Sieg gegen Hannover – Spielbericht

Was war das für eine famose Show: Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart spielte sich gestern in einen Rausch und schickte den TSV Hannover-Burgdorf mit einer 30:20-Klatsche (18:14) auf die Heimreise. Die 2251 Fans in der ausverkauften Scharrena waren begeistert. Bestnoten verdienten sich Jogi Bitter und der zweite Fels in der Brandung, Dominik Weiß.
Mit Superlativen sollte sparsam umgegangen werden, doch der furiose Auftritt gestern Abend war wohl das Beste, was der TVB in der 1. Liga bislang auf die Platte gebracht hat. Das Team von Trainer Markus Baur zeigte in der Abwehr und im Angriff eine tolle Leistung – und das über 60 Minuten hinweg. Hannover war in nahezu allen Belangen unterlegen. Bereits in den ersten 30 Minuten fanden die Gäste kaum ein Mittel gegen die vom sehr starken Dominik Weiß glänzend organisierte Deckung. Im zweiten Spielabschnitt vernagelte der herausragende Jogi Bitter seinen Kasten. Nur sechs Treffer ließ er zu und blieb 15 Mal Sieger in den Duellen.
Hannover nur nicht in einen Lauf kommen lassen, hieß die Devise des TVB vor der Partie. Und das Heimteam startete sehr fokussiert. Zwei Treffer des Linksaußens Tobias Schimmelbauer konterte der Ex-Bittenfelder Kai Häfner zum 2:2 (5.). Der Europameister zeigte in diesen Situationen seine Klasse. Das überraschende indes war, dass der Linkshänder damit seine beste Szenen bereits hinter sich hatte. Die TVB-Deckung um Tobias Schimmelbauer und Dominik Weiß war glänzend auf Häfner eingestellt – wie auf den gesamten Rückraum der Hannoveraner. Weder Mait Patrail, noch Fabian Böhm oder Runar Karason kamen entscheidend zum Zug.
Dass der TVB eine kompakte Deckung stellen kann, hat er schon öfter bewiesen. Oft indes hakte es in der Offensive – gestern war dies nicht so. Der TVB, geschickt angeführt von Michael Kraus und Michael Schweikardt, spielte flüssig, variabel und war von allen Positionen torgefährlich. Beim 6:4 nach acht Minuten führte das Heimteam erstmals mit zwei Toren.
Hannover spielte seine Angriffe eher bedächtig, wartete auf die Lücken in der TVB-Deckung. Davon indes gab es nicht allzu viele. Und wenn dann doch ein Ball durchkam, war da ja noch Bitter. Der hatte sich nach der fünften Parade nach zwölf Minuten (8:6) auf Betriebstemperatur gebracht.
Weiß besorgte nach einer Viertelstunde beim 9:6 die erste Drei-Tore-Führung, nach dem 11:7 durch Schimmelbauer (17.) legte der Gästetrainer Jens Bürkle die Grüne Karte auf den Tisch.
Das Heimteam hatte jedoch weiterhin die besseren Szenen. Simon Baumgarten und ein Hammer von Kraus schraubten den Vorsprung auf 15:9 (22.). Erst der Torhüterwechsel beim TSV – Malte Semisch kam für Martin Ziemer –, zeigte Wirkung. Kraus & Co. wollten zu viel, Hannover hatte nun seine beste Phase und verkürzte durch Casper Mortensen auf 12:15 (25.). Zusammen mit dem anderen dänischen Olympiasieger, Morten Olsen, gehörte der Linksaußen zu den stärkten Hannoveranern. Nach einer kurzen Durststrecke kam der TVB konzentriert zurück und ging mit der verdienten 18:14-Führung in die Pause.
Zur Halbzeit waren die TVB-Fans schon oft zufrieden, allerdings verlor ihr Team nach dem Wechsel häufig die Kontrolle. Dieses Mal jedoch nicht. Der TVB-Coach Markus Baur wechselte klug durch, dabei feierte Marian Orlowski ein gelungenes Comeback. Die Bittenfelder ließen sich auch von der einen oder anderen merkwürdigen Schiedsrichterentscheidung und vergebenen Groß-Chance nicht aus dem Konzept bringen und hielten ihren Vorsprung.
Riesigen Anteil daran hatte der große Blonde im Tor: Bitter spielte im zweiten Spielabschnitt unglaublich. Die Hannoveraner Schützen trauten sich irgendwann gar nicht mehr zu werfen. Spätestens nach Djibril M’Bengues Treffer zum 24:16 (48.) glaubten die Fans an die Überraschung. Und sie bekamen noch das eine oder andere Sahnehäubchen geboten: Der TVB spielte sich in den finalen zehn Minuten in einen Rausch und demontierte Hannover mit 30:20.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer (4), Weiß (3), Schagen (4/1), Schweikardt (4), Kraus (5), M’Bengue (3), Coric (1), Baumgarten (4), Orlowski (2).
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Semisch; Johannsen (3/2), Mortensen (4/1), Patrail (1), Kisum, Hykkerud (1), Häfner (2), Böhm (1), Karason (1), Schmidt (1), Olsen (6), Hinz, Kastening.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW