Nachbericht zum Spiel gegen Hannover

TVB 1898 Stuttgart. Das 30:20 gegen den TSV Hannover-Burgdorf ist erst der sechste Sieg des TVB 1898 Stuttgart in der 1. Handball-Bundesliga gewesen. Der höchste und zugleich überzeugendste. „Leider gibt ein Sieg mit zehn Toren auch nur zwei Punkte“, sagte der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt direkt nach dem Spiel. Ein spezieller Abend aus Sicht der Bittenfelder war’s trotzdem.

Das wäre doch ein guter Vorschlag für die nächste Regelreform in der Handball-Bundesliga: Für besonders tolle Darbietungen und Demütigungen des Gegners gibt’s künftig Bonuspunkte auf dem Konto gutgeschrieben. So hätte der TVB mehr als jene vier, die er aus seinen ersten vier Partien gegen den THW Kiel, Bergischen HC, HC Erlangen und TSV Hannover-Burgdorf gehamstert hat. Und sie brächten den TVB ein gutes Stück voran auf dem vermutlich steinigen Weg zum Ligaverbleib.

Der Haken an der Sache: Die vermeintlichen Abstiegskonkurrenten setzen ebenfalls das eine oder andere Ausrufezeichen. So holte sich der bis dato punktlose Bergische HC am Wochenende beim 22:20 in Wetzlar überraschend die Punkte. Der Aufsteiger HC Erlangen düpierte FA Göppingen mit 24:22 in dessen Halle und holte sich den dritten Sieg. Diese Resultate dürften ein Beleg dafür sein, dass die Liga in dieser Saison extrem ausgeglichen ist. Umso bedeutender sind Erfolge wie jener des TVB gegen Hannover.

Die Partie war überraschend nervenschonend

Erst zum sechsten Mal überhaupt bejubelten die Bittenfelder Fans einen doppelten Punktgewinn ihres Teams in der 1. Liga. In der Aufstiegs-Saison gab’s das 28:26 gegen den SC DHfK Leipzig, das 25:24 beim HBW Balingen-Weilstetten, das 25:23 gegen den Bergischen HC und das 28:27 gegen den TBV Lemgo. Allesamt waren es enge Spiele. Die Partie gegen den Vorjahressiebten am Freitag dagegen war überraschend nervenschonend.

Auch für den Geschäftsführer des TSV Hannover-Burgdorf übrigens. „Für mich war’s am Schluss eine recht entspannte Situation“, sagte Benjamin Chatton bei der Pressekonferenz nach dem Spiel und übte sich in Galgenhumor. Er habe sich ja angesichts des Spielverlaufs lange auf das Ergebnis vorbereiten können. „Richtig sauer“ sei er nur auf Jürgen Schweikardt und Markus Baur. „Da fährt man so viele Kilometer hierher und wird dann so abgewatscht. Das geht eigentlich nicht.“

Ziemlich bedient war auch der Trainer der Hannoveraner. Der ehemalige TVB-Kreisläufer Jens Bürkle hatte sich seine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte ganz anders vorgestellt. „Das war, wie der Schwabe sagen würde, erdament“, so Bürkle. Auf Deutsch: mehr als miserabel.

Für Bürkles Trainerkollegen dagegen war’s ein Freudentag. „Die Mannschaft hat das richtig gut gemacht“, sagt Markus Baur. Wobei der Coach auch in den drei Spielen zuvor bereits sein Team auf dem richtigen Weg gesehen hat. „Wir haben in allen Partien eine ordentliche bis gute Abwehr gestellt“, sagt er. Gegen Hannover, und das sei der große Unterschied gewesen, habe sein Team auch im Angriff sehr diszipliniert gespielt und nur wenige Gegenstöße zugelassen. „Und wenn doch, dann war der Jogi da.“

Es lohnt sich, 60 Minuten lang Gas zu geben

Der überragende Bitter hat den TVB im Spiel gehalten, als er in den zweiten 30 Minuten einen kurzen Durchhänger hatte und es vorne nicht mehr so richtig flutschte. „Da hatten wir auch das Glück des Tüchtigen“, sagt Baur. Allerdings auch eine große Portion Kampfgeist. Die Defensive hatte vor allem den gefährlichen Hannoveraner Rückraum mit Kai Häfner, Mait Patrail, Fabian Böhm, Runar Karason und Morten Olsen sehr gut im Griff. „Wir hatten uns gut eingestellt und wussten, was kommt“, sagt Markus Baur. „Trotzdem hätte es für uns vermutlich nicht gereicht, wenn Hannover einen guten Tag erwischt hätte.“

So nutzte der TVB die Gunst der Stunde und schickte den Gegner mit einer deftigen Packung nach Hause. „Wichtig war, dass meine Spieler gesehen haben, es lohnt sich, 60 Minuten lang Gas zu geben.“ Lohn nach vier Spielen sind ein ausgeglichenes Punktekonto und der neunte Tabellenplatz. Eine schöne Momentaufnahme, die am Mittwoch aber schon wieder Geschichte sein könnte: Es geht zum Vereinsweltmeister Füchse Berlin, dem zusammen mit Flensburg einzigen noch verlustpunktfreien Team der Liga.

Bei diesem Gegner erübrigt sich für Baur die Frage, ob der hohe Sieg gegen Hannover dem einen oder anderen seiner Spieler womöglich zu Kopf gestiegen sein könnte. „Wenn das der Fall sein sollte, werden meine Spieler schon sehen, was passiert.“

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW