Bloß keine Selbstzufriedenheit

Nach den bedeutsamen Siegen gegen den Bergischen HC und den TBV Lemgo wollen die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart auch im dritten Spiel in diesem Kalenderjahr punkten. Dabei steht der TVB am Samstag bei Mitaufsteiger SC DHfK Leipzig vor einer kniffligen Aufgabe. Lars Friedrich feiert nach über viermonatiger Zwangspause sein Comeback.

Die ambitionierten Leipziger, Meister der 2. Liga, waren vor der Saison als stärkster der drei Aufsteiger eingestuft worden. Und das Team von Trainer Christian Prokop, das vom Aufsichtsratsmitglied und Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar unterstützt wird, kam tatsächlich von Beginn an sehr gut zurecht und sorgte für die eine oder andere dicke Überraschung. Bereits am dritten Spieltag schlugen die Leipziger den SC Magdeburg mit 26:25, bezwangen den TBV Lemgo anschließend mit 28:25, holten in Gummersbach einen Punkt (23:23) und in Hannover beide Zähler (31:25). Im ersten Spiel nach der EM-Pause setzte sich Leipzig auch im Rückspiel in Magdeburg durch (31:28).

Zehn Spieltage vor Saisonende hat Leipzig bereits 17 Punkte auf dem Konto – und dürfte mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. Auch wenn der Trainer immer noch tiefstapelt: Wer in der Schlussphase der Saison die Konzentration verlöre, der könne seinen Vorsprung schnell einbüßen, verkündete Christian Prokop zu Beginn der Woche auf der Homepage des SC.

Auch der TVB macht sich mit großen Schritten auf den Weg Richtung Ligaverbleib. Die Ausgangslage ist gut, die Stimmung ebenso. Weil es jedoch genügend Beispiele gibt, wie Zuversicht in Selbstzufriedenheit mutiert, beugt der Trainer schon mal vor. „Ich versuche, gegenzusteuern“, sagt Thomas König. „Ich denke aber, die Spieler haben kapiert, wie die Situation ist. Sie wissen, dass noch nichts gewonnen ist.“

König hat Respekt vor dem Gegner. „Andererseits liegt Leipzig nur zwei Plätze vor uns. Es muss unser Anspruch sein, auch dort zu gewinnen.“ Auf dem Papier hat der TVB so viele Gelegenheiten nicht mehr, die notwendigen Punkte zu sammeln. Hannover, Lübbecke und Balingen sind Kandidaten ähnlicher Kragenweite.

Das Hinspiel entschied der TVB mit 28:26 für sich. Souveräner, als es das Ergebnis ausdrückt. Allerdings profitierte er davon, dass die Leipziger Torhüter Felix Storbeck und Milos Putera einen schwachen Tag erwischten. Auf dieser Position hat sich der SC – wie der TVB – während der EM-Pause verstärkt. Fündig wurden beide beim insolventen HSV Hamburg. Deshalb kommt’s am Samstag zum Duell der ehemaligen Mannschaftskollegen Jens Vortmann gegen Jogi Bitter.

Ebenfalls neu im Team der Leipziger sind der Rückraumspieler Benjamin Herth (TuS Nettelstedt-Lübbecke) und der Rechtsaußen Peter Strosack (Bayer Dormagen). Letzterer soll den verletzten Lucas Krzikalla ersetzen, Herth den Spielmacher Philipp Pöter. Der Routinier indes plant, wie der Linksaußen Marvin Sommer, gegen den TVB sein Comeback. Auf der Mitte-Position hat Leipzig mit Philipp Weber einen weiteren starken, torgefährlichen Spieler.

Stützen im Team sind außerdem im linken Rückraum der Ex-Eisenacher und lettische Nationalspieler Aivis Jurdzs, auf der rechten Halbposition Christoph Steinert sowie am Kreis der schweizer Nationalspieler Alen Milosevic. „Zudem hat Leipzig in der Abwehr sehr gute Qualität“, sagt König, der sich über Verstärkung im Kader freuen darf: Lars Friedrich, der nach überstandener Schambeinentzündung bereits gegen Lemgo auf der Bank saß, ist wieder voll einsatzfähig.

Damit hat König sein komplettes Team beieinander – auch wenn der eine oder andere über kleinere Wehwehchen klagt.

Quelle: Thomas Wagner, ZVW