Nachbericht zur Niederlage in Melsungen

Gegen den THW Kiel und die Füchse Berlin hat sich der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart trotz der Niederlagen sehr gut präsentiert. Eine weniger gute Figur dagegen gab er beim dritten Top-Team ab: Nach dem 25:37 bei der MT Melsungen muss der Trainer Markus Baur sein Team schnell wieder in die Spur bringen. Am Mittwoch gibt sich der Meister Rhein-Neckar Löwen die Ehre.

Mit dem 26:23-Sieg beim Aufsteiger HSC Coburg war der TVB nach sechs Partien mit 6:6 Punkten auf Rang sechs der Tabelle geklettert. Optisch war das durchaus eine schöne Geschichte, und womöglich hat der eine oder andere schon zu träumen begonnen. Die Verantwortlichen des TVB freuten sich zwar auch über den guten Saisonstart, erinnerten aber beharrlich an das einzige Saisonziel: den Ligaverbleib. Schließlich lagen nach dem sechsten Spieltag lediglich drei Zähler zwischen dem TVB und dem ersten Abstiegsplatz. Seit Sonntag nun ist das Polster durchgesessen: Nach Verlustpunkten liegt das Team von Trainer Markus Baur gleichauf mit dem TBV Lemgo, der mit einem Spiel in Verzug ist und den 16. Rang einnimmt.

Konnten nicht dagegenhalten

Dass die Melsunger von einem anderen Kaliber sein würden als der jüngste Auswärtsgegner Coburg, war den Verantwortlichen des TVB vor der Partie in der mit über 4000 Fans sehr gut gefüllten Kasseler Rothenbach-Halle klar. Die große Frage im Vorfeld war, wie gut die MT dem Druck standhalten würde, der nach 4:10 Punkten und dem missratenen Saisonstart auf den Schultern der Spieler lastete.

Die Antwort folgte ziemlich schnell: sehr gut. Nach einer kurzen Anfangsnervosität war das Team von Trainer Michael Roth eindeutig Herr im Hause und knüpfte an die starken Leistungen aus der vergangenen Saison an, in der es ebenso überraschend wie verdient den vierten Tabellenplatz belegt hatte.

Für den Sportlichen Leiter des TVB gab es nach dem Spiel auch nicht viel schönzureden. „Das war eine super Leistung der MT“, sagte Günter Schweikardt, der bei der Pressekonferenz für den erkrankten Geschäftsführer Jürgen Schweikardt den Platz neben dem Trainer Markus Baur einnahm. „Uns ist es von Anfang an nicht gelungen, dagegenzuhalten.“

Matchplan ging nicht auf

Der Matchplan des TVB ging nicht auf. „Wir wussten, dass die Melsunger wie verrückt loslegen würden, da hätten wir parat sein müssen“, sagte Markus Baur mit einem Tag Abstand. Mit zunehmender Dauer, bei engem Spielstand, hätten die Chancen für sein Team steigen sollen. Allerdings lag der TVB zur Halbzeit bereits mit sechs Toren im Hintertreffen – wobei Baur den Gegner bis zu diesem Zeitpunkt „höchstens zwei, drei Tore besser“ sah. Seine Spieler hätten ein paar Bälle leichtfertig weggeworfen und auch ein bisschen Pech gehabt.

Die Ballverluste und technischen Fehler setzten sich im zweiten Spielabschnitt fort. Im gleichen Maße, wie die Melsunger an Sicherheit gewonnen hätten, sei bei seinem Team das Vertrauen abhandengekommen, sagt Baur. Irgendwann auch im Spiel 7:6, das in den Partien zuvor ein probates Mittel gewesen war. Am Ende hatte der TVB keine Chance mehr auf ein ordentliches Resultat, auch wenn der Kampfgeist und die Einsatzbereitschaft stets vorhanden waren. „Solche Spiele gibt es, es war quasi ein Aussetzer des gesamten Teams“, sagt Baur. „Aber es ist besser, es spielen einmal alle gleichzeitig schlecht als immer mal wieder einer.“

Der nächste Gegener wartet am Mittwoch

So gesehen, war die Analyse nach dem Melsungen-Spiel recht einfach – und schon am Montag beschäftigte sich der Trainer mit dem nächsten Gegner. Auch natürlich, weil die nächste Hammer-Aufgabe auf den TVB bereits an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) in der ausverkauften Scharrena wartet. Gegen die Rhein-Neckar Löwen werde sich der TVB, da war sich auch Günter Schweikardt direkt nach der Niederlage in Melsungen sicher, wieder besser präsentieren.

Das wird auch nötig sein. Nicht nur, weil der Deutsche Meister gastiert. Der TV-Sender Sport 1 überträgt das baden-württembergische Derby live. Grund genug also, eine gute Figur abzugeben.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW