Nachbericht zum Spiel

Direkt nach der unglücklichen 31:32-Niederlage gegen den SC Magdeburg am Freitag waren die Emotionen beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart hochgekocht. Im Fokus der Kritik standen die Schiedsrichter. „Wir schauen wieder nach vorne“, sagt der Trainer Markus Baur mit zwei Tagen Abstand. In Melsungen darf sich der TVB auf einiges gefasst machen.

Nach dem Spiel gegen den SC Magdeburg wurden reichlich Komplimente und Lob verteilt. Der Vorjahresaufsteiger TVB 1898 Stuttgart hatte den Deutschen Pokalsieger am Rande einer Niederlage, die Zuschauer sorgten für einen würdigen Rahmen. „Die Stimmung in der Halle war in der zweiten Halbzeit mit das Beste, was ich hier erlebt habe“, sagte der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt bei der Pressekonferenz.

Andere kamen nicht so gut weg bei der Bewertung: Im Mittelpunkt der Kritik standen die Schiedsrichter Michael Kilp und Christoph Maier. „Die eine oder andere Entscheidung war für mich schon hanebüchen“, sagte der TVB-Trainer Markus Baur kurz nach Spielschluss noch auf dem Feld.

Auch bei der anschließenden Pressekonferenz war der Auftritt der Unparteiischen natürlich ein Thema. „Es ist schade, dass wir zu viel über Leute sprechen, die wichtig sind für unseren Sport, die aber nicht dazu beitragen sollten, das Spiel zu prägen und zu entscheiden“, sagte Baur. „Das sollten die Mannschaften auf dem Feld machen.“

„Auch das Rückzugsverhalten war dieses Mal nicht ganz so gut.“

Baurs Trainerkollege dagegen zeigte sich erleichtert nach dem ersten Auswärtssieg seines Teams in dieser Saison. „Es war ein Krimi, es war ein Spiel mit Emotionen, Herzblut und Kampfgeist“, sagte Bennet Wiegert. „Es hatte alles, wofür ich diesen Sport liebe.“ Allerdings, so der Coach weiter, sei er Realist. „Es war ein glücklicher Sieg für uns.“

Da wollte Markus Baur auch drei Tage später nicht widersprechen. Der Ärger über die verpasste Chance, einem Top-Team die Punkte abzuknöpfen, und darüber, dass höhere Gewalt einen wesentlichen Einfluss aufs Resultat hatte, war zwar immer noch zu spüren. „Wir dürfen aber auch nicht alles an den Schiedsrichtern festmachen“, so Baur. „Wir werfen zu Hause 31 Tore und gewinnen trotzdem nicht.“ Anders ausgedrückt: Die Defensive habe nicht ganz so stabil gestanden wie in den Spielen zuvor. 19 Gegentreffer im zweiten Spielabschnitt seien ein paar zu viel. „Auch das Rückzugsverhalten war dieses Mal nicht ganz so gut.“

Zudem erwischte der Magdeburger Torhüter Jannick Green einen Glanztag. Er fischte sich – vor allem in der Schlussphase – die eine oder andere Großchance des TVB. Den Sieg sicherte der Däne Sekunden vor dem Ende, als er bei einem Wurf von Dominik Weiß die Flugbahn erahnte. „Es war Instinkt“, ließ sich Green auf der Homepage des SCM zitieren. Bei der Spielvorbereitung habe er gesehen, dass Weiß „gerne lang und flach“ werfe. „Da bin ich in die Ecke gegangen.“ Zuvor bereits hatten Greens Mitspieler die Fehler des TVB eiskalt zu Toren genutzt. „Das unterscheidet vielleicht ein Spitzenteam von uns“, sagt Baur. „Da sind wir noch nicht so weit.“

Verrückte Liga: Die Abstiegskandidaten punkten

Noch nicht bei hundert Prozent sind auch die beiden etatmäßigen Linkshänder im rechten Rückraum. Djibril M’Bengue wirkt aufgrund seiner Patellarsehnen-Probleme gehemmt. Und von Felix Lobedank dürfen im zweiten Spiel nach über sechs Wochen Pause keine Wunderdinge erwartet werden.

Da traf es sich gut, dass der Neuzugang Can Celebi mit einem forschen Auftritt in der Abwehr und im Angriff überraschte. „So wünscht man sich sein Heim-Debüt“, sagt Markus Baur. Dass ein Sieg für den TVB Gold wert gewesen wäre, zeigten die restlichen Resultate: Der Neuling TSV GWD Minden holte sich beim 24:23 gegen den starken Mitaufsteiger HC Erlangen die Punkte vier und fünf. Der Bergische HC nahm beim 26:26 einen Punkt aus Göppingen mit. Damit trennen den TVB lediglich zwei Punkte von einem Abstiegsplatz. „Ich schaue nicht permanent auf die anderen Ergebnisse und die Tabelle“, sagt Baur. „Da würde ich mich nur reinsteigern.“ Zudem sei’s ja nicht zu beeinflussen. Im Blick sei nun die nächste Aufgabe – und die hat es in sich: Melsungen unterlag in Leipzig und ist nun auf einen Abstiegsrang abgerutscht. Es ist davon auszugehen, dass der MT-Trainer Michael Roth seinem Team bis Sonntag ordentlich den Marsch blasen wird.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW