TVB im Pech

Nur knapp hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart eine weitere Überraschung verpasst. Vor 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena unterlag der TVB gestern nach einer erneut starken Vorstellung dem SC Magdeburg unglücklich mit 31:32 (15:13). Zu schaffen machten dem TVB der SCM-Keeper Jannick Green, Michael Damgaard – und die Schiedsrichter.
Es war wieder einmal ein nervenaufreibendes, spannendes und kampfbetontes Spiel, in dem der TVB zweifelsfrei mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte. Am Ende haben Nuancen den Ausschlag gegeben zugunsten des DHB-Pokalsiegers – wobei die Magdeburger an der Leistung der Schiedsrichter Michael Kilp und Christoph Maier sicherlich nicht viel auszusetzen hatten.
Die Fans auf den Rängen und die Spieler und Verantwortlichen des TVB indes schon. Unstrittig ist, dass Kilp und Maier in kniffligen Situationen in schöner Regelmäßigkeit zugunsten der Gäste entschieden. Inwieweit dies spielentscheidend war, sei dahingestellt. Der TVB haderte jedenfalls gewaltig.
Zunächst jedoch trat die Spielleitung nicht in Erscheinung – dafür der TVB. Mit großem Selbstbewusstsein nach den jüngsten Auftritten ausgestattet, legte das Heimteam gewaltig los. Die aufmerksame Deckung klaute den Magdeburgern immer wieder den Ball – und dann ging’s ganz flott. Michael Schweikardt, Bobby Schagen und zweimal der gute Dominik Weiß jagten dem SCM-Torhüter Dario Quenstedt die Bälle um die Ohren. Nach sechs Minuten stand es 4:0.
In diesem Stil machte der TVB bis zum 7:3 weiter, ehe der Gäste-Trainer Bennet Wiegert mit einer Auszeit das forsche Heimteam zu bremsen versuchte. Während Wiegert 55 Minuten lang seinem Rückraum mit Michael Damgaard, Marko Bezjak und Mads Christiansen vertraute, war für Quenstedt nach zehn Minuten Schluss. Der eingewechselte Jannick Green, dessen Einsatz wegen einer Rückenverletzung bis kurz vor dem Anpfiff ungewiss war, erwies sich als Glücksgriff für den SCM. Dank seiner Paraden fanden die Gäste ins Spiel.
Der in den ersten 30 Minuten gute Linkshänder Christiansen sorgte – nach einem 5:1-Lauf – beim 9:9 nach 20 Minuten für den ersten Ausgleich. Anlass genug für den TVB-Trainer Markus Baur, die Grüne Karte zu legen. Schließlich hatten es seine Spieler im Positionsangriff gegen die physisch starken Magdeburger schwer.
Nicht so richtig anfreunden konnte sich der TVB auch mit der Spielleitung. Zweimal verwehrte sie ihm einen klaren Siebenmeter, einmal stoppte ein Magdeburger einen TVB-Konter regelwidrig, ohne dafür bestraft zu werden. Hinzu kamen eigene Missgeschicke wie der Wechselfehler, nachdem sich das Heimteam beim 11:9 gerade wieder einen Vorteil verschafft hatte. Es lief irgendwie unglücklich – und trotzdem blieb der TVB in Führung. Einen sehr guten Einstand feierte dabei die Neuverpflichtung Can Celebi: Er zeigte sich flink in der Defensive und mit gutem Auge für seine Mitspieler. Der starke Simon Baumgarten verwertete ein tolles Anspiel des Türken zum 15:12, Robert Weber verkürzte zum 15:13-Pausenstand.
Der dänische Nationalspieler Michael Damgaard, im ersten Spielabschnitt eher blass, setzte sich nun nach und nach in Szene. Der 14:15-Anschlusstreffer war erst sein drittes Tor, am Ende der Partie standen zehn Tore auf dem Zettel. Er fand häufig die Lücken in der nicht immer kompakten TVB-Deckung.
Trotzdem mühten sich die Gäste vergebens. Der TVB fand stets eine Antwort und gab die Führung zunächst nicht ab. Celebi, der nun den Vorzug vor Djibril M’Bengue und Felix Lobedank erhielt im rechten Rückraum, besorgte das 18:16 (35.) und 21:17 (38.). Das Heimteam hatte die Partie im Griff.
Die Magdeburger zeigten Nerven: Weber legte beim 22:19 einen Siebenmeter über den Kasten des guten Jogi Bitter (42.), Teo Coric traf zum 23:19. Im Anschluss schickten Kilp und Maier die TVB-Spieler Tobias Schimmelbauer und Celebi kurz hintereinander auf die Strafbank, der SCM verkürzte auf 21:23 (45.).
Michael Kraus legte mit einem Gewaltwurf zum 24:21 nach, Coric zum 25:22. Nach zwei Strafwurftoren und einem Damgaard-Treffer war’s passiert: Beim 25:25 (50.) hatten die Gäste nach langer Zeit wieder auf Gleichstand gestellt – und nutzte eine kurze Schwächephase des TVB zur 27:25-Führung (53.).
Das Baur-Team kämpfte weiter verbissen, scheiterte nun aber immer wieder am stark reagierenden Green. Dennoch hatte es die Chance, wenigstens einen Punkt in der Scharrena zu behalten. Weiß verkürzte auf 30:31 (58.), ehe Lobedank eine umstrittene Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste. Celebi behielt bei einem Konter die Nerven und vollendete zum 31:31-Ausgleich. Eine Minute vor der Schlusssirene parierte Bitter einen Wurf, doch die Schiedsrichter entschieden auf Strafwurf. Den nutzte Weber zum 32:31.
Dem TVB blieb zwar noch Zeit zum Remis, aber in eine ordentliche Wurfposition kam er nicht mehr. Green war beim finalen Versuch von Weiß auf dem Posten und rettete seinem Team den ersten Auswärtssieg in dieser Saison.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer, Lobedank (1), Weiß (7), Schagen (5/3), Schweikardt (5), Kraus (4), M’Bengue, Coric (2), Baumgarten (4), Kretschmer, Orlowski, Celebi (3).
SC Magdeburg: Green, Quenstedt; Musa (3), van Olphen (1), Pettersson, Bagersted (1), Christiansen (3), Bezjak, Weber (10/5), Damgaard (10), Zelenovic (1), Lemke, Musche (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW