marian Orlowski auf Zuspiel von Michael Schweikardt zum 1:2 nach zwei Minuten war toll, auch Felix Lobedanks Treffer zum 2:3 und Schweikardts Hüftwurf zum 3:4 (6.) ließ die Fans jubeln.
Sie ahnten jedoch nicht, dass dies bereits die letzten gelungenen Aktionen für eine ganze Weile gewesen sein sollten. Mit unvorbereiteten und schwachen Abschlüssen lud der TVB die Flensburger zu Gegenstößen ein, welche diese eiskalt nutzten. Nach dem 3:9 durch den überragenden Lasse Svan und sieben Fehlwürfen des TVB zückte der Trainer Markus Baur die Grüne Karte (10.).
Michael Kraus, der zunächst auf Linksaußen begonnen hatte, wechselte mit Schweikardt die Position. Finn Kretschmer wurde in den rechten Rückraum beordert. Am fehlerhaften Spiel des TVB änderte dies jedoch nichts: Er agierte weiterhin äußerst unglücklich im Abschluss, leistete sich Fehlwürfe, Abspielfehler und Stürmerfouls. Zudem war das Tempo der Flensburger dem Heimteam schlichtweg zu hoch. Mit einer großen Passgenauigkeit spielten die Gäste ihre Angriffe zu Ende, nahezu jeder Angriff der SG endete im Tornetz. Dragan Jerkovic und von der 15. Minute an Linus Mathes hatten wenig auszurichten.
Mitte der ersten 30 Minuten versuchte es der TVB vermehrt mit dem siebten Feldspieler, der Rückstand indes wuchs weiterhin an – über 3:12 (15.) und 5:15 (17.) bis zum 9:20 (25.). Die zaghaften Würfe stellten den Flensburger Keeper Mattias Andersson vor wenig Probleme. Und die Deckung des TVB bekam weiterhin keinerlei Zugriff auf den Gegner, vermied viel zu oft den Körperkontakt. Zur Pause stand das frustrierende 12:24 auf dem Videowürfel.
Im zweiten Spielabschnitt ging es für den TVB lediglich darum, nicht in ein noch größeres Debakel zu schlittern. Den nächsten Rückschlag indes gab’s schon nach zwei Minuten: Jerkovic musste mit einer Wadenverletzung vom Feld, Mathes spielte zu Ende – und der dritte Torhüter des TVB konnte einem leidtun: Immer wieder tauchten die Flensburger alleine vor ihm auf und warfen ihm die Bälle um die Ohren. Zum Leidwesen des TVB drückten die Flensburger weiterhin aufs Tempo, bauten ihr Polster bis zur 43. Minute beim 34:15 auf 19 Tore aus.
Zum Glück für den TVB ging die SG in der Schlussviertelstunde zumindest in der Defensive nicht mehr ganz so konzentriert zu Werke. So ergab sich für das Heimteam noch die eine oder andere Lücke, immerhin 13 Treffer gelangen dem TVB bis zum – dennoch frustrierenden – 28:46. Ohne Michael Schweikardt übrigens, der nach einer unglücklichen Abwehraktion gegen Jim Gottfridsson in der 42. Minute die Rote Karte gesehen hatte. Sieben Minuten vor dem Ende war auch für Dominik Weiß die Partie nach der dritten Zeitstrafe beendet.
Es war ein Tag zum Vergessen aus Sicht des TVB. Sollte nun auch noch Dragan Jerkovic ausfallen, sähe es ganz düster aus für die kommenden Wochen.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Mathes; Lobedank (1), Weiß (4), Schagen (3), Schweikardt (3), Kraus (2), Coric (1), Baumgarten (4), Fotache (1), Kretschmer (3), Orlowski (6).
SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Moeller; Karlsson, Glandorf (4), Mogensen (3), Svan (13), Wanne (4), Djordjic (4), Jakobsson (2), Heinl (1), Toft Hansen (3), Gottfridsson, Lauge Schmidt (5/3), Mahé (7).