Gute Ansätze beim TVB trotz Niederlage

Die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart haben ihr Saisoneröffnungsspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 26:32 verloren. Zur Pause hatten sie vor 650 Fans in der ausverkauften Schwaikheimer Fritz-Ulrich-Halle nach einem mutigen Auftritt überraschend mit 17:12 geführt. Im zweiten Abschnitt bestrafte der Deutsche Meister die höhere Fehlerquote des TVB.
Auch wenn es nicht mehr als ein Vorbereitungsspiel war und beide Mannschaften ersatzgeschwächt antraten: Die Fans bekamen in Schwaikheim ein flottes Spiel zu sehen, in welchem der Beinahe-Absteiger der vergangenen Saison dem Meister 40 Minuten lang alles abverlangte.
Dabei hatte die Partie für den TVB mit einer Schrecksekunde begonnen: Bereits beim ersten Angriff musste der Neuzugang Felix Lobedank mit einer Fingerverletzung das Spielfeld verlassen. Damit fehlte dem TVB nach den Verletzten Michael Schweikardt und Djibril M’Bengue ein weiterer Rückraumspieler. Zu Beginn indes fiel dies nicht ins Gewicht. Erstens, weil die anderen Neuen Michael Kraus und Marian Orlowski einen sehr guten Eindruck hinterließen. Und zweitens, weil Finn Kretschmer auf der Halbposition für mächtig Alarm sorgte. Auch Bobby Schagen auf Rechtsaußen überzeugte.
Der TVB ließ sich von der zunächst sehr offensiven Löwen-Abwehr nicht aus der Ruhe bringen. Der Ball lief sicher durch die Reihen, und die Abschlussquote passte. Weil auch die Deckung schnell auf den Beinen war und sowohl den Löwen-Rückraum mit Andy Schmid, Patrick Groetzki und Kim Ekdahl du Rietz als auch den Kreisläufer Rafael Baena im Griff hatte, fand der Favorit keine Lösungen. Nach einem 3:0-Blitzstart geriet der TVB zwar nach neun Minuten mit 4:5 ins Hintertreffen, doch Schagen und Kraus brachten ihr Team beim 7:5 wieder in Führung.
Nach Orlowskis Treffer zum 11:8 rief Nicolaj Jacobsen seine Spieler lautstark zum Rapport: Das hatte sich der Meistertrainer ganz anders vorgestellt. Zunächst indes änderte die Auszeit nichts am Spielverlauf – im Gegenteil: Von 13:10 (20.) zog der Außenseiter binnen acht Minuten auf 17:10 davon. Marius Steinhauser und Schmid sorgten beim 17:12 für ein wenig Ergebniskosmetik zur Pause.
Dass es nach diesem Muster im zweiten Spielabschnitt nicht weiter gehen würde, war zu erwarten. Und der Deutsche Meister präsentierte sich nun tatsächlich entschlossener. Wobei der TVB maßgeblich selbst beteiligt war an der Aufholjagd der Löwen. Im Angriff schlichen sich plötzlich leichte technische Fehler ein, zu zögerlich und ungenau waren die Abschlüsse. Der clevere Gegner zeigte seine individuelle Klasse und nutzte die Unzulänglichkeiten der Bittenfelder eiskalt aus. Zudem kam der Torhüter Andreas Palicka immer besser in die Partie und parierte etliche Würfe.

Nach 38 Minuten besorgte Schmid den 19:19-Ausgleich – und die Löwen legten noch eine Schippe drauf. Nach einem 13:3-Lauf führten sie Mitte der zweiten 30 Minuten mit 25:20 und hatten längst die Spielkontrolle. Sie profitierten dabei allerdings auch von einigen Zeitstrafen gegen den TVB, zudem testete der Trainer Markus Baur diverse Formationen. Über 28:22 und 30:24 spielten die Löwen den Sieg beim 32:26 sicher nach Hause.
Zehn Tage vor dem Pflichtspielauftakt mit dem DHB-Pokal dürfte die Partie gegen diesen Top-Gegner dem neuen TVB-Coach Markus Baur wichtige Erkenntnisse gebracht haben. Was die Stimmung indes ein bisschen trüben wird, sind die Verletzungssorgen in dieser frühen Phase der Saison: Der Torhüter Dragan Jerkovic (Muskelfaserriss) dürfte bis Samstag in einer Woche wieder einsatzbereit sein. Deutlich schlechter sieht’s bei Michael Schweikardt aus (ebenfalls Muskelfaserriss). Ob der Spielmacher im ersten Punktspiel gegen den THW Kiel am 4. September auf der Platte stehen wird, ist längst nicht sicher. Noch länger gedulden muss sich Djibril M’Bengue, dessen Patellarsehne erneut Probleme macht. Wie schwer die Fingerverletzung von Felix Lobedank ist, war nach dem Spiel gestern noch nicht klar.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter; Kraus (4/2), Heib, Weiß (2), Fotache, Orlowski (4), Lobedank, Schimmelbauer (4), Schagen (7/3), Kretschmer (2), Coric, Baumgarten (3), Häfner.
Rhein-Neckar Löwen: Palicka; Schmid (8/3), Sigurdsson (3), Manaskov (2), Baena (3), Steinhauser (6), Groetzki (5), Abt (1), Guardiola, Ekdahl du Rietz (4).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW