Niederlage gegen den Meister

Die Überraschung ist ausgeblieben: Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat gestern gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 27:35 (14:16) verloren. Der TVB hielt über weite Strecken gut mit. Er leistete sich jedoch zu viele einfache Fehler, welche der Deutsche Meister eiskalt ausnutzte. Alleine neun Mal trafen die Gäste ins verwaiste TVB-Tor.

Es fing nicht schlecht an für den TVB – obgleich er die ersten zwei Großchancen gleich liegen ließ und der Favorit zum 2:0 vorlegte. Der Außenseiter fand rasch ins Spiel. Michael Kraus donnerte den Ball zur 3:2-Führung ins Löwen-Gehäuse. Es entwickelte sich ein Spiel, das zunächst von unkonzentrierten Abschlüssen auf beiden Seiten geprägt war.
Im Positionsspiel hatte der TVB Probleme, viel versprechende Lücken in der starken Löwen-Deckung zu finden. Beim 4:6 nach 13 Minuten nahm der TVB-Trainer Markus Baur die erste Auszeit. Erfolg sollte die taktische Variante des siebten Feldspielers bringen, allerdings ging dieser Schuss in den ersten Angriffen buchstäblich nach hinten los: Technische Fehler, Fehlabspiele und schwache Würfe brachten die Gäste in Ballbesitz.
5:1-Lauf machte Hoffnung für die zweite Halbzeit
Das 10:5 (15.) für die Gäste durch Hendrik Pekeler war bereits der fünfte Treffer ins verwaiste Bittenfelder Tor. Die Fans murrten, doch der TVB hielt an dieser Marschroute fest – und er kam tatsächlich noch vor der Pause zurück ins Spiel. Jogi Bitter hielt ebenso glänzend wie sein Gegenüber Andreas Palicka. Simon Baumgarten traf in seinem vierten Versuch zum 9:13 (21.) und dann zum 11:15 (23.). Die Löwen hatten derweil ihren zweiten Siebenmeter verworfen, und nach einem Treffer von Tobias Schimmelbauer und einem Konter von Bobby Schagen zum 13:15 (27.) war der TVB wieder in Sichtweite. Der 5:1-Lauf und der Halbzeitstand von 14:16 machten Mut für die zweiten 30 Minuten.
Die indes begannen denkbar ungünstig für das Heimteam. Der Meister bestrafte die haarsträubenden Fehler des TVB und legte zum 19:15 vor (36.). Gudjon Valur Sigurdsson traf beim 21:16 zum achten Mal ins leere Tor (40.). Der TVB ließ sich dadurch aber nicht beirren und kämpfte weiter. Allerdings ließ der Deutsche Meister immer wieder seine individuelle Klasse aufblitzen. Der überragende Andy Schmid setzte seine Mitspieler prächtig in Szene, beim 25:19 schien die Partie bereits 15 Minuten vor dem Ende durch.
Doch auch beim TVB spielte sich nun der Regisseur in den Mittelpunkt: Weil von den Halbpositionen – von Can Celebi abgesehen –, nicht mehr viel kam, übernahm Kraus die Verantwortung. Nach seinem Knaller zum 23:26 (49.) kam Hoffnung auf bei den Fans. Allerdings nur kurz: Nach einer Zeitstrafe gegen Teo Coric machten die Löwen ernst und zogen scheinbar leicht auf 32:25 davon (55.). Am Ende zauberten sie noch ein bisschen und kamen zum deutlichen 35:27-Erfolg.
„Wir haben alles probiert“, sagte der TVB-Trainer Markus Baur nach dem Spiel. „Das Ergebnis ist in etwa so, wie es viele erwartet haben.“ Entscheidend seien die ersten Minuten nach der Pause gewesen. „Schade, dass es am Ende so deutlich wurde. Es wäre mehr drin gewesen. Aber es zeigt auch die Qualität der Löwen.“
TVB 1898 Stuttgart: Jerkovic, Bitter; Schimmelbauer (1), Lobedank, Weiß (5), Schagen (3/2), Schweikardt, Kraus (10), M’Bengue (1), Coric, Baumgarten (3), Kretschmer, Orlowski (1), Celebi (3).
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Palicka (1); Schmid (3), Sigurdsson (9), Manaskov, Baena (1), Larsen, Pekeler (4), Groetzki (6), Abt, Reinkind, Guardiola (4), Petersson (3), Ekdahl du Rietz (4).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW