Große Freude über “doppelten Königstransfer”

Nach nur vier Monaten scheint Jogi Bitter bereits Kult zu sein beim Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart. Vor dem letzten Heimspiel gaben die Verantwortlichen bekannt, dass der Vertrag mit dem Weltmeister von 2007 um ein Jahr verlängert wurde. Und die Fans feierten diese gute Nachricht so frenetisch wie den Ligaverbleib.

Der ist dem Aufsteiger nicht mehr zu nehmen – es sei denn, der Vorletzte Eisenach gewinnt an diesem Mittwoch beim Tabellendritten THW Kiel und zum Saisonabschluss beim MT Melsungen jeweils mit 15 Toren Differenz und der TVB verliert in Kiel am Sonntag mit mehr als 20 Toren.

Das ist natürlich äußerst hypothetisch. Deshalb war die Stimmung in der Scharrena bereits vor dem Spiel gegen die SG Flensburg-Handewitt ziemlich entspannt. Der Tabellenzweite dagegen hoffte noch – vergebens übrigens – auf einen Ausrutscher der Rhein-Neckar Löwen. Weil der Spitzenreiter erst zwei Stunden nach dem Auftritt der SG in Stuttgart gegen den TSV Hannover-Burgdorf antrat, musste die Mannschaft von Trainer Ljubomir Vranjes konzentriert zur Sache gehen gegen den Aufsteiger – und tat sich im ersten Spielabschnitt überraschend schwer. Der TVB führte nach 26 Minuten mit 13:12.

„Wir haben gut gedeckt und im Angriff diszipliniert gespielt“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. „Ärgerlich war allerdings, dass wir uns danach ziemlich ungeschickt angestellt haben.“ Die Kontrolle ging wieder einmal verloren, die Anzahl der leichten Ballverluste und Fehlwürfe war phasenweise alles andere als erstligatauglich. Am Ende standen gut drei Dutzend solcher Missgeschicke auf dem Zettel – und die 18:28-Niederlage. „Das müssen wir in der nächsten Saison deutlich besser machen“, so König. Die Hoffnung des Trainers ruht dabei auch auf dem technisch versierten Michael Kraus.

Dessen Verpflichtung dürfte mit ein Grund gewesen sein, dass Jogi Bitter weiterhin das Bittenfelder Trikot tragen wird. „Das ist natürlich optimal für uns“, sagt König. Sein Geschäftsführer hatte die Vertragsverlängerung medienwirksam vor dem Spiel verkündet. „Wir wollten unseren Fans, die uns in dieser Saison so grandios unterstützt haben, etwas bieten“, sagte Jürgen Schweikardt bei der Pressekonferenz nach der Partie. Bitters Verpflichtung hatte Schweikardt im Januar als „Königstransfer“ bezeichnet. „Nun haben wir sozusagen den zweiten in einem Jahr.“

Jogi Bitter selbst freute sich über den enormen Zuspruch der Fans. „Das war schon emotional, es berührt einen schon“, sagte er, nachdem er bei der Pressekonferenz nach dem Spiel neben dem SG-Coach Ljubomir Vranjes Platz genommen hatte. Er sei froh, nun selbst Planungssicherheit zu haben – „nachdem mich Jürgen Schweikardt mit seinem Charme wieder überzeugt hat“. Der guten Stimmung wegen „und weil das Wetter langsam auch besser wird“, habe er jedoch nicht verlängert. „Ich mache so was nur, wenn ich hier meinem eigenen Anspruch gerecht werden kann.“

Anders ausgedrückt: Der Weltmeister von 2007 ist überzeugt davon, dass sein TVB 1898 Stuttgart in der nächsten Saison wieder reelle Chancen haben wird auf den Ligaverbleib. Mit am Ende deutlich mehr als 14 Punkten auf dem Konto.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW