TVB fordert Flensburg 45 Minuten lang

Der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat sein letztes Heimspiel gegen den Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt erwartungsgemäß mit 18:28 (13:16) verloren, sich dabei aber 45 Minuten (17:20) sehr gut präsentiert. Die Stimmung in der ausverkauften Scharrena war bereits vor dem Anpfiff blendend, die 2251 Fans feierten die Vertragsverlängerung von Jogi Bitter.
Wie schon in Magdeburg, musste der Aufsteiger auch gegen den Tabellenzweiten auf die angeschlagenen Michael Schweikardt und Djibril M’Bengue verzichten. Damit bot sich Kasper Kisum ausreichend Gelegenheit, sich gegen seinen Ex-Club in Szene zu setzen. Das machte der Däne über weite Strecken nicht schlecht. Allerdings ging ihm – wie seinen Kollegen – Mitte der zweiten 30 Minuten der Dampf aus. Und solche Phasen nutzt eine Weltklassemannschaft wie die SG Flensburg-Handewitt eiskalt aus. Deshalb fiel die Niederlage am Ende mit zehn Toren Differenz so deutlich aus, wie es die meisten Fans und Experten erwartet hatten. Bis dahin indes zeigte der Aufsteiger, wie so oft in dieser Saison, wozu er fähig ist.
Die Flensburger versuchten von Beginn an, aufs Tempo zu drücken. Der Ball lief flüssig durch die Reihen, doch die TVB-Deckung verschob sehr gut und machte dem haushohen Favoriten das Leben aus dem Positionsspiel heraus schwer. Und im Tor zeigte Jogi Bitter vor allem allem im ersten Spielabschnitt, weshalb der Torhüter für den TVB auch in der nächsten Saison eine Lebensversicherung sein kann. Elf Paraden gingen vor der Pause auf Bitters Konto, damit stellte der seinen Gegenüber Mattias Andersson klar in den Schatten.
Dominik Weiß sorgte nach fünf Minuten beim 3:2 für die erste TVB-Führung. Der Aufsteiger zeigte wenig Respekt vor dem Gegner, leistete sich vergleichsweise wenige Fehler. Und bei den Gegenstößen der SG war Bitter meist auf dem Posten. Es entwickelte sich ein flottes, ausgeglichenes und sehr unterhaltsames Spiel. Der TVB erkämpfte sich nach mehrmaligem Rückstand (3:4/4:5/6:7/8:9) immer wieder den Ausgleich.
Nach 20 Minuten stellte der Flensburger Trainer Ljubomir Vranjes seine Deckung auf 5:1 um, Kentin Mahé versuchte das Aufbauspiel des Heimteams zu stören. Ruhiger indes wurde der Nachmittag für die Gäste allerdings zunächst nicht – im Gegenteil: Nach einem Doppelschlag von Kreisläufer Teo Coric stand es plötzlich 11:10 für den TVB. Michael Spatz erzielte das 13:12 für sein Team (26.). Dann brachten sich die bis dahin souveränen Schiedsrichter Ramesh Thiyagarajah/Suresh Thiyagarajah mit einigen aus TVB-Sicht zumindest fragwürdigen Entscheidungen ins Spiel: Binnen 15 Sekunden mussten Tobias Schimmelbauer und Viorel Fotache auf die Strafbank. Diesen doppelten Vorteil nützten die Flensburger eiskalt aus. Zweimal Anders Eggert, Mahé, der starke Lasse Svan sorgten mit einem 4:0-Lauf für die 16:13-Führung der Gäste.
Im zweiten Spielabschnitt hieß es für den TVB, nicht wie in etlichen Spielen zuvor den Anschluss zu verlieren. Mit zwei tollen Aktionen legten Thomas Mogensen und Svan sowie Johan Jakobsson zum 19:14 vor (38.), die Partie schien in die erwartete Richtung zu laufen. Der TVB scheiterte öfter am mittlerweile eingewechselten SG-Keeper Kevin Möller und leistete sich zudem einfache Fehler. Der Aufsteiger hatte Mühe, sich gegen die nun schwer zu überwindende Deckung des Gegners in aussichtsreiche Positionen zu bringen. Nur zwei Treffer gelangen dem TVB in den ersten zwölf Minuten nach der Pause.
Weil die Defensive aber weiterhin verbissen um jeden Ball kämpfte, zogen die Flensburger nicht weg. Alexander Heib verkürzte für die Bittenfelder mit einem Siebenmeter zum 16:19 (43.), Spatz netzte in Überzahl zum 17:20 ein (45.). Viorel Fotache hätte den TVB mit einem Konter auf zwei Tore heranbringen können. Doch nach seinem Schrittfehler war beim TVB plötzlich die Luft komplett raus. Der Tabellenzweite nutzte die sich nun häufenden unkonzentrierten Abschlüsse und technischen Fehler gnadenlos aus, beim 17:23 (49.) war die Partie entschieden. Für den TVB ging es in den verbleibenden zehn Minuten darum, den Rückstand in einem erträglichen Rahmen zu halten. Die Flensburger legten allerdings noch nach bis zum 28:18-Sieg. Die Fans feierten ihren TVB dennoch.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul; Schimmelbauer (2), Schöbinger (1), Weiß (2), Friedrich, Kisum (3), Coric (2), Baumgarten (1), Fotache (1), Seiz, Heib (1/1), Kretschmer, Spatz (5/2).
SG Flensburg-Handewitt: Andersson, Möller; Karlsson, Eggert (9/4), Glandorf, Mogensen (3), Svan (6), Wanne, Djodjic (2), Jakobsson (3), Toft Hansen, Gottfridsson, Mahé (5), Kozina.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW