Vorbericht zum Spiel

Werden die Fans des TVB 1898 Stuttgart in der Porsche-Arena am Sonntag den neuen deutschen Meister sehen? Die Chancen des Vorjahreszweiten SG Flensburg-Handewitt stehen jedenfalls nicht schlecht, das Team von Trainer Ljubomir Vranjes präsentiert sich bärenstark in dieser Spielzeit. Die Chancen des ersatzgeschwächten TVB auf die Sensation sind äußerst gering.

Spiele gegen die Großen der Liga sind im Grunde die einfachsten. Einen Sieg erwartet keiner, der Außenseiter kann befreit aufspielen und zeigen, dass er ordentlich mithalten kann. Zum Saisonauftakt hat der TVB den THW Kiel beim 22:27 phasenweise ins Schwitzen gebracht. Auch beim 27:35 gegen den Meister Rhein-Neckar Löwen hat sich das Team von Trainer Markus Baur – zumindest 50 Minuten lang –, sehr gut präsentiert. Und beim 25:28 in Berlin schnupperte es sogar an einem Punkt.

Am Sonntag nun gastiert der letzte der vier Titelkandidaten in der Porsche-Arena. Die Ausgangssituation für den TVB ist unverändert: Unter normalen Umständen wird nichts zu holen sein gegen das wahrscheinlich spielerisch beste Team der Liga, das gespickt ist mit außergewöhnlichen Handballern. „Flensburg hat ein sehr hohes Passtempo“, sagt Baur. „Das System der Flensburger passt auf alle Spieler – egal, wer auf der Platte steht.“

Mimi Kraus gibt sich kämpferisch

Mut macht sich der TVB trotzdem. Michael Kraus gibt sich auf der Homepage mit dem Statement zum Spiel kämpferisch: „Wir müssen eine Topleistung abrufen und auf Fehler von Flensburg hoffen“, sagt der Spielmacher.

Von überdurchschnittlichen Leistungen indes war der TVB in den vergangenen Wochen ein gutes Stück entfernt. Das 20:25 in Leipzig und vor allem das 20:27 in Gummersbach waren durchaus ernüchternd. Allen voran, was die Angriffsleistung betrifft. Dazwischen erkämpfte sich der TVB beim 30:29 gegen Lemgo zwei wichtige Zähler im Abstiegskampf. In den ist der TVB zweifelsfrei verwickelt, auch wenn er aktuell in der Tabelle über dem Strich steht. Das wird sich auch am Wochenende nicht ändern, weil die drei Teams auf den Abstiegsplätzen nicht im Einsatz sind.

Ein bisschen länger als üblich hatte der TVB-Trainer mit der Analyse des Gummersbach-Spiels zu tun. „Es war ziemlich bitter, sich das Spiel nochmals gemeinsam auf DVD angucken zu müssen“, sagt Markus Baur. Positiv aufgefallen ist ihm, dass sich der eine oder andere Spieler die Partie vorab bereits zu Gemüte geführt hatte. „Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass die Spieler sich auseinandersetzen.“

Mindestens vier Punkte in den letzten sechs Partien

Viele solcher Auftritte darf sich der TVB in den verbleibenden sechs Partien bis zur WM-Pause nicht mehr leisten. Vier Punkte sollten aus den Vergleichen mit Flensburg, Göppingen, Wetzlar, Minden, Balingen und im ersten Rückrundenspiel gegen Leipzig herausspringen. Dann wäre der TVB zur Saisonhalbzeit im Soll.

Aktuell indes interessiert sich Baur ausschließlich für die Aufgabe am Sonntag. Die Ausgangslage sei eindeutig: „Wenn Flensburg ein gutes Spiel macht, können wir uns auf den Kopf stellen und werden trotzdem nicht gewinnen“, sagt er. Was im Umkehrschluss jedoch nicht bedeute, „dass wir uns auf den Rücken legen und uns überfahren lassen; wir stellen uns ein paar Aufgaben, und die versuchen wir zu erfüllen“.

Während sich die dezimierte Mannschaft von Markus Baur quasi von alleine aufstellt, kann sein Kollege Ljubomir Vranjes nach Herzenslust rotieren. Was er auch macht. So können die Flensburger der immensen Belastung Herr werden: Die Partie in der Porsche-Arena wird die fünfte sein binnen 14 Tagen. Gleich dreimal musste die SG gegen den großen Rivalen THW Kiel ran: In der Liga unterlag sie auswärts mit 23:24. In der Champions League revanchierte sich Flensburg ein paar Tage später mit dem 30:22-Sieg in Kiel, im Rückspiel indes musste es sich mit 25:26 geschlagen geben. Dazwischen fegte die SG die Balinger mit 36:18 aus der Halle.

Bleibt die leise Hoffnung für den TVB, dass der Vizemeister am Sonntag ein wenig die Flügel hängen lassen wird. Ganz unabhängig von der körperlichen und mentalen Verfassung des Gegners, müssen sich die Bittenfelder gewaltig steigern. Dass seine Spieler kämpferisch anders auftreten müssen als zuletzt, ist für Baur eine Selbstverständlichkeit „vor rund 6000 Fans und in einem TV-Spiel“. Vonnöten sei auch eiserne Disziplin. „Keiner soll Dinge machen, die er sonst nicht macht und irgendwo im Fernsehen gesehen hat.“ Ansonsten könnte es ein böses Erwachen geben. „Wenn Kiel zu Hause gegen Flensburg mit acht Toren Differenz verliert, kann ein Spiel in Stuttgart auch durchaus höher ausgehen.“

Personell gibt’s beim TVB keine Veränderungen. Er muss weiterhin auf Jogi Bitter, Can Celebi, Djibril M’Bengue und Tobias Schimmelbauer verzichten.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW