Löwen zu mächtig für den TVB

Vom Start weg ohne Chance gewesen sind die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart gestern abend beim 21:33 (9:16) gegen den Vorjahres-Vizemeister und aktuellen Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen. Vor 6211 Zuschauern in der ausverkauften Porsche-Arena zeigten die Löwen dem Aufsteiger seine Grenzen auf.
Lag’s am Respekt vor dem übermächtigen Gegner oder an der TV-Präsenz? Der TVB erwischte jedenfalls einen miserablen Start. Keine drei Minuten waren gespielt, da musste Tobias Schimmelbauer bereits auf die Sünderbank. Die Abwehraktionen waren zu Beginn ebenso ungeschickt wie die Angriffsbemühungen des TVB. Ein Zeitspiel, zwei Fehlversuche von Djibril M’Bengue gegen den starken Löwen-Keeper Mikael Appelgren, zwei Fehlabspiele und ein Stürmerfoul – und schon stand’s 0:6 aus Sicht des Außenseiters (7.). 
Das war natürlich eine schwere Hypothek für die Bittenfelder. Der Tabellenführer war damit schnell im Spiel, ließ den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen, bis sich die Chance für einen ordentlichen Abschluss bot. Das Problem für den TVB war, dass die Löwen von sämtlichen Positionen große Torgefahr ausstrahlten und das Heimteam kaum nach kam, die Löcher zu stopfen. 
Zudem setzte die prima organisierte und flinke Gäste-Defensive dem TVB ziemlich zu. Mit zu wenig Tempo agierte er, spielte zu viel quer anstatt die Lücken zu suchen. Der Spielgestalter Michael Schweikardt kam nicht in die Partie, bei seinem Stellvertreter Kasper Kisum wechselten Licht und Schatten. Die wenigen Treffer resultierten meist aus Einzelaktionen. 
Der Favorit baute seinen Vorsprung über 8:3 (14.) und 10:4 (17.) scheinbar mühelos 14:6 (24.) aus, nutzte die schwachen Abschlüsse und Fehlabspiele des Gegners eiskalt zu Kontertreffern. Als sich die Löwen die eine oder andere Unachtsamkeit leisteten, nahmen die Bittenfelder die Einladungen nicht an: Florian Schöbinger und Dominik Weiß scheiterten frei vor Appelgren. So ging’s mit dem ernüchternden 9:16-Rückstand in die Halbzeit. 
Der Spielstand war natürlich mehr als eine Vorentscheidung. Zu krass waren die Leistungsunterschiede. Für den TVB ging’s in den zweiten 30 Minuten lediglich darum, die Niederlage in erträglichen Grenzen zu halten. Und er schien sich tatsächlich zu fangen. Nach Weiß’ Treffer zum 15:21 sah das Resultat viel freundlicher aus. Doch die Löwen schalteten anschließend wieder einen Gang hoch. Harald Reinkind, Mads Larsen und Uwe Gensheimer schraubten die Differenz nach 42 Minuten auf zehn Treffer (15:25), zehn Minuten später hieß es 18:30. Für den TVB ging es in dieser Phase häufig viel zu schnell. Die Löwen demonstrierten eindrucksvoll, weshalb sie in dieser Saison ein heißer Titelkandidat sind. 
In der Schlussphase musste sich der TVB bei seinem Torhüter bedanken, dass der Rückstand nicht noch größer wurde: Jogi Bitter kam immer besser ins Spiel und parierte etliche freie Würfe. 
Am Ende musste sich der Aufsteiger dem Favoriten erwartungsgemäß und auch in dieser Höhe wenig überraschend mit 21:33 beugen. Mit einem Sieg hatte nicht wirklich jemand gerechnet. Gehofft darauf, dass ihr TVB das Spiel ein bisschen enger gestalten könnte, hatten die Fans allerdings schon. Andererseits: Klar ist, dass die Bittenfelder ihre Punkte gegen andere Gegner holen müssen. Am Wochenende hat der TVB spielfrei, am Ostersamstag wartet beim Tabellensiebten HSG Wetzlar die nächste schwierige Aufgabe. 
TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Özmusul; Schimmelbauer (1), Schöbinger, Weiß (6), Schweikardt (1), Friedrich (1), Kisum (3), M’Bengue (3), Coric (1), Baumgarten, Fotache (2), Kretschmer, Spatz (3/2). 
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren, Ristovski; Schmid (1), Gensheimer (10/3), Kneer (1), Sigurmannsson, Baena, Larsen (4), Pekeler (3), Groetzki (5), Reinkind (7), Guardiola, Petersson, Ekdahl du Rietz (2 


Quelle: Thomas Wagner, ZVW