TVB will den Club-Weltmeister fordern

Fünf Tage nach dem beeindruckenden 30:20 gegen Hannover geht’s für den TVB 1898 Stuttgart an diesem Mittwoch bei den Füchsen Berlin schon weiter. Der Club-Weltmeister ist zusammen mit der SG Flensburg-Handewitt als einziges Team der Liga verlustpunktfrei. Als Touristen indes möchten der TVB-Trainer Markus Baur und sein Team nicht in die Hauptstadt reisen.

Auch wenn der TVB in den höchsten Tönen gelobt worden ist für seinen überzeugenden Auftritt gegen den TSV Hannover-Burgdorf: Es gibt keinen Grund für die Spieler von Trainer Markus Baur, nach vier Spielen und 4:4 Punkten dicke Backen zu machen. Dafür ist die Saison erstens noch viel zu jung. Und zweitens senden die vermeintlichen Abstiegskonkurrenten immer wieder deutlich vernehmbare Lebenszeichen. Der 22:20-Sieg des bis dato verlustpunktfreien Bergischer HC bei der HSG Wetzlar, die am zweiten Spieltag immerhin den THW Kiel bezwungen hatte, war mindestens ebenso überraschend wie der Erfolg des TVB.

Andererseits wäre allzu viel Ehrfurcht auch nicht angebracht. In der vergangenen Saison verlor der TVB zwar die Duelle mit den Berlinern deutlich mit 20:26 und 24:32. Doch vor allem in Berlin hatten die Füchse zu kämpfen, acht Minuten vor dem Ende führten sie lediglich mit 20:19.

Am Sonntag bezwang das Team von Trainer Erlingur Richardsson den HBW Balingen-Weilstetten mit 31:20. Klar überlegen indes waren die Füchse nicht über 60 Minuten hinweg, in der 45. Minute stand es gerade einmal 17:15 – was Bob Hanning nicht besonders schmeckte. So war der Füchse- Manager nur mit dem Ergebnis zufrieden. „Nicht alles, was glänzt, ist Gold“, sagte er.

Die Ansprüche sind hoch in der Hauptstadt. Nach dem fünften Platz in der vergangenen Saison soll’s in der neuen Spielzeit mindestens wieder ein Platz sein, der für den internationalen Wettbewerb berechtigt. Der eine oder andere Trainer traut den Füchsen mehr zu – der Balinger Coach Runar Sigtryggsson sogar den Titel.

Auch der TVB-Trainer Markus Baur ist überzeugt davon, dass der kommende Gegner das Zeug dazu hat, „die größte Überraschung in dieser Bundesliga-Saison zu werden und unter die ersten drei zu kommen“. Die Berliner hätten sich mit Steffen Fäth (HSG Wetzlar) im Rückraum und Kresimir Kozina (SG Flensburg-Handewitt) am Kreis gezielt verstärkt. „Der Kader muss sich vor dem der anderen Spitzenteams der Liga nicht verstecken“, sagt Baur.

Im Tor steht mit Silvio Heinevetter und Petr Stochl eines des besten Duos der Liga. Durchweg mit aktuellen deutschen Nationalspielern – Paul Drux, Steffen Fäth und Fabian Wiede – ist der Rückraum bestückt. Vervollständigt wird dieser Mannschaftsteil mit den Nationalspielern Petar Nenadic (Serbien), Drago Vukovic, Jakov Gojun (beide Kroatien) sowie Kent-Robin Tönnesen (Dänemark). Letzterer jedoch wird den Füchsen wegen eines Muskelbündelrisses an der Wade in den nächsten Wochen fehlen. Ebenso wie der Rechtsaußen Hans Lindberg, der dänische Auswahlspieler hat Probleme mit dem Zeh.

Dass Lindbergs Ausfall angesichts seines Vertreters, dem schwedischen Nationalspieler Mattias Zachrisson, nicht allzu sehr ins Gewicht fallen dürfte, zeigt die Qualität des Kaders. Auf der anderen Außenposition ist Berlin mit Bjarki Elisson und Kevin Struck ebenso stark besetzt.

Die großen Erwartungen fütterten die Füchse mit der überraschenden Verteidigung des Vereinsweltmeister-Titels. Im Finale in Doha bezwangen sie das Star-Ensemble aus Paris St. Germain – unter anderem mit Uwe Gensheimer, Mikkel Hansel und Nikola Karabatic – mit 29:28. In der Liga ließ Berlin beim 27:22 in Wetzlar, 36:26 gegen Minden, 31:20 beim Bergischen HC und 31:20 gegen Balingen nichts anbrennen. Ligaübergreifend ist der Bittenfelder Gegner seit neun Spielen ungeschlagen.

Es wartet also eine knackige Aufgabe auf den TVB. „Vor vielleicht 6000 oder 7000 Zuschauern in einer tollen Halle gegen den Tabellenzweiten zu spielen: Das ist doch ein Riesen-Event für uns“, sagt Markus Baur. Dafür lohne es sich zu kämpfen. „Wir möchten mit Spaß an die Sache rangehen und Berlin fordern.“

Finn Kretschmer, der nach seiner Zahn-Operation am Dienstag die Fäden gezogen bekam, hat wieder trainiert und wird in den Kader zurückkehren. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Die Bittenfelder müssen weiter ohne Vio Fotache und Felix Lobedank auskommen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW