WILD BOYS verlieren in Magdeburg

Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat gestern beim SC Magdeburg  mit 23:34 (10:14) verloren. Der Aufsteiger hielt vor 6100 Zuschauern nur 27 Minuten mit. Besonders schmerzlich indes war die Niederlage nicht mehr: Abstiegskonkurrent ThSV Eisenach müsste seine beiden restlichen Spiele gewinnen und zudem 65 Treffer gegenüber dem TVB aufholen. Der TVB darf also den vorzeitigen Ligaverbleib feiern.

Die Resultate am Samstag hätten aus Bittenfelder Sicht besser nicht sein können: Zuerst kassierte der ThSV Eisenach eine 18:35-Niederlage bei der SG Flensburg-Handewitt, anschließend unterlag der TuS Nettelstedt-Lübbecke gegen die Füchse Berlin mit 25:32. Lübbecke kann damit den TVB bei sechs Punkten Rückstand definitiv nicht mehr einholen. Und die Chancen der Eisenacher, aus den finalen Partien gegen den THW Kiel und in Melsungen vier Punkte zu holen und 65 Tore gegenüber dem TVB wettzumachen, sind nur noch äußerst theoretischer Natur. Dass der TVB in seinem derzeitigen Zustand gegen Flensburg und in Kiel etwas holen wird, scheint ebenso aussichtslos – spielt aber wohl keine Rolle mehr.
Weil der TVB den Ligaverbleib quasi am Samstag bereits in der Tasche hatte, schonte er nicht nur den angeschlagenen Djibril M’Bengue (Patellasehne), sondern auch den Spielmacher Michael Schweikardt (Rückenverletzung).
Wie in den jüngsten Spielen zuvor, startete der Aufsteiger beim favorisierten DHB-Pokalsieger sehr gut. Kasper Kisum traf nach fünf Minuten zur 3:1-Führung für den TVB. Auch nach dem zwischenzeitlichen 3:3-Ausgleich der Magdeburger blieben die Gäste zunächst ein unangenehmer Gegner für das Team von Trainer Bennet Wiegert. Die Abwehr vor dem wieder starken Jogi Bitter arbeitete sehr konzentriert. Nach Viorel Fotaches Treffer zum 6:5 für den TVB (17.) nahm Wiegert die dringend notwendige Auszeit.
Und tatsächlich kam der SCM nach und nach besser in die Partie. Der Torhüter Yannik Green steigerte sich, und die Fehlwürfe und Fehlabspiele der Bittenfelder häuften sich. Robert Weber sorgte mit einem Doppelschlag für die 9:7-Führung des Favoriten (22.), der fortan das Spiel souverän im Griff hatte. Über 10:8 und 13:9 erspielte sich Magdeburg beim 14:10 die beruhigende Pausenführung. Elf Paraden von Bitter und die lange Zeit ordentliche Deckung waren zu wenig, um den SCM nachhaltig ins Schwitzen zu bringen – und elf Fehlwürfe und ein halbes Dutzend technischer Fehler der Gäste eindeutig zu viel. Eine Schwäche, die der TVB offensichtlich schwer abstellen kann.
Die Hoffnung, den Magdeburgern möglichst lange auf den Fersen zu bleiben, war nach der Pause schnell dahin: Binnen drei Minuten zog das Heimteam auf 17:11 davon. Der TVB verlor komplett die Konzentration, fing sich Konter um Konter ein und sah sich beim 14:22 (43.) bereits hoffnungslos im Hintertreffen. Richtig heiß lief der österreichische Nationalspieler auf Rechtsaußen, Robert Weber, der am Ende 13 Treffer erzielte.
Auch die Auszeit von TVB-Trainer Thomas König beim 24:15 (45.) und der  Torhüterwechsel, Yunus Özmusul kam für den inzwischen glücklosen Bitter, brachte nichts mehr. Magdeburg nutzte die Fehler des TVB nun rigoros aus und ließ den Gästen keine Chance mehr. Weber erzielte beim 29:17 zehn Minuten vor dem Ende sein 200. Saisontor. Für die Bittenfelder ging es nun darum, die Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten. Beim 23:34 am Ende gelang dies jedoch nur bedingt.
Die Schlappe war jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen. Immerhin hat der TVB bereits zwei Spieltage vor Saisonende den Klassenverbleib gesichert – und dürfte froh sein, wenn die kräftezehrende Runde bald vorüber ist. Nach dem letzten Heimspiel am kommenden Sonntag gegen die SG Flensburg-Handewitt (15 Uhr) in der Scharrena wird gefeiert.
SC Magdeburg: Green, Quenstedt; Musa (1), Rojewski (1), Musche (6), van Olphen (1), Bagersted (3), Grafenhorst, Haaß, Bezjak (2), Wener (13/5), Damgaard (4), Zelenovic (3), Lemke.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul; Schimmelbauer (2), Schöbinger (1), Weiß (2), Friedrich (1), Kisum (5), Coric (1), Baumgarten (3), Fotache (4), Seiz, Heib (1), Kretschmer (1), Spatz (2/2).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW