Starker erster Spielabschnitt reicht nicht

Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart hat die große Chance auf zwei nicht einkalkulierte Punkte verpasst: Vor 2251 begeisterten Fans in der ausverkauften Scharrena führte der Aufsteiger gegen den TSV Hannover-Burgdorf nach bärenstarken ersten 30 Minuten mit 11:7. Nach der Pause ließ der TVB vor allem im Angriff nach, die Gäste schnappten sich beim 23:21 den Sieg.
Die Zuschauer trauten zunächst ihren Augen nicht: Der TVB startete gegen den Beinahe-Kiel-Bezwinger wild entschlossen und hochkonzentriert. Die Hannoveraner schienen sichtlich überrascht von ihrem Gegner, fanden gegen die bissige Bittenfelder Deckung kein Mittel. Nach drei Minuten führte der Aufsteiger mit 3:0, beim 5:1 (11.) nahm der Gästetrainer Jens Bürkle die Auszeit – und wechselte bis auf seinen Torhüter Martin Ziemer die komplette Belegschaft.
Den TVB indes störte dies nicht. Mit unbändigem Kampfgeist und dem überragenden Jogi Bitter im Tor beherrschte er seinen Gegner, nach einer Viertelstunde leuchtete das 7:2 von der Anzeigetafel. An der Überlegenheit der Heimteams änderte sich auch im zweiten Abschnitt der ersten Spielhälfte nichts, auch wenn sich der TVB im Angriff schwer tat. In der 26. Minute versenkte Teo Coric den Ball zum 11:6 in die Maschen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jogi Bitter den Gästen mit sieben Paraden und einem gehaltenen Strafwurf bereits die Nerven geraubt. Nach einem beeindruckenden Auftritt ging der TVB mit der verdienten 11:7-Führung in die Pause.
Die große Frage war: Kann der Aufsteiger sein Spiel mit dieser Intensität und ähnlich geringer Fehlerquote im zweiten Abschnitt fortsetzen? Tatsächlich wirkten die Bittenfelder nach der Halbzeit längst nicht mehr so stabil. Zunächst einmal trat Hannover mit einer anderen Körpersprache auf, fand öfter die Lücken in der immer noch guten TVB-Deckung. Zum Problem indes wurde der Angriff der Bittenfelder: Viel zu statisch agierte der Rückraum. Bei Djibril M’Bengue wechselten Licht und Schatten, Dominik Weiß erwischte einen schwachen Tag. Es fehlten das Tempo und der Zug zum Tor. Zudem wurde der Ex-Nationalkeeper Martin Ziemer immer stärker. Bis zur 45. Minute hielt der TVB seinen knappen Vorsprung, ehe der gute Runar Karason beim 17:17 erstmals für die Gäste ausglich. Das Heimteam erkämpfte sich beim 20:18 (51.) die Führung zurück, wurde dann aber fahrig in seinen Aktion. Hannover nutzte diese Konzentrationsschwächen mit vier Toren in Folge zur 22:20-Führung clever aus. Nach dem 21:22-Anschluss durch Michael Spatz durfte der TVB dreieinhalb Minuten vor Schluss noch an einem Punkt schnuppern. Ein Fehlabspiel und ein technischer Fehler machten die Hoffnung zunichte. Karason machte mit dem 23:21 alles klar.
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Jerkovic; Schimmelbauer (3), Schöbinger, Weiß (2), Schweikardt, Friedrich (1), M’Bengue (4), Coric (1), Baumgarten (2), Fotache (2), Kretschmer, Spatz (6/2), Heib.
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer, Semisch; Johanssen (3/3), Mortensen (1), Patrail (3), Hykkerud, Lehnhoff, Szücs (2), Karason (6), Dräge, Schmidt, Christophersen (3), Kastening (4), Olsen (1).

Quelle: Thomas Wagner, ZVW