Pokal-aus gegen Zweitligisten

Das Achtelfinale im Pokalwettbewerb des Deutschen Handball-Bundes findet ohne den TVB 1898 Stuttgart statt. Nachdem der Erstligist den Drittligisten MSG Groß-Bieberau/Modau souverän mit 31:23 (17:11) bezwungen hatte, scheiterte er im Finalspiel mit 22:23 (11:9) am Zweitligisten SG BBM Bietigheim. Ausschlaggebend war die Angriffsschwäche des TVB.
Wer das Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale erreichen wollte, musste sich zunächst am Samstag in den beiden Halbfinals durchsetzen – und das taten die Favoriten. Zunächst hielt der Zweitligist SG BBM Bietigheim in der heimischen und brütend heißen Sporthalle am Viadukt den Drittligisten Leichlinger TV mit 36:31 in Schach. Am späten Abend hatte der Erstligist TVB 1898 Stuttgart mit dem zwei Klassen tiefer spielenden MSG Groß-Bieberau/Modau nur 20 Minuten ein paar Probleme.
Der TVB trat ohne Djibril M’Bengue, Dragan Jerkoviv und Felix Lobedank an, und auch für Michael Kraus kam ein Einsatz nach seiner Knieverletzung noch zu früh. Das Team von Trainer Markus Baur fand etwas mühsam ins Spiel, wirkte vor allem in der Defensive schläfrig. Auch die Wurfquote stimmte nicht. Der mutig agierende Drittligist glich nach zehn Minuten zum 6:6 aus.
Nach drei Toren des starken Bobby Schagen und einem Treffer von Simon Baumgarten legte der TVB zum 10:6 vor (18.). Mit der Einwechslung von Marian Orlowski im linken Rückraum kam mehr Zug ins Spiel, beim 17:11 stellte der TVB zur Pause die Weichen auf Sieg. Im zweiten Durchgang machten die Bittenfelder dank ihrer individuellen Überlegenheit rasch alles klar, erhöhten den Vorsprung über 21:14 (36.) auf 26:16 (48.). Damit war die Partie entschieden. Die Schlussphase bot Markus Baur die Gelegenheit, ein bisschen zu experimentieren. Am Ende stand der 31:23-Erfolg – und die Gewissheit, am nächsten Tag eine Schippe drauflegen zu müssen. Schließlich hatte der TVB in der Vorbereitung bereits gegen Bietigheim schlecht ausgesehen.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Lehmann; Schimmelbauer (8), Weiß (1), Schagen (7/2), Schweikardt, Coric, Baumgarten (3), Fotache, Porges, Heib (2), Kretschmer (2), Orlowski (8).
Das sollte dem Favoriten nicht ein zweites Mal passieren, entsprechend fokussiert startete der TVB vor 330 Fans. Bietigheim agierte zu Beginn nervös, leistete sich Fehlabspiele – und der Erstligist schlug eiskalt zu: 4:0 stand’s nach sechs Minuten, der SG-Coach Hartmut Mayerhoffer bat seine Spieler zur frühen Auszeit. Und sein Team fing sich schnell. Vier Fehlwürfe, ein Stürmerfoul und ein technischer Fehler des TVB brachten den Zweitligisten zurück in die Partie. Patrick Rentschler glich im torarmen Spiel nach 15 Minuten zum 5:5 aus. Spätestens nach dem 7:5 des guten Babarskas Gerdas (21.) und damit dem 7:1-Lauf der SG wussten die Bittenfelder, mit wem sie es zu tun hatten: Mit einem Gegner, dem zwar die Wurfgewalt aus dem Rückraum fehlte, der aber in der Deckung sehr flink agierte. Dem TVB jedenfalls fiel im Positionsangriff herzlich wenig ein. Zu wenig Torgefahr ging von den Halbpositionen aus. Auf der rechten Seite wechselten sich die beiden gelernten Rechtsaußen Bobby Schagen und Finn Kretschmer ab und taten sich schwer. Unglücklich agierten auf der anderen Seite Dominik Weiß und der tags zuvor noch so starke Marian Orlowski. Zu allem Unglück verletzte sich der Neuzugang noch vor der Pause am Fuß und kehrte nicht mehr aufs Feld zurück. Auf das Kreisspiel mit Simon Baumgarten hatten sich die Bietigheimer sehr gut eingestellt, damit war der TVB recht leicht auszurechnen. Weil der Torhüter Jogi Bitter einige starke Paraden zeigte, holten sich die Gäste trotz einer schwachen Wurfausbeute von nicht einmal 40 Prozent die Führung zurück: Alex Heib traf zum 11:9-Halbzeitstand.
Der Vorsprung indes war schnell wieder weg – auch, weil das Überzahlspiel überhaupt nicht funktionierte. Die SG traf viermal in Folge zum 13:11 (36.) und schnupperte an der Überraschung. Mit großer Leidenschaft stemmte sie sich dem TVB entgegen. Bei dem übernahm nun Michael Schweikardt Verantwortung, der Spielmacher war noch der gefährlichste Rückraumspieler. Das 17:17 (47.) läutete die spannende Schlussphase ein, in der die Bietigheimer stets einen oder zwei Treffer vorlegten und der TVB ausglich – und durch Schagens fünften verwandelten Strafwurf beim 22:21 (57.) nach langer Zeit wieder im Vorteil war. Bietigheim schlug jedoch zurück: Tim Dahlhaus egalisierte, André Lohrbach traf per Strafwurf zum 23:22.
In den finalen eineinhalb Minuten scheiterten zuerst Heib und schließlich Weiß am guten Aron Rafn Edvardsson im Tor der SG. Der blieb die Verlängerung erspart, der Außenseiter feierte den verdienten Einzug ins DHB-Achtelfinale.
SG BBM Bietigheim: Heinz, Edvardsson (1); Haller (2), Rentschler (2), Dahlhaus (4), Schäfer (3), Schmidt (1), Gerdas (4), Barthe (2), Scholz (1), Döll, Emrich (1), Emanuel, Lohrbach (2/2).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Lehmann; Schimmelbauer (1), Weiß (2), Schagen (8/5), Schweikardt (5), Coric, Baumgarten (1), Fotache (3), Porges, Heib (1), Kretschmer, Orlowski (1).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW