TVB möchte kein Aufbauhelfer sein

Die Liga spielt verrückt – und der kommende Gegner des TVB 1898 Stuttgart hat seinen Anteil daran: Nach Rang vier im Vorjahr nimmt die MT Melsungen mit 4:10 Punkten den ersten Abstiegsplatz ein. Für den TVB-Trainer Markus Baur zählt Melsungen dennoch zu den besten fünf Teams der Liga.

Mutiert das Überraschungsteam der vergangenen Saison in dieser Spielzeit etwa zum Abstiegskandidaten? Kaum vorstellbar, auch wenn die Tabelle dies aktuell widerspiegelt. Panik scheint in Melsungen trotz des bescheidenen Saisonstarts nicht ausgebrochen zu sein. Zumindest geben sich die Verantwortlichen – noch – gelassen. Am Sonntag soll endlich die Trendwende eingeläutet werden mit einem Sieg im ersten von vier Spielen in Folge gegen die vermeintlichen Abstiegskandidaten TVB Stuttgart, TBV Lemgo, TSV GWD Minden und HBW Balingen-Weilstetten.

Die Kampfansage aus Melsungen war unter der Woche deutlich zu vernehmen. Einen ähnlich blutleeren Auftritt wie zuletzt in den ersten 30 Minuten in Leipzig dürften sich die Spieler von Michael Roth kaum ein zweites Mal leisten. Der Trainer fand bereits bei der Pressekonferenz nach der 20:23-Niederlage deutliche Worte – und forderte ein größeres Engagement und eine bessere Körpersprache.

Auf den TVB wartet also eine ziemlich undankbare Aufgabe. „Man kann es sich meistens nicht aussuchen“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur, der einen hochmotivierten und entschlossenen Gegner erwartet. „Melsungen hat sich den Start sicherlich anders vorgestellt“, sagt er. Nach dem vierten Rang in der vergangenen Saison und etlichen starken Auftritten waren die Melsunger mit großen Ambitionen in die neue Runde gestartet – und landeten äußerst unsanft auf dem Hintern.

Nahezu sensationell war die 20:25-Auftaktniederlage in eigener Halle gegen den Aufsteiger HSC Coburg – und es kam noch schlimmer: Auch gegen den zweiten Neuling, den HC Erlangen, gab’s nichts zu holen beim 25:29. Anschließend berappelte sich Melsungen, auch wenn die Resultate nicht immer stimmten: 26:30 gegen den Meister Rhein-Neckar Löwen, 25:29 gegen den Vorjahres-Vize SG Flensburg-Handewitt. Ihre vier Punkte holten die Melsunger gegen den VfL Gummersbach (32:28) und FA Göppingen (31:27). Die jüngste 20:23-Pleite in Leipzig indes werteten die Verantwortlichen als Rückschritt. Sollte die MT nicht demnächst die Kurve kriegen, gerät das Saisonziel, die erneute Qualifikation für die Europapokalplätze, allmählich außer Sichtweite.

Michael Roth: „Wer unten ist, muss auch mal bereit sein, Dreck zu fressen.“

Die Sorgen und Nöte des Gegners interessieren den TVB-Coach nicht wirklich. „Wir müssen schauen, dass wir funktionieren“, sagt Markus Baur. „Damit haben wir genug zu tun.“ Mit den Leitungen seiner Spieler in den ersten sieben Partien kann Baur zufrieden sein. Gegen den einen oder anderen Punkt mehr auf dem Konto hätte er allerdings nichts einzuwenden. Der neunte Tabellenplatz ist jedenfalls mit Vorsicht zu genießen, schließlich sind’s lediglich zwei Zähler Abstand bis zum Abstiegsplatz. Und es vergeht kaum ein Spieltag, an dem keine Mannschaft aus den hinteren Regionen nicht einkalkulierte Punkte holt. So hat der bisher sieglose HBW Balingen-Weilstetten am Dienstag mit dem 30:27 gegen den TSV Hannover-Burgdorf die rote Laterne an die Coburger weitergereicht.

In der vergangenen Saison musste sich der TVB gegen Melsungen auswärts mit 26:30 und in der Scharrena mit 21:28 geschlagen geben. Personell wissen die Bittenfelder, was auf sie zukommt: Am Kader des Kontrahenten hat sich kaum etwas verändert. Aus Lübbecke holte der Club den Linkshänder Gabor Langhans. Weil der verletzungsbedingt ausfällt, verpflichtete Melsungen kurzerhand den estnischen Nationalspieler Dener Jaanimaa aus Kiel.

Mit dem schwedischen Nationalspieler Johan Sjöstrand hat die MT einen der besten Bundesligakeeper, nationalmannschaftserfahren sind der Rechtsaußen Johannes Sellin und der Linksaußen Michael Allendorf. Durchweg mit aktuellen oder ehemaligen Auswahlspielern bestückt ist der Rückraum mit den Müller-Zwillingen Philipp und Michael, Momir Rnic, Patrik Fahlgren, Timm Schneider und Nenad Vuckovic sowie der Kreis mit Felix Danner und Marino Maric. Prunkstück der MT ist die physisch sehr starke Abwehr um den Mittelblock Danner/Philipp Müller.

Der TVB wird mit unverändertem Team anreisen. Vio Fotache fällt weiter aus. Tobias Schimmelbauer, der sich gegen Magdeburg einen Pferdekuss zugezogen hat, dürfte dagegen einsatzbereit sein. Und Djibril M’Bengue zumindest phasenweise.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW