Baur hofft, dass der Matchplan passt

Lediglich zwei Punkte trennen den VfL Gummersbach und den TVB 1898 Stuttgart in der Tabelle der ersten Handball-Bundesliga. Die Favoritenrolle indes hat klar der zwölffache Deutsche Meister inne. Auch, weil die personellen Sorgen des VfL nicht ganz so groß sind wie die des TVB: Jogi Bitter, Tobias Schimmelbauer, Can Celebi und Djibril M’Bengue müssen zuschauen.

Seit Mittwoch ist klar: Jogi Bitter wird in diesem Kalenderjahr nicht mehr im Tor des TVB stehen. Nach einer weiteren medizinischen Untersuchung ist die Diagnose eindeutig: Der Ex-Nationalkeeper hat sich einen ausgeprägten Muskelfaserriss an der Rückseite des rechten Oberschenkels zugezogen, der ihn mindestens sechs Wochen auf Eis legen wird. Damit wird Bitter dem TVB in sieben Spielen fehlen.

Das sind zweifelsfrei schlechte Nachrichten für den TVB – wobei der Trainer Markus Baur sogar froh ist, dass sich die „schlimmsten Befürchtungen“ nicht bestätigt haben. Nicht ausgeschlossen war zunächst die Beschädigung einer Sehne, die womöglich eine Operation nach sich gezogen hätte. Die hätte mit ziemlicher Sicherheit das Saisonaus bedeutet und den TVB in noch größere Schwierigkeiten gebracht. Um eine Nachverpflichtung, zumindest für den Rest der Saison, wären die Bittenfelder kaum herumgekommen.

Bitter dürfte gegen Bergischen HC wieder einsatzfähig sein

Wenn der Heilungsprozess planmäßig verläuft, dürfte Bitter am 11. Februar, im wichtigen Spiel beim Abstiegskonkurrenten Bergischer HC, wieder einsatzfähig sein. Voraussichtlich dürfte bis dahin auch geklärt sein, ob Bitter auch in der nächsten Saison das TVB-Trikot tragen wird. Der 34-Jährige ist heiß begehrt (wir haben berichtet). Nun bestätigte der Göppinger Manager Gerd Hofele gegenüber der Fachzeitschrift Handballwoche, Gespräche mit Bitter geführt zu haben.

Im Gegenzug habe ihn FA-Kreisläufer Manuel Späth darüber informiert, mit dem TVB in Verhandlungen zu stehen. Was ihn jedoch nicht außerordentlich beunruhige, so Hofele weiter. Zweieinhalb Wochen vor dem württembergischen Derby in der Porsche-Arena schickte der Manager bei dieser Gelegenheit noch eine kleine Spitze in Richtung seiner Ex-Spieler Michael Kraus und Felix Lobedank. Er habe Späth gesagt, dass der TVB noch nie einen Spieler von Frischauf bekommen habe, an dessen Weiterverpflichtung Göppingen interessiert gewesen sei.

Polster des TVB hat sich um zwei Punkte verringert

Auch wenn die Personalplanungen bei den Göppingern derzeit ein großes Thema sind: Die aktuelle sportliche Krise dürfte die Verantwortlichen noch mehr beschäftigen: Nach der 26:27-Niederlage am Mittwoch in Lemgo liegt Frischauf lediglich einen Punkt vor dem ersten Abstiegsplatz. Auf den ist Lemgo geklettert, was dem TVB nicht besonders gefallen haben dürfte. Dadurch hat sich das Polster der Bittenfelder auf zwei Punkte verringert. Und die Chancen des TVB, es in den kommenden beiden Partien in Gummersbach und gegen die SG Flensburg-Handewitt zu vergrößern, sind überschaubar. Die Gummersbacher haben zwar lediglich zwei Punkte mehr auf dem Konto als der TVB und liegen damit eine Handvoll Zähler hinter den Erwartungen zurück. Besorgniserregend indes ist die Situation beim Team von Trainer Emir Kurtagic nicht. Zumal sich beim VfL, im Gegensatz zum TVB, das Lazarett allmählich lichtet. Der Torhüter Matthias Puhle (Knie-Operation) und der vor der Saison aus Göppingen verpflichtete Linkshänder Kevynn Nyokas (Patellasehnen-Beschwerden) fallen zwar noch aus. Dafür stehen der deutsche Nationalspieler Julius Kühn nach seinem Innenbandriss am Knie und Mark Bult (Schulterprobleme) gegen den TVB wieder im Kader.

Trotz Verletzungsausfällen ist der VfL gut besetzt

„Der VfL hat auch so noch eine sehr gute Mannschaft“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. Besonders in den Fokus gespielt hat sich der Mittelmann Simon Ernst. Der 22-Jährige zeigte zuletzt auch in der Nationalmannschaft starke Leistungen und hat sich trotz seines jungen Alters beim VfL zum Führungsspieler entwickelt – im Angriff wie in der Abwehrzentrale.

Im Rückraum stehen Ernst unter anderem die nationalmannschaftserfahrenen Julius Kühn und Andreas Schröder sowie der gewiefte Spielmacher Christoph Schindler zur Seite. Am Kreis teilen sich Alexander Becker und Evgeni Pevnov die Aufgabe, auch auf den Außen ist der VfL mit Florian von Gruchalla und Kevin Schmidt gut besetzt. Und natürlich im Tor mit dem 216-fachen Nationalspieler Carsten Lichtlein.

Die Defensive war bei der jüngsten 19:26-Niederlage in Wetzlar lange Zeit das Prunkstück des VfL. Erst als die Kraft nachließ angesichts der personellen Notlage, gerieten die Gummersbacher ins Hintertreffen. „Wetzlar konnte das Tempo hochhalten, Gummersbach hatte Probleme“, sagt Baur.

TVB reist mit unverändertem Kader nach Gummersbach

Die Kraft geschickt einzuteilen, dürfte auch für den TVB am Sonntag von entscheidender Bedeutung sein. „Natürlich legt man sich für jedes Spiel einen Matchplan zurecht“, so Baur. Der indes sei nicht immer einzuhalten. Weil er auf einigen Positionen die Spieler nicht eins zu eins austauschen könne, müsse er „genau überlegen, wann ich welchen Spieler wo einsetze“.

Der TVB wird mit unverändertem Kader ins Oberbergische reisen. Michael Schweikardt, der sich gegen Lemgo eine Prellung an der Hüfte zugezogen hat, wird dabei sein. Geklärt ist auch die Personalie Linus Mathes. Der Nachwuchskeeper, der eigentlich per Zweitspielrecht beim Drittligisten TSB Horkheim im Tor steht, wird bis zur Winterpause in erster Linie beim TVB trainieren.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW