Baumgarten wirft den TVB zum Sieg

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sich gestern in der ausverkauften Scharrena beim 30:29-Sieg (15:13) gegen den TBV Lemgo zwei immens wichtige Punkte gesichert. Simon Baumgarten erzielte fünf Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Treffer. Der TVB musste auf den verletzten Jogi Bitter verzichten, Dragan Jerkovic war jedoch ein würdiger Vertreter.
Erst pfiffen sich die Fans die Seele aus dem Leib, weil die Schiedsrichter Christian Moles und Lutz Pittner in der Schlussphase dem TVB mit haarsträubenden Entscheidungen das Leben schwer machten. Fünf Sekunden vor dem Ende jedoch kannte der Jubel keine Grenzen mehr: Simon Baumgarten lupfte ein Anspiel von Michael Kraus über den herausstürzenden Lemgoer Torhüter Piotr Wyszomirski hinweg zum 30:29-Siegtreffer ins Netz. Unterm Strich war’s ein verdienter Erfolg des TVB, der mit heißem Herzen sämtlichen Unwägbarkeiten trotzte.
Das Verletzungspech scheint derzeit kein Ende zu nehmen: Nach Tobias Schimmelbauer, Can Celebi und Djibril M’Bengue meldete sich vor dem so wichtigen Match gegen den TBV Lemgo auch Jogi Bitter ab: Der Torhüter zog sich eine Oberschenkelverletzung zu. Wie lange er ausfallen wird, steht noch nicht fest. Nicht ausgeschlossen scheint jedoch, dass Bitter in diesem Kalenderjahr nicht mehr im Tor stehen wird.
Bis auf weiteres richten müssen es der Routinier Dragan Jerkovic und der Youngster Linus Mathes – und vorneweg: Die beiden machten ihre Sache gestern sehr gut. Jerkovic erwischte einen blendenden Start. Nach fünf Minuten, bei der 2:1-Führung der TVB, hatte der 40-Jährige bereits fünf Paraden auf dem Zettel.
Auffälligster Spieler außer dem Kroaten war auf Bittenfelder Seite Marian Orlowski, der an sein gutes Spiel in Leipzig anknüpfte. Er bekam im linken Rückraum den Vorzug vor Dominik Weiß. Der Neu-Nationalspieler kam zunächst nur im Mittelblock mit Vio Fotache zum Einsatz, wo er seine Aufgabe sehr gut erledigte.
In der zunächst torarmen Partie sorgte der durchsetzungsstarke Orlowski für die meiste Torgefahr. Das 5:4 nach 13 Minuten war bereits sein vierter Treffer. Ganz wichtig für den TVB war, dass auch Felix Lobedank schnell ins Spiel fand. Mit einem Doppelschlag besorgte der Linkshänder beim 7:5 die erste Zwei-Tore-Führung des Heimteams (16.).
Der TBV Lemgo hatte, wie der TVB auch, seine Probleme im Positionsspiel. Aufpassen musste der TVB auf den jungen Tim Suton, der sein Talent immer wieder aufblitzen ließ. Und wenn’s schnell ging, trumpfte der Linksaußen Patrick Zieker auf.
Das erste kleinere Polster warf Michael Schweikardt beim 10:7 heraus (21.). Der Spielmacher agierte aus Ermangelung einer Schimmelbauer-Alternative auf Linksaußen. Der TVB hielt seinen Vorsprung – größer indes wurde er nicht. Zu sehr waren die Aktionen auf Orlowski und Lobedank ausgerichtet. Michael Kraus, bisher stets ein Aktivposten im Spiel, erwischte keinen besonders guten Tag. Mit seinen Schlagwürfen blieb er immer wieder am starken Lemgoer Mittelblock hängen.
Mathes hält einen Siebenmeter
Nach 28 Minuten hatte Mathes seinen Kurzeinsatz: Er hielt beim 15:12 einen Siebenmeter von Zieker. Der jedoch machte seinen Fehlwurf mit dem Treffer zum 15:13-Halbzeitstand wieder wett.
Die große Chance zur ersten Vier-Tore-Führung vergab der ansonsten so sichere Siebenmeter-Schütze Bobby Schagen: Beim Stand von 17:14 scheiterte er an TBV-Keeper Jonas Maier (34.). Stattdessen kamen die Gäste auf 17:16 heran (35.). Es bahnte sich das erwartete Nervenspiel an, denn auch nach Lobedanks 19:16 (38.) schlug Lemgo rasch zurück und ließ den TVB nicht enteilen.
Glück hatten die Bittenfelder, dass die Lemgeor Spieler beim Spielstand von 20:19 aus den großen Entfernung nicht besonders zielsicher waren. Erst setzte der Keeper Maier den Ball am leeren TVB-Tor vorbei, dann Jonathan Stenbäcken. Cool nutzte Weiß die Chance zum 21:19. Den Ausgleich schaffte der Vorletzte dennoch: Ionut Ramba traf bei einem Konter zum 21:21 (44.).
Beim TVB machte sich allmählich der Kräfteverschleiß bemerkbar. Lobedank spielte quasi durch, auch Kraus wirkte nicht mehr frisch. Als sich auch noch Schweikardt verletzte, pfiffen die Bittenfelder aus dem letzten Loch. Groß jedoch war das Kämpferherz. Sie legten immer wieder ein Tor oder zwei Tore vor (26:24/28:26). Abschütteln indes ließ sich Lemgo nicht – und es profitierte in den letzten zehn Minuten von der einen oder anderen fragwürdigen Entscheidung der Schiedsrichter.
Schweikardt, von der Auswechselbank kommend, behielt beim Siebenmeter zum 29:27 die Nerven (55.). Zieker und Tim Hornke glichen aus zum 29:29. Als die Schiedsrichter den Gästen fälschlicherweise den Ball zusprachen und sie anschließend einen ewig langen Angriff spielen ließen, tobten die Fans.
Schließlich blieben dem TVB nach einer Auszeit 21 Sekunden, um den Siegtreffer zu erzielen. Die zündende Idee hatte Kraus, der Baumgarten mustergültig bediente. Der Rest war grenzenloser Jubel über zwei unglaublich wichtige Punkte.
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Mathes; Lobedank (6), Weiß (2), Schagen, Schweikardt (5/1), Kraus (3), Coric (1), Baumgarten (4), Fotache (1), Kretschmer (1), Orlowski (7).
TBV Lemgo: Wyszomirski, Maier; Mansson (2), Kogut (2), Ramba (1), Ebner, Hornke (3/2), Stenbäcken (2), Hermann (3), Skroblien, Suton (6), Bartok (2), Valiullin, Zieker (8/2).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW