Hannover kommt nach Stuttgart

Das letzte Heimspiel des TVB 1898 Stuttgart wurde ja am Ende noch einmal richtig spannend. Doch am 26:24 Erfolg der WILD BOYS gab es nichts zu rütteln. „Der Sieg war verdient“, räumte auch Gästetrainer Sebastian Hinze ein. „Wir haben um jeden Meter Boden gekämpft“, freute sich hingegen TVB-Coach Markus Baur über seinen ersten Bundesliga-Sieg mit den WILD BOYS, wobei vor allem der längere Zeit verletzt pausierende Djibril M’Bengue am Anfang für die Akzente sorgte.

Ein weiterer Aktivposten beim Sieger war Torhüter Johannes Bitter. „Wir haben das Torhüterduell gewonnen“, lobte Baur. Er sah, wie der gefeierte Torwart die Bälle reihenweise abwehrte und sich sogar als Sprinter erwies, um den Ball im Hechtsprung gerade noch von der Linie zu kratzen. Ebenfalls herausragend agierte beim TVB 1898 Stuttgart Rückraumriese Dominik Weiß, der vier Tore erzielte. Nicht seinen besten Tag erwischt hatte allerdings Michael „Mimi“ Kraus, der aber in der entscheidenden Phase Tobias Schimmelbauer zweimal mustergültig bediente und das wichtige Tor zum 22:19 Zwischenstand selbst erzielte. „Da hätte das Spiel noch kippen können“, gestand Baur.

Wesentlich besser machte es Michael „Mimi“ Kraus dann bereits am vergangenen Samstag in Erlangen, war mit acht Treffern bester Schütze seines Teams. An der 26:30 Niederlage konnte aber auch er nichts ändern. Ein verbissen kämpfender TVB 1898 Stuttgart war bis zum 23:23 in der 49. Spielminute auf Augenhöhe mit den Franken. Doch dann gelangen dem Gastgeber trotz doppelter Unterzahl zwei Treffer und auch Bobby Schagen verwarf einen Strafwurf. „Dies war der Knackpunkt“ räumte Markus Baur ein. Am Ende feierte der Aufsteiger aus dem Frankenland einen 30:26 Erfolg.

Ein Ausrufezeichen setzte die SG Flensburg-Handewitt am vergangenen Samstag in der Mannheimer SAP Arena. Das Team aus dem hohen Norden gewann beim Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen mit 21:17. Wie stark das Team von Trainer Ljubomir Vranjes in dieser Saison auftrumpft, bekam auch die TSV Hannover-Burgdorf am eigenen Leib zu spüren. Die Niedersachsen waren in der heimischen Swiss-Life Hall ohne Chance gegen den Vizemeister. Die heutigen Gäste hielten sich dann aber nur vier Tage später mit dem 25:23 beim heimstarken SC DHfK Leipzig schadlos. Ein Klassespiel lieferte die Mannschaft von Trainer Jens Bürkle, aus seiner aktiven Zeit in Bittenfeld bestens bekannt, am ersten Spieltag in Göppingen, gewann deutlich mit 34:23 am Hohenstaufen. Die Deutlichkeit des Erfolges hatte die Fachwelt überrascht. Es ist aber auch ein Zeichen der Stärke der Niedersachsen, die eine eingespielte Mannschaft haben. Mit Fabian Böhm, der vom HBW Balingen-Weilstetten an die Leine wechselte, musste Trainer Jens Bürkle lediglich einen Neuzugang einbauen. Damit hat die TSV Hannover Burgdorf ein bestens harmonierendes Team, was gerade am Anfang einer Saison ein großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz  ist. Allerdings müssen die Niedersachsen drei Monate auf Rückraumspieler Sven-Sören Christoffersen verzichten, der sich im Auftaktspiel in Göppingen eine Bänderverletzung am rechten Daumen zugezogen hat. Daneben kugelte sich Mait Patrail den kleinen Finger aus und muss wahrscheinlich auch einige Partien pausieren. Nach Platz 7 in der letzten Runde wollen die Recken erneut am Ende der Saison auf einem einstelligen Tabellenplatz ankommen. Und das wird ihnen nach Einschätzung der HANDBALLWOCHE auch souverän gelingen.

Bereits in der letzten Spielzeit bewiesen die WILD BOYS, dass sie sich davon nicht beirren lassen. Damals zeigte die Mannschaft ein überragendes Spiel und lag bei Halbzeit noch in Führung. Recken-Coach Bürkle musste sein Team zur Pause daran erinnern, dass diese Leistung nicht der Anspruch seines Teams sein könne. Im zweiten Abschnitt wurde es dann besser bei den Gästen und die Niedersachsen kamen zu einem standesgemäßen Erfolg in Stuttgart. Aber das Team der Gastgeber weiß jetzt, dass es auch mit einem „großen“ der Liga mithalten kann. „Wir müssen aber sehr diszipliniert spielen und die Konzentration über 60 Minuten hochhalten“, fordert Trainer Markus Baur. Mit der lautstarken Unterstützung der Zuschauer sollte dies gelingen. Dann könnte es trotz des Verletzungspechs beim TVB 1898 Stuttgart – Abwehrspezialist Viorel Fotache und Linkshänder Felix Lobedank fallen auf jeden Fall heute noch aus – zu einer großen Überraschung reichen.

Quelle: Joachim Gröser, TVB