TVB-Rumpfteam wehrt sich

Nichts ist es geworden mit den erhofften Bonuspunkten im Abstiegskampf für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart: Ohne vier Stammkräfte unterlag das Team von Trainer Thomas König beim Tabellensechsten HSG Wetzlar mit 20:24 (8:11). Der Abstand zum ersten Abstiegsrang hat sich auf drei Punkte verringert. Indes: Allen voran die starke Defensivleistung muss dem TVB Mut machen für die kommenden Aufgaben.

Die Voraussetzungen, in der mit 4421 Zuschauern ausverkauften Wetzlarer Rittal-Arena für eine Überraschung zu sorgen, waren alles andere als gut für den TVB: Wie befürchtet, mussten der Spielgestalter Michael Schweikardt und der Abwehrexperte Viorel Fotache mit Grippe zu Hause bleiben. Djibril M’Bengue fehlte wegen Problemen mit der Patellarsehne, Simon Baumgarten stand wegen einer Daumenverletzung nur kurz auf dem Spielfeld.
Ungeachtet dieser personellen Schwächung kamen die Bittenfelder, begleitet von rund 50 Fans, sehr gut ins Spiel. Nach Treffern von Dominik Weiß und Kasper Kisum führten sie nach zwei Minuten mit 2:0. Das 3:2 von Michael Spatz per Strafwurf (5.) sollte jedoch die letzte Führung des TVB im gesamten Spiel sein. Die Gäste bekamen zunehmend Probleme im gebundenen Angriff, Wetzlar nutzte die Bittenfelder Ballverluste zu Kontertreffern, suchte immer wieder den Europameister Jannik Kohlbacher am Kreis und legte einen 6:0-Lauf zum 8:3 hin (13.).
Es sah nicht gut aus für den TVB zu diesem Zeitpunkt, doch er kämpfte sich zurück in die Partie. Auch die HSG Wetzlar biss sich fortan an der Defensive des Gegners die Zähne aus, beim 8:6 (20.) war der TVB wieder auf Schlagdistanz – und verpasste es, dem Heimteam noch näher auf die Pelle zu rücken: Binnen zwei Minuten scheiterte Spatz zweimal vom Siebenmeterstrich am starken HSG-Keeper Andreas Wolff. Beim 8:11-Rückstand zur Pause war jedoch noch alles drin für den Aufsteiger. Hoffnung machte vor allem die gute Abwehrarbeit um den starken Florian Schöbinger: Von der zehnten bis 30. Minute kassierten die Gäste lediglich vier Gegentreffer.
Unglücklich verlief aus Bittenfelder Sicht der Start in die zweiten 30 Minuten. Nachdem Kisum auf 10:12 verkürzt hatte, kassierten Tobias Schimmelbauer und Dominik Weiß kurz hintereinander eine Zeitstrafe. Zudem unterliefen Finn Kretschmer gleich zwei technische Fehler. Wetzlar legte zum 15:11 nach (39.). Abschütteln ließen sich die Gäste allerdings zunächst nicht. Der Torhüter Jogi Bitter stand seinem Gegenüber nun in nichts nach,  zeigte etliche Glanzparaden und hielt sein Team im Spiel (16:13/43.). Chancen auf zumindest einen Punkt hatte der TVB auch noch nach Lars Friedrichs Treffer zum 14:17 (45.). Die Aussichten schwanden allerdings in den folgenden fünf Minuten: Teo Coric musste auf die Strafbank, der TVB scheiterte zum dritten Mal mit einem Siebenmeter an Europameister Wolff und Steffen Fäth knallte den Ball zur 20:14-Führung für die HSG ins Netz. Zehn Minuten vor dem Ende bedeutete dies die Vorentscheidung.
Alexander Heib verkürzte zwar zum 17:21 (54.), und nach einem Dreierpack von Tobias Schimmelbauer (2) und Friedrich (20:23) nach Wetzlarer Ballverlusten sah sich der HSG-Trainer Kai Wandschneider eineinhalb Minuten vor dem Ende noch zu einer Auszeit gezwungen. Vladan Lipovina beseitigte mit dem 24:20 und damit dem finalen Treffer der Partie die letzten kleinen Zweifel am verdienten Sieg des Tabellensechsten.
Weil sich der ThSV Eisenach gleichzeitig im Abstiegsgipfel beim TuS Nettelstedt-Lübbecke mit 24:22 durchsetzte, ist die Luft für den TVB mit nur noch drei Punkten Abstand zum ersten Abstiegsrang wieder etwas dünner geworden. Nach der dreiwöchigen Spielpause erwartet der TVB in der Scharrena den nachhaltig ersatzgeschwächten TSV Hannover-Burgdorf. Die Chancen, in diesem wichtigen Spiel die Punkte zu behalten, stehen nicht so schlecht. Zumal sich die Personalsituation beim TVB bis dahin entspannt haben dürfte.
HSG Wetzlar: Wolff, N. Weber; Prieto, Lipovina (2), Ferraz (3), S. Weber, Laudt (1), Holst (3/1), Fäth (2), Hahn (3), Bliznac, Klesniks (1), Kohlbacher (7), Mirkulovski (2).
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul; Schimmelbauer (4), Schöbinger (1), Weiß (2), Friedrich (3), Kisum (5), Coric (1), Baumgarten, Seiz, Heib (1), Kretschmer (1), Spatz (2/2).

Stimme zum Spiel:
Günter Schweikardt, Sportlicher Leiter des TVB 1898 Stuttgart: „Schade, da war mehr drin für uns – auch in dieser dezimierten Besetzung. Wir haben leider die guten Möglichkeiten, die wir hatten und die uns Wetzlar durch seine Ballverluste geboten hat, nicht genutzt. Zudem kamen wir oft ins Zeitspiel und mussten den einen oder anderen Verzweiflungswurf nehmen. Abgesehen vom Ergebnis, was der Auftritt unter diesen Voraussetzungen insgesamt in Ordnung.“

Quelle: Thomas Wagner, ZVW