Nicht nur Spalier stehen für die Löwen

Sollte der Deutsche Meister Rhein-Neckar Löwen an diesem Mittwoch seine Normalform mit nach Stuttgart bringen, dürfte auch der wildeste Auftritt der „Wild Boys“ kaum zur Überraschung reichen. Sollten die Löwen indes wider Erwarten schwächeln, möchte der TVB-Trainer sein Team bestens präpariert haben. „Wir müssen bereit sein, alles reinzuschmeißen“, sagt Markus Baur.

Die unglückliche Niederlage gegen Magdeburg und der schwächste Saisonauftritt in Melsungen haben den Bittenfeldern ein klein wenig aufs Gemüt geschlagen: In der Tabelle und punktemäßig nähert sich der TVB allmählich der ungemütlichen Zone. Und die Chancen, sich im Oktober noch Luft zu verschaffen, stehen nicht sonderlich gut angesichts der bevorstehenden Aufgaben gegen die Rhein-Neckar Löwen an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) in der Scharrena und am Sonntag in einer Woche in Leipzig.

Allen voran in den jüngsten beiden Ligaspielen zeigten die Löwen, weshalb sie in der vergangenen Saison die Meistertrophäe nach Mannheim geholt haben. Beim 27:20-Erfolg in Gummersbach führten sie nach fulminanten ersten 30 Minuten mit 15:6. Beim 35:26 gegen FA Göppingen zerlegten sie den Gegner nach dem 16:16-Pausenstand binnen weniger Minuten.

Da bekamen nicht nur die Göppinger Schwindelgefühle, auch der Sportliche Leiter des Siegers war ein bisschen durcheinander. „Wenn Palicka dann noch so einen Tag hat, gewinnt man ein Spiel auch in dieser Höhe“, sagte Oliver Roggisch – und korrigierte sich auf den Hinweis seines Trainers Nicolaj Jacobsen. „Entschuldigung, Appelgren.“

„Die Löwen können ohne Qualitätsverlust rotieren“

Mit dem schwedischen und dänischen Nationaltorhüter haben die Löwen eines der besten Torhütergespanne der Liga und sind nicht nur auf dieser Position exquisit besetzt. Auch wenn der Kader im Vergleich mit den anderen beiden Titelkandidaten SG Flensburg-Handewitt und THW Kiel nicht ganz so breit ist: Für zwei nahezu gleich starke Formation reicht es immer noch. „Die Löwen können ohne Qualitätsverlust rotieren“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Das ist ihr großer Vorteil.“

Der Erfolgsgarant ist in der Regel die Deckung mit dem Mittelblock Gedéon Guardiola/Hendrik Pekeler, der sich sehr gut mit seinen Nebenleuten auf den Halbpositionen versteht. Zudem beherrschen die Löwen sowohl die defensive 6:0- als auch die offensive Abwehr.

Kopf des Angriffsspiels ist Andy Schmid. Der extrem torgefährliche Schweizer Nationalspieler ist derzeit der wohl weltbeste Mittelmann. Ihm zur Seite stehen auf der linken Seite die wurfgewaltigen Kim-Ekdahl du Rietz und Mads Mensah Larsen, rechts Alexander Pettersson und Harald Reinkind.

Hoffnung auf einen schlechten Tag des Meisters

Prominent und mit unterschiedlichen Spielertypen besetzt ist der Kreis mit Hendrik Pekeler und der „spanischen Walze“ Rafael Banea. Auf dem rechten Flügel wirbelt Patrick Groetzki, sein Pendant ist der Gensheimer-Nachfolger Gudjon Valur Sigurdsson. Dass die beiden schnellen Außen sehr konterstark sind, versteht sich von selbst. Für den TVB bedeutet dies: So viele leichtfertige Ballverluste und technische Fehler wie in Melsungen darf er sich nicht erlauben, sonst gibt’s ein böses Erwachen.

„Wenn die Löwen einen Top-Tag erwischen und wir auch, dann wird es trotzdem nicht reichen für uns“, sagt Baur. „Gegen diesen Gegner kann man nicht alles beeinflussen.“ Es bleibt die Hoffnung auf einen schlechten Tag des Meisters – und darauf, dass seine Spieler an die Leistungen der ersten sieben Spiele anknüpfen. Die Einstellung und Bereitschaft, alles zu geben, seien die Grundvoraussetzung dafür, die kleine Chance zu wahren.

„Das Spiel in der ausverkauften Halle gegen den Meister ist eine schöne Aufgabe für uns“, sagt Baur. „Das heißt aber nicht, dass wir es nur genießen möchten.“ Selbst wenn es mit der Sensation nichts werden sollte: Einen ordentlichen und mutigen Auftritt möchte der Coach auf alle Fälle sehen. „Wir werden an unsere Grenzen kommen, und gerade in solchen Spielen können wir einiges dazulernen.“

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW