„Bittermania“ in Bittenfeld–aber noch viel Arbeit

Der dritte Saisonsieg des TVB 1898 Stuttgart war ein großer Schritt auf dem Weg zum Verbleib in der 1. Handball-Bundesliga. Vier Punkte hat der Neuling nun Abstand auf den ersten Abstiegsplatz – und mit Jogi Bitter offensichtlich die erhoffte Verstärkung gefunden. Die „Bittermania“ nach dem 25:23 gegen den direkten Konkurrenten Bergischer HC war gewaltig.

Mancher TVB-Fan war sich sicher: Ohne Johannes Bitter wäre es nichts geworden mit dem dritten und so bedeutenden Saisonsieg gegen den Bergischen HC. Mit tollen Reaktionen entnervte der Bittenfelder Neuzugang die Löwen, am Ende standen elf Rettungsaktionen des Weltmeisters von 2007 im Protokoll. Die Fans schlossen ihren „Jogi“ schnell ins Herz, und der Gegner zollte ihm hernach Respekt. „Jogi Bitter hatte ein paar Paraden zu viel“, sagte der enttäuschte BHC-Rechtsaußen Arnor Gunnarsson direkt nach der Partie. Auch der ehemalige Bittenfelder scheiterte wiederholt am 33-Jährigen, dessen Debüt beim TVB besser nicht hätte sein können.

So stürzten sich kurz nach dem Schlusspfiff – noch auf dem Spielfeld – die Medien auf den Torhüter, der Sicherheitsdienst musste die euphorischen Fans zurückhalten. Schließlich wollte jeder dem neuen Helden auf die Schulter klopfen. So war das Nachspiel für Bitter mindestens genauso energieraubend wie der Hauptakt selbst.

Der Interview-Marathon des Bittenfelder Winterpause-Königstransfers endete am Sonntag erst kurz vor Mitternacht mit dem Auftritt in der Sendung „Sport im Dritten“. Am Montagmorgen verabschiedete sich Bitter für zwei Tage in den wohlverdienten Familien-Kurzurlaub nach Hamburg.

Der Bitter-Hype dürfte nun für zwei Tage ruhen, was Thomas König nicht unrecht sein dürfte. Schließlich gilt es, die Partie gegen die Löwen in aller Ruhe zu analysieren. Der TVB-Trainer hat viel Positives gesehen: eine über 60 Minuten hinweg aufopferungsvoll kämpfende Defensive beispielsweise, in der allen voran Viorel Fotache, Florian Schöbinger, Dominik Weiß und Tobias Schimmelbauer herausstachen – und bisweilen ein bisschen zu heftig zulangten. Jedenfalls nach dem Geschmack der nicht immer überzeugenden Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski. Nach fünf Minuten musste der TVB bereits seine zweite Zeitstrafe absitzen, am Ende waren es acht. „Es ist selten, dass Schiedsrichter gleich am Anfang so durchgreifen“, sagt König.

Besonders viel Kapital schlugen die Gäste allerdings nicht aus ihrer numerischen Überlegenheit. So gesehen, ging der Plan des TVB also auf. „Man hat ja bei der Europameisterschaft zuletzt gesehen, dass die Überzahl heute gar nicht mehr so entscheidend ist“, sagt König. Auch die deutsche Nationalmannschaft griff beherzt zu und musste mit den Konsequenzen leben.

Hier wie da freilich war die eine oder andere Zwei-Minuten-Strafe unter der Rubrik „unnötig“ einzuordnen. Selbst Jogi Bitter musste auf die Strafbank. Mit 20:17 führte der TVB nach 50 Minuten. Nach einem Freiwurfpfiff gab der Keeper den Ball nicht sofort frei, der BHC nützte die anschließende Überzahl zum 19:20-Anschluss.

Eine Aktion, die Thomas König natürlich nicht schmeckte. „Das sollte eigentlich nicht passieren“, sagt der Trainer. Ansonsten war auch er sehr zufrieden mit Bitter, der die Verstärkung sei, die der TVB gebraucht habe. „„Er hat ganz wichtige Bälle gehalten und strahlt die nötige Ruhe aus.“ Meistens jedenfalls.

Und er sorgt für positive Emotionen. „Ich habe versucht, die Jungs von der ersten Minute an von hinten heraus zu pushen“, sagte Bitter kurz nach dem Spiel. „Man hat gemerkt, dass die Sicherheit noch nicht da war.“

Allen voran im Angriff. Michael Schweikardt war die lange Spiel- und Trainingspause nach seinem Nasenbeinbruch und Bruch des Wirbelfortsatzes deutlich anzumerken, und auch bei den Kollegen im Rückraum lief noch nicht alles rund. Verständlicherweise, schließlich war ein Großteil während der Vorbereitung angeschlagen. „15 Tore in der zweiten Halbzeit sind in Ordnung“, sagt König. „Zehn vor der Pause sind natürlich ein bisschen wenig.“

Knapp zwei Wochen hat das Trainerteam nun Zeit, sich auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Am kommenden Wochenende wäre die Partie beim zwischenzeitlich insolventen HSV Hamburg auf dem Programm gestanden. Weiter geht’s am Sonntag, 28. Februar (17.15 Uhr), in der Porsche-Arena gegen den TBV Lemgo. Der siegte am Samstag souverän mit 28:22 in Eisenach, was den Bittenfeldern zusätzlich in die Karten gespielt hat: Drei Punkte haben sie jetzt Vorsprung auf das Team von Velimir Petkovic, vier auf den ersten Abstiegsplatz, den der Bergische HC einnimmt. Und komfortable acht Zähler sind’s auf den Vorletzten TuS Nettelstedt-Lübbecke.

Ein Ruhekissen ist das allerdings nicht, das weiß auch der Trainer. „Bis zum Lemgo-Spiel müssen wir im Angriff wieder in unseren Rhythmus kommen“, sagt König. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW