Große Chance auf ein Pölsterchen

Sieben Wochen hatte die Handball-Bundesliga Pause, das erste Spiel im neuen Jahr ist für den TVB 1898 Stuttgart gleich ein ziemlich bedeutendes: Schlägt der Aufsteiger am Sonntag in der ausverkauften Scharrena den Bergischen HC, hat er vier Punkte Abstand auf den ersten Abstiegsplatz. Der Transfer-Coup Johannes Bitter wird sein Debüt im TVB-Trikot feiern.

Die fantastischen Handball-Wochen mit dem Gewinn der Europameisterschaft sind vorüber, für die deutschen EM-Helden kehrt der Liga-Alltag ein. Der eine oder andere Club hofft, dass seine Angestellten den Schwung mitnehmen werden in die Liga. Beispielsweise die abstiegsgefährdeten HBW Balingen-Weilstetten und TuS Nettelstedt-Lübbecke, die mit Martin Strobel und Niclas Pieczkowski jeweils einen Goldjungen in ihren Reihen haben.

Um den Ligaverbleib kämpft auch der TVB 1898 Stuttgart – und der hat seit Januar sogar einen Weltmeister im Kader: Die Verpflichtung des ehemaligen Nationaltorhüters Johannes Bitter vom insolventen HSV Hamburg sorgte für Aufsehen in der Szene. Und nährte die Zuversicht, das große Ziel Ligaverblieb erreichen zu können. Zumal der TVB durch den Zwangsabstieg des HSV lediglich noch zwei Konkurrenten hinter sich lassen muss. „Die Ausgangsposition hat sich auf dem Papier sicherlich verbessert“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. „Es wird aber bis zum Schluss eine ganz enge Geschichte bleiben.“

Einen wesentlichen Teil zum Ligaverbleib beitragen soll der neue Torhüter Johannes „Jogi“ Bitter. König warnt jedoch vor überzogenen Erwartungen. „Die Mannschaft weiß, dass er nicht der alleinige Garant sein kann“, sagt der Trainer. „Jeder Einzelne muss noch etwas draufpacken.“ Nichtsdestotrotz freut sich König über Bitters Verpflichtung. Wie wichtig ein starker Torhüter und eine funktionierende Defensive seien, habe die EM gezeigt. Das diffizile Zusammenspiel Abwehr/Torwart hat beim TVB im ersten Saisonabschnitt nicht immer perfekt funktioniert. König hofft, dass Bitter nun für die nötige Stabilität sorgen wird. „Die Zusammenarbeit mit ihm ist sehr angenehm“, sagt König. Bitter brauche allerdings noch etwas Zeit. „Jede Trainingsminute wird ihm dabei gut tun.“

Der TVB sollte vom Start weg in Form sein

Viel Zeit indes hat der TVB eigentlich nicht, er sollte vom Start weg gut in Form sein. Schließlich steht der TVB besonders in den ersten beiden Spielen gegen die direkten Konkurrenten unter Zugzwang. Weil der HSV nicht mehr antritt, hat der Aufsteiger zwei Heimspiele in Folge. Nach den Bergischen Löwen gastiert der TBV Lemgo.

Bei einem Auftaktsieg am Sonntag vergrößerte sich der Vorsprung des TVB auf die Abstiegsplätze auf vier Punkte. König ist sich der großen Chance bewusst. Indes: Die Vorbereitung war ebenso holprig wie jene zu Saisonbeginn. Kasper Kisum (Rückenprobleme), Djibril M’Bengue (Patellarsehne), Dominik Weiß (Muskelfaserriss im Brustmuskel) trainierten nur eingeschränkt. Am schlimmsten erwischt hat es Michael Schweikardt. Nach dem Nasenbeinbruch im Spiel gegen Eisenach zog er sich in einem Testspiel einen Bruch des Wirbelfortsatzes zu. Ein kleines Fragezeichen steht deshalb noch hinter dem Einsatz des Spielmachers. Bis auf Lars Friedrich (siehe Artikel rechts) dürften ansonsten alle Spieler an Bord sein.

Der Gegner des TVB hat in der EM-Pause den polnischen Nationalspieler Maciej Majdzinski verpflichtet. Nach langer Verletzungspause feierte der BHC-Kapitän, Spielmacher und österreichische Nationalspieler Viktor Szilagyi im letzten Spiel vor der Pause gegen den THW Kiel (28:31) ein starkes Comeback. Nicht nur ihm jedoch gilt die Aufmerksamkeit der TVB-Deckung. Sehr spielstark ist im linken Rückraum Inal Aflitulin, der im November aus Rumänien kam. Ein Wiedersehen gibt es mit den ehemaligen Bittenfeldern Björgvin Gustavsson und Arnor Gunnarsson.

Im Hinspiel lag der TVB drei Minuten vor dem Ende mit 18:21 im Hintertreffen und rettete noch einen Punkt. „Wir scheiterten an unserer schwachen Trefferquote“, so König. Weil die Löwen mit einer offensiven Abwehr agieren, wird viel Bewegung vonnöten sein. Und Ballsicherheit, die im Rückraum allen voran Michael Schweikardt an den Tag legt. Ein Ausfall des Spielmachers wäre schwer zu verkraften.

 

Quelle: Thomas Wagner, ZVW