TVB hält Niederlage im Rahmen

Erwartungsgemäß chancenlos gewesen ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart zum Saisonabschluss: Vor über 10000 Fans in der Kieler Sparkassen-Arena musste sich der Aufsteiger dem Tabellendritten THW mit 23:32 (11:16) beugen. Michael Spatz war in seinem Abschiedsspiel mit acht Toren der erfolgreichste Torschütze der Partie.

Eine wichtige Nachricht gab es gestern Nachmittag bereits vor den Spiel: Die TVB-Fans, welche am Montag die 800 Kilometern lange Treckerfahrt von Bittenfeld an die Ostsee angetreten hatten, kamen am Sonntag wohlbehalten an der Halle an und wurden von den Kieler Fans freudig begrüßt. Im Spiel selbst ging es für beide Mannschaften lediglich noch darum, sich im finalen Saisonspiel noch einmal ordentlich zu präsentieren – und vorneweg: Diesbezüglich durften sowohl der Tabellendritte als auch der 15. im Großen und Ganzen zufrieden gewesen sein.
Die Augen der Handball-Fans richten sich gestern sowieso nach Lübbecke, wo die Rhein-Neckar Löwen mit ihrem souveränen 35:23-Sieg die Meisterschaft klar machten. Die Kieler Zebras beendeten zum ersten Mal seit 2003 eine Saison gänzlich ohne Titel. Aber natürlich wollten sie sich im letzten Spiel von Dominik Klein und 58. Pflichtspiel in dieser Saison vom Aufsteiger aus Stuttgart nicht düpieren lassen. Kasper Kisum glich die schnelle 2:0-Führung des Gastgebers mit einem Doppelschlag aus (5.). Im Anschluss indes zeigte sich die große Schwäche der Bittenfelder, die sich im Grunde durch die gesamte Rückrunde zog: Die Wurfquote war über weite Strecken nicht erstligatauglich.
Als Niclas Ekberg die Kieler nach elf Minuten per Strafwurf mit 6:2 in Führung warf, war der TVB bereits sechsmal am starken THW-Keeper Nikolas Katsigiannis gescheitert. Am Ende stand 16 Paraden auf dem Zettel, die Erfolgsquote der Gäste lag bei 50 Prozent. Da nützte auch die ordentliche Deckungsarbeit wenig.
Ganz so locker, wie es die Anfangsphase vermuten ließ, ging es dem THW jedoch nicht von der Hand. Der TVB wollte zeigen, dass er zurecht Mitglied der höchsten deutschen Spielklasse ist. Nach dem 4:7-Rückstand (13.) kämpfte er sich selbst in Unterzahl zurück. Michael Spatz brachte den Außenseiter mit einem 4:0-Lauf zum 8:7 (17.) zum ersten Mal in Führung. Grund genug für den Kieler Trainer Alfred Gislason, sein Team in der Auszeit zur Raison zu rufen.
Binnen zweieinhalb Minuten rückte der Tabellendritte die Verhältnisse wieder zurecht: Der TVB scheiterte zweimal an Katsigiannis, ein Doppelschlag durch Marko Vujin brachte das 10:8. Die Kieler waren nun im Spiel und nutzten die zehnminütige Schwächephase – inklusive zweier verworfener Siebenmeter – des TVB eiskalt aus. Beim 15:9 (28.) war klar, wer Chef im Ring sein würde an diesem Nachmittag. Dennoch: Der 11:16-Halbzeitrückstand war aus Bittenfelder Sicht noch erträglich.
Gut kam der TVB aus der Kabine: Simon Baumgarten verkürzte zum 12:16, Florian Schöbinger gelang in seinem letzten Spiel im TVB-Trikot beim 13:16 zugleich sein letzter Treffer. Die Kieler legten jedoch nach, beim 20:14 (37.) schien die Partie früh entschieden. Doch erneut kämpften sich die Gäste heran: Nach zwei Toren von Tobias Schimmelbauer und Kasper Kisums Treffer stand es 20:17. Und 20 Minuten vor dem Ende sah es so aus, als müssten die Kieler zum Saisonabschluss doch noch einmal richtig hart arbeiten.
Mit fünf Toren in Folge zum 25:17 (48.) machten sie aber frühzeitig alles klar. Mit einer Auszeit versuchte der TVB-Trainer Thomas König, den Lauf des Gegner zu unterbrechen. Das gelang phasenweise, weil nun auch der THW nicht mehr frei von Fehlern und Konzentrationsschwächen war. In Gefahr freilich geriet der Kieler Sieg nicht mehr. Über 26:20 und 30:21 holte sich der THW beim 32:23 den verdienten Sieg.
Als Michael Spatz sein achtes und letztes Tor für den TVB erzielte, bejubelten  die Löwen in Lübbecke bereits die Meisterschaft. Gefeiert werden durfte jedoch auch beim TVB, schließlich hatten die wenigsten dem Aufsteiger den Ligaverbleib zugetraut.
THW Kiel: Katsigiannis, Landin; Moraes (2), Mamelund (2), Sprenger (3), Dissinger (1), Wiencek (4), Ekberg (3/3), Anic (2), Dahmke (4), Jaanimaa (4), Williams, Klein (2), Vujin (5).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul; Schimmelbauer (4), Schöbinger (1), Weiß, Friedrich, Kisum (6), Coric (1), Baumgarten (1), Fotache (1), Seiz, Heib, Kretschmer (1), Spatz (8/5).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW