Kein Alarm, aber ein leiser Weckruf

Ein bisschen zu knabbern hat der Handball-Erstligist TVB 1898 Stuttgart nach der jüngsten 24:31-Pleite beim Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig. Ein Spiel zweier auf dem Papier gleichwertiger Gegner wurde zur klaren Angelegenheit. „Vielleicht war’s ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit“, sagt der TVB-Trainer Thomas König.

Mit großem Respekt hatten die Verantwortlichen des SC DHfK Leipzig vor dem Spiel von ihrem Gegner gesprochen. Nicht nur, weil der TVB sich mit den beiden Siegen gegen den Bergischen HC und TBV Lemgo von den Abstiegsrängen ein paar Schritte entfernt hat. Auch die körperliche Präsenz des TVB in der Abwehr beeindruckte den Leipziger Trainer Christian Prokop – und den Moderator der Leutzscher Welle.

Der Radiosender übertrug das Duell der Liga-Neulinge am Samstag live aus der Arena Leipzig. „Die berühmten Bittenfelder Äpfel müssen sehr nahrhaft sein, deswegen sind die Spieler so stabil gebaut“, scherzte der Moderator kurz vor Spielbeginn. Der Most, der den „Appelmännern“ auf der Heimfahrt von den Auswärtsspielen angeblich so gut schmeckt, dürfte dem TVB am Samstag ziemlich säuerlich aufgestoßen sein.

Nicht auf die Patzer der Konkurrenten verlassen

Zu feiern gab’s jedenfalls nichts. Von Lars Friedrichs Comeback vielleicht abgesehen. Am 7. Oktober vergangenen Jahres hatte der Linkshänder zuletzt auf dem Feld gestanden, ehe ihn eine hartnäckige Schambeinentzündung für zwölf Spiele zum Zusehen zwang.

Am Sonntagnachmittag war das Polster des TVB auf den ersten Abstiegsplatz von sechs Punkten auf fünf Zähler geschrumpft. Der ThSV Eisenach unterlag zwar in Wetzlar mit 20:26, doch der Bergische HC setzte sich mit 28:26 in Lemgo durch. Wenn’s dumm läuft, könnte sich der Vorsprung am kommenden Spieltag noch weiter verringern: Sowohl Eisenach (gegen Hannover) als auch der BHC (gegen Leipzig) rechnen sich in ihren Heimspielen etwas aus.

„Es wäre fatal, wenn wir uns darauf verlassen würden, dass die Konkurrenz ihre Spiele nicht gewinnt“, sagt Thomas König. Mit 13 Punkten sei der TVB zwar nach wie vor im Soll und es bestehe kein Grund, schwarzzusehen. „Doch wir wissen alle, dass wir noch punkten müssen. Und in Leipzig hätten wir die Chance gehabt.“

Dazu indes wäre eine bessere Anfangsphase von Vorteil gewesen. Ruck, zuck lagen die Bittenfelder deutlich im Hintertreffen, geschuldet in erster Linie den schludrigen Angriffsbemühungen. Leipzig nahm die Ballverluste dankend an und konterte den TVB aus. Sieben der 18 Gegentreffer der ersten 30 Minuten resultierten aus Gegenstößen. Eine schlüssige Erklärung für die Schlampigkeiten hat König nicht. „Vielleicht haben sich die Spieler nach den beiden Siegen zu sicher gefühlt, vielleicht hat die Spannung etwas gefehlt.“

Im zweiten Spielabschnitt kämpfte sich der TVB bis auf fünf Tore heran – und vergab beim 26:21 sechs Minuten vor dem Ende bei einem Konter die Chance, auf vier Treffer zu verkürzen. Nicht ausgeschlossen, dass die Leipziger doch noch nervös geworden wären. Das sah auch Christian Prokop so. „Im Handball ist so ein früher und großer Vorsprung nicht immer von Vorteil“, sagte der SC-Trainer bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Da verkrampft man manchmal.“ Am Ende indes war’s beim 31:24 eine ebenso klare wie verdiente Angelegenheit für die Leipziger.

Am Wochenende macht die Bundesliga Pause. Zehn Tage haben die Bittenfelder also Zeit, sich auf die nächste Aufgabe vorzubereiten: Am Mittwoch, 16. März (19 Uhr), gastiert der Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen in der Porsche-Arena. Hier ist der Aufsteiger krasser Außenseiter – wie auch zehn Tage später beim Tabellensechsten HSG Wetzlar mit seinen Europameistern Andreas Wolff, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher.

Die entscheidenden Spiele folgen danach: Spätestens gegen den TSV Hannover-Burgdorf, beim TuS Nettelstedt-Lübbecke und gegen den HBW Balingen-Weilstetten sollte der TVB punkten. Ansonsten dürfte es angesichts des strammen Restprogramms ganz, ganz eng werden mit dem Ligaverbleib.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW