HC Erlangen – ein gestandenes Erstliga-Team

TVB 1898 Stuttgart. Dem Handball-Erstligisten bleibt nicht viel Zeit, den ersten Saisonsieg zu genießen: Am Samstag geht’s zum Neuling HC Erlangen. „Das ist für mich kein Aufsteiger, sondern eine gestandene Erstligamannschaft“, sagt der TVB-Trainer Markus Baur. „Wir wollen unsere Qualitäten aus dem Heimspielen jetzt auch auswärts zeigen.“

Pleiten in Leipzig, gegen Gummersbach und am Mittwoch nun auch in Stuttgart: Die Bergischen Löwen reisten ziemlich frustriert in ihren Käfig zurück. Und sie haderten mit dem Schicksal. „Es war wie in der letzten Saison“, sagte der BHC-Spielmacher Alexander Oelze kurz nach dem Spiel. „Ohne den Stuttgartern nahetreten zu wollen: Jogi Bitter war der Grund, warum wir das Spiel hier verloren haben.“

So ganz falsch lag Oelze mit seiner Einschätzung nicht. Wie beim 25:23-Sieg im Februar an gleicher Stätte, so war Bitter auch nun beim 26:24 ein wichtiger Faktor. Wenn’s darauf ankam, war der Hüne zur Stelle – und nicht selten auf spektakuläre Art und Weise. So pflückte Bitter beim Siebenmeter einen Heber von Arnor Gunnarsson und blieb wiederholt bei freien Würfen Sieger. Und der 34-Jährige zeigte, dass er noch gut zu Fuß ist: Bei einem Wurf des Löwen-Keepers Bjöggi Gustavsson ins – vermeintlich – leere Tor erhechtete sich der von der Bank ins Gehäuse zurückeilende Bitter den Ball. Am Ende standen 17 Paraden auf dem Statistik-Zettel einer Partie, die einiges zu bieten hatte.

Nicht sicher ist, wie lange Marian Orlowski ausfallen wird

Beispielsweise prominent besetzte Stuhlreihen hinter den beiden Auswechselbänken. Die Gäste hatten lediglich vier Auswechselspieler zur Verfügung, weil sich zu den Langzeitverletzten Maciej Majdzinski und Fabian Gutbrod kurzfristig auch Kristian Nippes und Christian Hoße gesellten. Nicht kleiner waren die Sorgen beim TVB, bei dem Felix Lobedank, Vio Fotache und Marian Orlowski zuschauen mussten.

Schlimmer als befürchtet ist die Verletzung des rumänischen Abwehrstrategen. Zunächst war von einer Prellung ausgegangen worden, nach einer MRT lautet die Diagnose: Muskelbündelriss und rund sechs Wochen Pause. Nicht sicher ist, wie lange Orlowski ausfallen wird. Schmerzhaft ist die Muskelverletzung im Bereich der Rippen allemal. Im Rückraum hatte der TVB-Trainer Markus Baur damit nicht allzu viele Alternativen. Wenigstens meldete sich Djibril M’Bengue wieder einsatzbereit (siehe Artikel unten), und Dominik Weiß zeigte sich deutlich verbessert. Von der einen oder anderen weniger guten Aktion ließ sich der „Lange“ dieses Mal nicht beeindrucken und war in der Schlussphase der – zusammen mit Bitter – entscheidende Faktor: Mit mutigen Aktionen traf er zum 20:16, 24:20 und 25:21 und hielt damit die Löwen auf Abstand.

HC Erlangen gespickt mit Nationalspielern

Baur ist froh, dass sich sein Team die beiden Punkte geschnappt hat in einem Spiel, das sicher kein handballerischer Leckerbissen gewesen sei, „in dem aber jeder einzelne Spieler alles reingehauen hat“. Entscheidend sei gewesen, dass die Abwehr bis auf wenige Ausnahmen gut gearbeitet habe. „Wenn wir unter 25 Gegentoren bleiben, haben wir gute Chancen zu gewinnen“, sagt Baur. „Das ist die magische Zahl.“

Nach dem hart erkämpften ersten Sieg steht der TVB am Samstag (19 Uhr) vor der nächsten hohen Hürde. Auf dem Papier scheint die lösbar, schließlich ist der HC Erlangen ein Liga-Neuling. „Für mich ist das kein Aufsteiger, sondern ein gestandener Erstligist“, sagt Baur. Bis auf den rechten Rückraum sei die Mannschaft gespickt mit Nationalspielern.

Nach seinem einjährigen Gastspiel in der Ersten Liga schaffte der HCE bei lediglich vier Saisonniederlagen äußerst souverän den sofortigen Wiederaufstieg. Die Personalpolitik zeigt unmissverständlich, dass die Franken keine großen Gedanken verschwenden an den erneuten Abstieg. Der Nationalmannschafts-Linksaußen Uwe Gensheimer traute dem HCE in der Saisonvorschau den zwölften Rang zu. Auch der Sport-1-Experte Stefan Kretzschmar ist überzeugt davon, dass die Mannschaft des schwedischen Trainers Robert Andersson nicht in Schwierigkeiten kommen wird.

„Wir möchten unsere Qualitäten auch auswärts zeigen.“

Die Erlanger holten sich Spieler mit Rang und Namen: Aus Magdeburg kam der 120-fache deutsche Nationalspieler Michael Haaß (32). Der abwehrstarke Ex-Göppinger soll das Spiel lenken. Der slowenische Nationalspieler Uros Bundalo (aus Nantes) ersetzt Sebastian Preiß am Kreis, Isaias Guardiola vom ungarischen Top-Club Veszprem besetzt zusammen mit Nikolai Link und dem Ex-Göppinger Pavel Horak den linken Rückraum. Fürs Tor holten die Erlanger vom THW Kiel den nationalmannschafts-erfahrenen Nikolas Katsigiannis.

Zum Liga-Auftakt unterlag der Neuling zwar in Flensburg deutlich mit 23:35. Doch schon am zweiten Spieltag zeigte Erlangen, dass es die Großen ärgern kann. Der Vorjahresvierte MT Melsungen kehrte mit einer 25:29-Niederlage nach Hause zurück. Mehr ausgerechnet hatte sich der HCE am Mittwoch in Lemgo, wo er sich mit 27:28 geschlagen geben musste.

„Für Erlangen ist es ein Muss-Spiel“, sagt Baur. „Wir möchten unsere Qualitäten aus den Heimspielen auch auswärts zeigen.“

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW