Gesprächsbedarf beim TVB

Ziemlich bedient gewesen sind die Verantwortlichen des Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart nach der 20:27-Niederlage in Gummersbach. „Ich muss gestehen, ich bin schon sehr enttäuscht“, sagte der Sportliche Leiter Günter Schweikardt am Tag danach. Trainer Markus Baur kündigte an, „dass wir das Spiel mit viel Zeitaufwand analysieren werden“.

Zu besprechen wird es einiges geben in diesen Tagen. Der Sonntag jedenfalls war ein Tag, an dem der TVB-Trainer wohl am liebsten im Bett geblieben wäre. Seinen (Galgen-)Humor hatte Markus Baur allerdings schon bei der Pressekonferenz ein paar Minuten nach dem Spiel wiedergefunden. Auf die Bitte des Moderators, er soll doch mal erzählen, wie er den Nachmittag gesehen habe, sagte Baur: „Ich hätte ihn am liebsten gar nicht gesehen. Wir haben gespielt, als säßen wir noch im Bus auf der Autobahn.“

Dass der Gummersbacher Trainer Emir Kurtagic nach der 9:2-Führung in der 15. Minute „ein Spiel mit teilweise Freundschaftsspielcharakter“ gesehen hat, spiegelte die Kräfteverhältnisse in der mit 3512 Zuschauern gefüllten Schwalbe-Arena wider. Die Schiedsrichter Michael Kilp und Christoph Maier kamen gänzlich ohne Zeitstrafe aus, was für Baur ein eindeutiges Zeichen war, „dass bei uns die Bereitschaft einfach nicht da war, die Zweikämpfe anzunehmen“.

Die Gummersbacher hätten recht schnell gemerkt, dass sie das Spiel kontrollierten. Auch ohne den allerletzten Einsatz in der Defensive. „Nur wenn man Zug zum Tor entwickelt, kann der Gegner in die Gefahr kommen, auch mal hinten dranzuhängen“, so Baur. Anders ausgedrückt: Der VfL durfte sich den Luxus erlauben, auf riskante Abwehraktionen zu verzichten, weil der TVB den direkten Körperkontakt über weite Strecken scheute. „Und wenn wir uns mal eine gute Situation erarbeitet haben, trafen wir das Tor erst gar nicht.“ Die Wurfquote der Bittenfelder lag am Ende bei 46 Prozent, die der Gummersbacher bei 62 Prozent. Wobei der eine oder andere Bittenfelder nicht einmal ein Drittel seiner Würfe im Tor von Carsten Lichtlein unterbrachte.

Unterm Strich blieb nicht viel übrig, was Markus Baur gefallen hat. Die wie schon gegen Lemgo überzeugende Leistung von Torhüter Dragan Jerkovic beispielsweise. Oder Vio Fotache, der in der Defensive gut gearbeitet habe. Und schließlich das Resultat. Wenn die Gummersbacher ihren Gegner mit einer deftigeren Packung nach Hause geschickt hätten, die Bittenfelder hätten sich nicht beschweren dürfen. Mit sieben Toren Differenz sei sein Team angesichts der dürftigen Vorstellung noch ganz gut weggekommen, so Baur. Gesprächsstoff für die nächsten Trainingseinheiten biete das Spiel aber allemal. „Wir werden es mit viel Zeitaufwand analysieren.“

Ernüchtert ob des Auftritts der Mannschaft war auch der Sportliche Leiter des TVB. Die Pressekonferenz nach dem Spiel sah sich Günter Schweikardt aus sicherer Entfernung an, das Wort überließ er seinem Trainer. „Wir brauchen gar nicht drum herumzureden“, sagte Schweikardt mit einem Tag Abstand. „Ich bin schon sehr enttäuscht. Ich hatte den Eindruck, dass die volle Fokussierung aufs Spiel gefehlt hat.“ Dabei sei die Mannschaft akribisch auf den Gegner vorbereitet gewesen. Gummersbach habe, wie schon zuletzt gegen Wetzlar, zwar super verteidigt. „Das entschuldigt aber nicht, dass wir im Angriff einfach keine Mittel gefunden haben.“ Nun gelte es, so schnell wie möglich die richtigen Schlüsse aus der Partie zu ziehen und sich am Sonntag in der Porsche-Arena gegen die SG Flensburg-Handewitt so gut wie möglich zu präsentieren. „Nach diesem Auftritt in Gummersbach sollten wir nicht irgendwelche Hoffnungen hegen.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW