Ärgerliche Niederlage in Lübbecke

Die 22:23-Niederlage beim Vorletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke könnte dem Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart eine unruhige Rest-Saison bescheren: Er hat drei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz und ein knackiges Restprogramm vor der Brust. Verspielt der TVB womöglich leichtfertig seine gute Ausgangsposition?

Verschlechtert hat sich die Lage für den TVB durch die 17. Saisonniederlage im 26. Spiel zwar nicht. Allerdings nur, weil die härteste Konkurrenz am Wochenende nicht im Einsatz war. Ein paar unschöne Nebenwirkungen indes könnte die Pleite in der Lübbecker Merkur-Arena schon haben. Der Vorletzte rückte durch seinen erst zweiten Saisonsieg bis auf einen Minuspunkt an den Bergischen HC heran, der derzeit den ersten Nichtabstiegsplatz einnimmt. Zudem könnte das Team um den ehemaligen Bittenfelder Jens Bechtloff mit neuem Selbstvertrauen in die Schlussphase der Saison starten. Und das Restprogramm des TuS lässt durchaus noch den einen oder anderen Punkt erhoffen (siehe unten).

Und der TVB? Noch hat das Team von Trainer Thomas König zwar den Ligaverbleib in den eigenen Händen. Von der komfortablen Ausgangsposition jedoch, die sich der TVB durch die beiden Siege nach der EM-Pause gegen den Bergischen HC und TBV Lemgo erarbeitet hat, ist nicht mehr viel übrig geblieben.

20 Sekunden reichen Thomas König bei der Pressekonferenz

Das Dumme ist: Trotz starker Phasen in den jüngsten Spielen blieb der TVB stets zweiter Sieger. War die 21:23-Niederlage gegen den TSV Hannover-Burgdorf noch ärgerlich, verschlug’s dem einen oder anderen nach dem 22:23 in Lübbecke fast die Sprache: Ganze 20 Sekunden benötigte Thomas König bei der Pressekonferenz nach dem Spiel für seine Analyse. „Ich bin gerade emotional etwas sehr vorbelastet, das gebe ich offen und ehrlich zu“, sagte der TVB-Trainer. Es sei ein packendes Spiel über 60 Minuten gewesen, das beide Mannschaften hätten gewinnen können. „Wir haben verloren, daher denke ich, es war ein verdienter Sieg für Nettelstedt.“

Königs Zorn richtete sich unter anderem gegen die Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski, mit deren Spielleitung er sich die gesamte Spielzeit über nicht anfreunden konnte. So ereiferte sich König nicht nur über den finalen Siebenmeter, den Pontus Zetterman zum 23:22-Siegtreffer für den TuS verwandelte.

Wie immer, wenn’s nicht läuft, kommt auch noch Pech hinzu: Dominik Weiß’ letzter Wurf sprang vom linken Innenpfosten an den rechten und von dort dem guten TuS-Keeper Nikola Blazicko in die Hände. Ein paar Zentimeter nur trennten den TVB von wenigstens einem Punkt – und es wäre mehr drin gewesen, wenn die Bittenfelder es endlich einmal geschafft hätten, einen größeren Vorsprung ins Ziel zu bringen.

Der Schlüssel lag für König bereits in den durchaus überzeugenden ersten 30 Minuten seiner Mannschaft. Die 13:10-Führung war dem Trainer zu wenig angesichts der Fehler, die sich kurz vor der Pause eingeschlichen hatten – und die dem Aufsteiger auch nach dem Wechsel unterliefen.

Zudem schwächelte, wie schon gegen Hannover, die Offensive. Mit 22 Toren lässt sich in der 1. Liga nur schwer ein Spiel gewinnen – und schon gar nicht, wenn sich die Treffer auf lediglich vier Spieler verteilen: Tobias Schimmelbauer (4), Djibril M’Bengue (5), Michael Spatz (6) und Dominik Weiß (7) trafen in Lübbecke. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das so schon mal erlebt habe“, sagt König. „Es hat sich alles zu sehr auf Dominik konzentriert.“

Weil Alexander Heib krank zu Hause saß und Kasper Kisum im Abschlusstraining umknickte, rückte Martin Kienzle in den Kader. Zum Einsatz indes kam er nicht, König brachte den angeschlagenen Dänen. Er setzte allerdings ebenso wenig Akzente wie Michael Schweikardt, der sich nach wie vor mit Rückenproblemen herumschlägt.

Viel Positives gab’s also nicht zu berichten aus Lübbecke. Der TVB muss sich in den restlichen sechs Spielen zum Ligaverbleib zittern. Er hätte es sich leichter machen können – auch im Hinblick auf die neue Saison. Ein Hochkaräter wird sich dem TVB angesichts der ungewissen Zukunft jedenfalls kaum anschließen.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW