Nachbericht: TVB vs. Rhein-Neckar Löwen

Dem einen oder anderen nominell besser besetzten Gegner ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart in dieser Saison schon auf Augenhöhe begegnet. Bei der 27:35-Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen dagegen blitzte die neue Stärke des TVB seltener auf – und die neue Regel des siebten Feldspielers rückte wieder einmal in den Fokus.

Nikolaj Jacobsen, Trainer des Deutschen Meisters, ist bekannt für lautere Ansprachen, wenn seine Spieler nicht so funktionieren, wie er sich das vorstellt. Am Mittwoch durfte der Däne seine Stimme schonen, die Löwen hatten den TVB über weite Strecken der Partie in Griff. Entsprechend entspannt parlierte Jacobsen bei der Pressekonferenz nach dem Spiel – und verteilte artig Komplimente an den Gegner. „Jogi Bitter war bis zur 45. Minute richtig gut, sonst hätten wir noch ein paar Tore mehr machen können“, sagte er. Und schließlich habe seine Mannschaft Probleme gehabt mit Michael Kraus, der Stuttgart im Spiel gehalten habe. „Es war gut zu sehen, dass der alte Arm immer noch funktioniert“, sagte Jacobsen und grinste.

Kraus war in der Tat einer der Lichtblicke im Team des TVB: Zehn seiner zwölf Würfen landeten im Löwen-Netz. Ohne Fehl und Tadel indes war auch der Spielmacher nicht: Wie seine Kollegen, so leistete sich auch Kraus den einen oder anderen technischen Fehler oder Pass ins Nirvana. Die Aussetzer des TVB endeten fast regelmäßig mit einem Gegentreffer. Dass die Rhein-Neckar Löwen dabei gleich neunmal ins leere Bittenfelder Tor trafen, weil der TVB mit dem siebten Feldspieler agierte und Bitter vom Feld ging, kam bei den Fans nicht besonders gut an.

„Es ist normal, dass der siebte Feldspieler oft Diskussionsgrundlage ist“, sagt Markus Baur. „Man kann so Spiele gewinnen, aber auch verlieren.“ Der TVB-Trainer sieht die neue Regel als „probates taktisches Mittel“, das von unterlegenen Teams eher angewendet werde. „Natürlich sieht’s blöd aus, wenn der Ball ins leere Tor geworfen wird.“ Baur sieht jedoch keinen Anlass, grundsätzlich auf die Regel zu verzichten. Schließlich habe sein Trainerteam die Spiele des TVB ausgewertet und sei zu der Erkenntnis gekommen, „dass wir so rund 50 bis 60 Prozent effektiver sind“.

Gegen die Löwen war dies nicht der Fall. Vielmehr wirkten etliche Spieler in Überzahl eher gehemmt und unsicher. „Wenn man nicht mit Überzeugung in die Aktionen geht, trifft man oft die falschen Entscheidungen“, sagt Baur. Zudem waren nicht alle Spieler in der Form, die der TVB gebraucht hätte, um den Löwen näher auf den Pelz zu rücken. Djibril M’Bengue stand in der Startformation und erzielte auch den ersten Treffer. Bald jedoch nahm der Linkshänder auf der Bank Platz, weil sich die Patellarsehne wieder bemerkbar machte. Keinen Zugriff auf Spiel bekamen auch Michael Schweikardt, der ebenfalls über Kniebeschwerden klagte, und Felix Lobedank. Dem Ex-Göppinger ist die fehlende Spielpraxis deutlich anzumerken.

Starke Szenen dagegen hatte die Neuverpflichtung Can Celebi im Mittelblock und im rechten Rückraum – und bekam ein Lob vom Trainer. „Can hat das gut gemacht“, sagt Baur. Zwischendurch indes sei Celebis Akku leer gewesen, weshalb er ihm eine Pause gegönnt habe.

Ein bisschen durchschnaufen dürfen in den nächsten Tagen auch die anderen Spieler. Am Donnerstag bat Baur noch einmal zum Training, übers Wochenende gab er frei. Am Montag startet de Vorbereitung auf das nächste schwere Spiel: Der Vorjahres-Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig steht mit 9:5 Punkten auf Rang fünf und gilt als sehr heimstark. Die MT Melsungen und der TBV Lemgo gingen dort leer aus, der Meister zitterte sich zum 25:24-Sieg.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW