Melsungen ein Gegner von anderer Kragenweite

Erwartungsgemäß ohne Chance gewesen ist Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gegen die MT Melsungen: Vor 2251 Zuschauern in der ausverkauften Scharrena hat der Aufsteiger gegen den Tabellenvierten mit 21:28 (12:15) verloren. „Man hat gesehen, dass das ein Gegner von anderer Kragenweite ist“, sagte der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt nach dem Spiel.
Wie schon nach der Niederlage in Göppingen am Mittwoch, so hielt sich die Enttäuschung beim TVB auch am Pfingstsonntag in Grenzen. Zu übermächtig war der Gegner, zu sehr kommt der Liga-Neuling derzeit auf den Felgen daher. Die lange Saison hat ihre Spuren hinterlassen, etliche Leistungsträger sind angeschlagen und sehnen die Pause herbei.
Melsungen feierte so den souveränen 19. Saisonsieg, der TVB darf sich trotz der 19. Niederlage große Hoffnungen machen auf den Ligaverbleib: Der Vorletzte TuS Nettelstedt-Lübbecke unterlag zur gleichen Zeit beim TVB Lemgo mit 23:25 und hat drei Spieltage vor Schluss sechs Punkte Rückstand auf die Bittenfelder. Der ThSV Eisenach hat noch vier Spiele zu bestreiten. Um den TVB abzufangen, muss er gegen Göppingen, Flensburg, Kiel und Melsungen fünf Punkte sammeln, weil er gegenüber dem TVB die deutlich schlechtere Tordifferenz aufweist. Das scheint äußerst unwahrscheinlich.
Weil sich das Team von Trainer Thomas König jedoch noch nicht hundertprozentig sicher fühlen durfte und darf, legte es sich auch gegen den klar favorisierten Gast aus Melsungen ins Zeug, startete forsch in die Partie. Die aggressive Abwehr vor dem erneut starken Torhüter Jogi Bitter machte den wuchtigen Melsungern zunächst das Leben schwer, die MT leistete sich etliche technische Fehler und Fehlabspiele.
Nach fünf Minuten führte der TVB, angeführt vom wie schon in Göppingen spielstarken und torgefährlichen Ex-Melsunger Michael Schweikardt, überraschend mit 5:2. Die Gäste hatten Mühe, ins Spiel zu finden. Als bat ihr Trainer Michael Roth sein Team zur Auszeit, brachte auf der Spielmacherposition Nenad Vuckovic für Patrik Fahlgren – und fortan lief’s besser beim Gast.
Der überragende Nationalmannschafts-Rechtsaußen Johannes Sellin und Philipp Müller sorgten beim 8:8 (15.) für den ersten Ausgleich des Favoriten seit dem 1:1 und zugleich für die Wende in der Partie. Die Gäste legten nach, nutzten einfache technische Fehler und unvorbereitete Abschlüsse des TVB eiskalt aus und hatten nach einem 6:1-Lauf zum 12:9 (20.) die Partie mehr oder weniger im Griff.
Melsungen stellte die Deckung von der 5:1- auf die 6:0-Formation um. Der Aufsteiger hatte Probleme, seine wurfgewaltigen Rückraumschützen Dominik Weiß und Djibril M’Bengue in Position zu bringen und lief sich immer wieder an der mittlerweile stabilen Abwehr der Gäste fest, die in Keeper René Villadsen einen guten Rückhalt hatte.
So ging Melsungen mit der verdienten 15:12-Führung in die Pause und sorgte nach der Halbzeit rasch für klare Verhältnisse. Der TVB kämpfte zwar verbissen weiter, doch der Gegner war spielerisch und körperlich zu stark, hatte die besseren personellen Alternativen. Beim Heimteam lief in der Offensive fortan nicht mehr viel zusammen. Nur drei Treffer gelangen ihm in den ersten 18 Minuten des zweiten Spielabschnitts. Eine solch dürftige Ausbeute ist freilich viel zu wenig, um in der ersten Liga einen Gegner in Not zu bringen. M’Bengue verkürzte zwar noch einmal zum 15:18 (39.), doch nach einem Doppelschlag Sellins war die Partie beim 15:23 (48.) entschieden.
Der Viertletzte war hernach bemüht, mit Blick auf die am Ende womöglich ausschlaggebende Tordifferenz die Niederlage so gering wie möglich zu halten. Beim 16:25 (52.) war der größte Rückstand erreicht. Den 20. Treffer für den TVB erzielte Viorel Fotache an seinem 27. Geburtstag. Letztlich entsprach die 21:28-Niederlage in etwa den Kräfteverhältnissen.
Melsungen verteidigte damit seinen vierten Tabellenplatz. Der TVB dagegen muss sich noch etwas gedulden, bis er den Ligaverbleib feiern kann. Wenn alles perfekt läuft, kann’s am Sonntag bereits so weit sein: Bleibt Eisenach am Mittwoch gegen Göppingen und am Samstag in Flensburg punktlos und gewinnt Lübbecke nicht gegen die Füchse Berlin, ist der TVB gerettet. Ganz gleich, wie er sich am Sonntag (17.15 Uhr) beim SC Magdeburg schlägt.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer, Schöbinger, Weiß (3), Schweikardt (6), Friedrich (2), Kisum, M’Bengue (2), Coric (1), Baumgarten (2), Fotache (1), Kretschmer, Spatz (4/1).
MT Melsungen: Villadsen, Sjöstrand; Maric (5), Sellin (11/3), Fahlgren (1), Schröder, Danner, Philipp Müller (2), Boomhouwer (1), Rnic (3), Schneider, Vuckovic (2), Michael Müller (3).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW