TVB startet stark – und bricht ein

Mit einer 26:35-Packung ist der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart gestern Abend aus Göppingen zurückgekehrt. Nach einer starken ersten Halbzeit und dem knappen 16:17-Rückstand zur Pause zerbrach der Aufsteiger binnen zwölf Minuten in seine Einzelteile. Mit einem 10:1-Lauf sorgte FA Göppingen für klare Verhältnisse und siegte verdient.

Durch diese Niederlage rutschte die Mannschaft von Trainer Thomas König auf den viertletzten Tabellenplatz zurück. Damit kann der TVB leben, weil dieser Rang für den Ligaverbleib reichen würde. Viel wichtiger am gestrigen Spieltag war die gleichzeitige 26:27-Niederlage des TuS Nettelstedt-Lübbecke gegen den Bergischen HC. Damit halten die Bittenfelder die vier Punkte Vorsprung auf Eisenach und sechs Zähler auf den TuS.
Das ist halbwegs beruhigend. Wie schnell der TVB gestern jedoch seine gute Ausgangsposition in der EWS-Arena verspielt hat, das dürfte den Verantwortlichen nicht gefallen.
Dabei rieben sich die über 5000 Zuschauer 30 Minuten lang die Augen: Der TVB 1898 Stuttgart, der als klarer Außenseiter ins Derby gegangen war, spielte frech auf. In der auf beiden Seiten von vielen Fehlern geprägten Anfangsphase legte der TVB nach sechs Minuten durch einen Schlagwurf von Viorel Fotache zum 3:1 vor. Auch von einem Doppelschlag Tim Kneules zum 3:3-Ausgleich ließen sich die Gäste nicht verunsichern und erarbeiteten sich mit klugen Angriffen immer wieder Freiräume.

Während einer vierminütigen Überzahl glich FA zwar den 3:5-Rückstand zum 5:5 aus, doch die Bittenfelder legten in der Folge immer wieder vor. Deutliche Vorteile hatte der TVB auf der Torhüterposition: Jogi Bitter knüpfte an seine starke Leistung auf dem Balingen-Spiel an, der Göppinger Keeper Primoz Prost machte nach einer Viertelstunde für Peter Tatai Platz.
Zu diesem Zeitpunkt führte der TVB mit 9:8. Michael Schweikardt führte klug Regie und war selbst torgefährlich, auch das Zusammenspiel mit dem Kreisläufer Simon Baumgarten funktionierte viel besser als zuletzt. Probleme hatte der TVB indes wieder auf den Halbpositionen: Von Djibril M’Bengue kam wenig, von Dominik Weiß nichts.
Dennoch lief’s im Angriff ordentlich – dafür offenbarte die Abwehr zu viele Lücken und ließ sich im Eins-gegen-eins vor allem von Daniel Fontaine das eine oder andere Mal düpieren. Marcel Schiller traf beim 12:11 zur ersten Göppinger Führung im Spiel. Der TVB blieb jedoch dran. Der FA-Coach Magnus Andersson wirkte unzufrieden, wechselte von der 6:0- zur 3:2:1- und 5:1-Deckung. Der überragende Rechtsaußen Thomas Kristensen hielt FA im Spiel, das 15:14 (26.) war bereits sein sechster Treffer. Fontaine besorgte die 17:16-Halbzeitführung. Ein Spielstand, der den mitgereisten TVB-Fans Hoffnung machte auf spannende zweite 30 Minuten.
Daraus indes wurde nichts. Die ersten drei Minuten nach dem Wechsel ließen sich zwar noch gut an (18:17), dann jedoch brach es – wieder einmal – über den TVB herein: Er wirkte plötzlich unkonzentriert und fahrig, schloss viel zu unvorbereitet ab und leistete sich eine Reihe haarsträubender technischer Fehler. Göppingen nützte dies gnadenlos aus. Und nach einem 10:1-Lauf binnen zwölf Minuten war das Derby nach 42 Minuten beim 27:17 entschieden.
Bitter ließ sich entnervt auswechseln, doch auch Yunus Özmusul hatte wenig auszurichten gegen die nun stark aufspielenden Göppinger. Die wechselten angesichts des anstehenden Final Four am Wochenende munter durch. An den Kräfteverhältnissen änderte sich freilich nichts mehr. Auch, weil den Gästen weiterhin viel zu viele einfache Fehler unterliefen. Zwischenzeitlich verkürzte der TVB auf sechs Tore (30:24/53.), der Favorit legte jedoch am Ende noch einmal nach bis zum 35:26-Sieg.
Aus Bittenfelder Sicht war’s eine unnötig hohe Pleite. Auch vor dem Hintergrund, dass in der Endabrechnung das Torverhältnis doch noch ins Spiel kommen könnte.
FA Göppingen: Prost, Tatai; Kraus (1), Kneule (3), Späth (1), Barud, Sesum (5), Fontaine (7), Kaufmann, Kristensen (9), Berg (2), Schiller (6/4), Pfahl (1), Halen.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul; Schimmelbauer (1), Schöbinger (1), Weiß, Schweikardt (3), Friedrich, Kisum (4), M’Bengue (3), Coric, Baumgarten (3), Fotache (1), Heib (1), Kretschmer (2), Spatz (7/3).

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW