Baur muss gegen Ex-Club improvisieren

Eine Heimniederlage gegen den Vorletzten TBV Lemgo an diesem Freitag stürzte den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart in Nöte. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt der Kader ziemlich ausgedünnt ist. Der TVB-Trainer Markus Baur muss sich gegen seinen Ex-Club einiges einfallen lassen. „Es ist aber nicht so, dass wir keine Alternativen hätten“, sagt er.

Bis vor drei Wochen hatten die Bittenfelder wenig Grund zur Klage. Das 27:32 gegen die Rhein-Neckar Löwen war zwar die dritte Niederlage in Folge nach dem verheißungsvollen Saisonstart mit 6:6 Punkten. Doch erstens hatte sich der TVB so schlecht nicht angestellt gegen den Deutschen Meister. Und zweitens schien sich das Lazarett nach und nach zu lichten.

Für Celebi ist die Hinrunde nach einer Meniskus-Operation gelaufen

Djibril M’Bengues Patellarsehne machte zwar immer noch Ärger. Aber mit der Neuverpflichtung Can Celebi hatte der TVB im rechten Rückraum eine weitere Alternative zu M’Bengue und Felix Lobedank. Dass Celebi auch ein gewiefter Abwehrspieler ist und Vio Fotache nach wochenlanger Verletzungspause vor seinem Comeback stand, machte Hoffnung für den Endspurt vor der EM-Pause. Mittlerweile ist die Stimmung nicht mehr ganz so euphorisch: Für Celebi ist die Hinrunde nach einer Meniskus-Operation gelaufen.

Die Chancen, dass M’Bengue in diesem Kalenderjahr den Ball noch einmal in die Hände nehmen wird, scheinen eher schlecht zu stehen. Und die Prognose bei Tobias Schimmelbauer ist vage: Schambeinentzündungen haben manchen Sportler schon deutlich länger als die anvisierten drei Wochen auf Eis gelegt.

„Wir sind aber auch so in der Lage, den TBV Lemgo zu schlagen“

Der TVB-Trainer Markus Baur indes macht kein großes Thema daraus. „Es gibt zwei Möglichkeiten“, sagt er. „Entweder wir stecken den Kopf in den Sand oder wir schauen, dass wir das Beste daraus machen.“ Im Übrigen sei die Situation ja nicht neu, er habe in dieser Saison noch nie seinen kompletten Kader zur Verfügung gehabt. „Wir sind aber auch so in der Lage, den TBV Lemgo zu schlagen.“

Das sollte der TVB auch tun. Zum einen, weil der Gegner zu den Abstiegskonkurrenten zählt. Und zum anderen, weil die Erfolgsaussichten in den sieben verbleibenden Partien im Jahr 2016 nicht besser sind. Zehn, zwölf Punkte sollte der TVB bis zum Jahresende schon gesammelt haben. Angesichts der Ausgeglichenheit der Liga könnten am Ende selbst 20 Zähler nicht zum Ligaverbleib reichen. Zwei Punkte gegen seinen Ex-Club wären für Markus Baur jedenfalls Gold wert.

„In den entscheidenden Situationen hat Lemgo ein paar Fehler zu viel gemacht“

Mit einer schwierigen Saison hatten die Verantwortlichen des TBV Lemgo gerechnet, etwas besser hätte es allerdings laufen dürfen. Seine vier Zähler holte das Team von Trainer Florian Kehrmann in eigener Halle gegen die Aufsteiger HC Erlangen (28:27) und HSC Coburg (32:22). Das eine oder andere Mal war Lemgo nah dran. Beim 26:27 gegen Minden beispielsweise, aber auch beim 29:33 gegen Melsungen oder 28:31 in Gummersbach. „In den entscheidenden Situationen hat Lemgo ein paar Fehler zu viel gemacht“, sagt Baur. „Oder der Gegner war cleverer.“ Diese Erfahrung habe sein Team auch schon gemacht.

Im Jahr 2003 wurde der TBV Lemgo, mit Florian Kehrmann auf Rechtsaußen und Markus Baur als Spielmacher, Deutscher Meister. Längst muss der TBV kleinere Brötchen backen, einen ordentlichen Kader jedoch hat Kehrmann immer noch beisammen. Mit Christian Klimek verpflichtete der TBV einen Kreisläufer aus Lübbecke. Weil sich der verletzte, legte Lemgo mit dem Ex-Balinger Nationalspieler Christian Theuerkauf nach.

Lemgo ist auf den Außen gut besetzt

Ebenfalls aus Lübbecke kam der Junioren-Nationalspieler Tim Suton, der als eines der größten deutschen Talente gilt. Er teilt sich die Regisseur-Rolle mit Andrej Kogut. Zuletzt in Eisenach spielte der 2,07 Meter große Azat Valiullin. Rolf Hermann ist im rechten Rückraum eine Lemgoer Institution. Gut besetzt ist der TBV auch auf den Außen mit Tim Hornke und dem Ex-Bietigheimer Patrick Zieker sowie im Tor mit dem Talent Jonas Maier und dem polnischen Nationalkeeper Piotr Wyszomirski.

Beim TVB wird Alexander Heib wieder in den Kader rücken. Erster Kandidat als Schimmelbauer-Ersatz auf Linksaußen dürfte Michael Schweikardt sein. Diese Position bekleidete der Spielmacher einst beim TVB und bei FA Göppingen. Denkbar sei auch, so Baur, dass der TVB mit zwei Kreisläufern agiere oder einen „echten“ Rückraumspieler auf Außen stelle.

Felix Lobedank: Der Alleinunterhalter im rechten Rückraum

Im rechten Rückraum ist Felix Lobedank nach den Ausfällen von Celebi und M’Bengue mehr oder weniger der Alleinunterhalter und muss für Torgefahr sorgen. Der Linkshänder zeigt nach Anlaufschwierigkeiten aufsteigende Form. „Er kommt so langsam, das war aber auch klar“, sagt Baur.

Schimmelbauers Position in der Deckung könnten entweder Simon Baumgarten oder Teo Coric einnehmen. Vio Fotache hat zwar noch Trainingsrückstand, er dürfte aber gemeinsam mit dem Neu-Nationalspieler Dominik Weiß den Mittelblock bilden.