Prima Auftritt des TVB trotz Niederlage

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sein erstes Punktspiel in dieser Saison gegen den THW Kiel gestern Abend mit 22:27 (12:13) verloren. Vor 6211 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena musste sich der Außenseiter sogar ein bisschen ärgern: Er spielte so stark auf, dass gegen den Rekordmeister sogar eine Überraschung möglich war.

Sieben Minuten vor dem Ende standen Alfred Gislason die Schweißperlen auf der Stirn, nachdem Tobias Schimmelbauer den TVB 1898 Stuttgart gegen den haushohen Favoriten auf 20:21 herangebracht hatte. Aufatmen durfte der Kieler Trainer erst nach drei schnellen Toren von Lukas Nilsson (2) und Marko Vujin zum 20:24 (56.). Viel hat nicht gefehlt und der TVB hätte sich für seinen großen Kampf belohnt, so zitterte sich der deutsche Serienmeister zum – am Ende etwas zu hohen – 27:22-Sieg.
In etlichen Spielen gegen die Top-Teams hatte sich der TVB in seiner Premierensaison mit einem schwachen Start allen Chancen beraubt, die Favoriten zu ärgern. Manch ein Fan hatte gestern vermutlich einen ähnlichen Spielverlauf befürchtet: Nach zwei Minuten führten die Kieler mit 2:0. Doch die Bittenfelder fingen sich dieses Mal rasch – vor allem dank der überragenden Deckung. Immer wieder klaute der TVB den Kielern den Ball oder verleiteten Steffen Weinhold und Co. zu Fehlern. Nach einem Kempa-Treffer von Dominik Weiß, einem Konter von Vio Fotache und drei Treffern des sehr starken Rechtsaußens Bobby Schagen führte der TVB nach neun Minuten überraschend mit 5:3.
Vier Tore Führung des TVB
nach 17 Minuten
Das Heimteam spielte auch in der Offensive überlegt, leistete sich im ersten Spielabschnitt lediglich sechs Fehlwürfe. Selbst in Unterzahl – Weiß nach einem Foul und Johannes Bitter wegen eines ärgerlichen Wechselfehlers –, geriet der TVB nicht aus dem Tritt. Nachdem Schimmelbauer einen weiteren Konter zum 8:5 vorbei am chancenlosen Kieler Nationalkeeper Andreas Wolff zum 8:5 (15.) ins Netz gelegt hatte, tobte die Halle – und THW-Coach Gislason bat seine Spieler zum Rapport.
Doch Schimmelbauer legte zum 9:5 nach, der gute Michael Schweikardt zum 10:6 (17.). Dann nutzten die Kieler eine schwächere Phase des TVB in Angriff. Es schlich sich der eine oder andere technische Fehler ein, zudem kam Wolff nun immer besser in die Partie und war nun seinem guten Gegenüber Johannes Bitter ebenbürtig. Binnen zehn Minuten legten die Gäste einen 5:1-Lauf hin zum 11:11-Ausgleich (27.). Dabei profitierte der Favorit auch von etlichen Zeitstrafen gegen den TVB, am Ende standen sechs Strafen nur zwei gegen Kiel auf dem Zettel. Etwas unnötig geriet der TVB so zur Halbzeit mit 12:13 ins Hintertreffen.
Nach der Pause stellte der TVB-Trainer Markus Baur im Rückraum um. Weiß nahm die Position von Finn Kretschmer auf Halbrechts ein, wovon er sich mehr Durchschlagskraft erhoffte. Hier fühlte sich Weiß offensichtlich nicht ganz so wohl, auch der eingewechselte Michael Kraus kam nach seiner Verletzung nicht so richtig ins Spiel. Dafür setzten Schweikardt und Marian Orlowski Impulse. Nach dem 12:14- und 13:15-Rückstand glich Schweikardt zum 15:15 aus (36.), Schagen zum 16:16 (40.).
Es war nun eine ausgeglichene Partie – ehe Wolff zu großer Form auflief und maßgeblich an der 20:16-Führung (47.) des THW beteiligt war: Binnen zwölf Minuten hielt er sieben Würfe. Das Spiel schien nun zu kippen, zumal der TVB zweimal das verwaiste Kieler Tor nicht traf. Das Heimteam kämpfte aber unverdrossen weiter, beim 20:21 wackelten die Gäste merklich.
Dass sie nicht fielen, war der individuellen Klasse zu verdanken. Gegen Nilssons Wucht war die TVB-Defensive, der nun verständlicherweise etwas die Kraft ausging, machtlos. Orlowskis Treffer zum 22:25 zweieinhalb Minuten vor dem Ende kam zu spät, die Kieler schaukelten die Partie zum 27:22 nach Hause.
Der großen Beifall der 6211 Fans hatte sich der TVB nach einem tollen Kampf und über weite Strecken auch sehr klug geführten Spiel jedoch redlich verdient.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Mathes; Schimmelbauer (3), Weiß (2), Schagen (7/1), Schweikardt (5), Kraus, Coric, Baumgarten, Fotache (1), Kretschmer, Orlowski (4), Heib.
THW Kiel: Wolff; Duvnjak (2), Toft Hansen, Weinhold (2), Wiencek (2), Ekberg (6), Dahmke (1), Jaanimaa, Brozovic, Vujin (5/1), Bilyk (3), Nilsson (5), Santos (1).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW